Horst Pirker "attackiert" Kurz, Fellner und die Dichands in offenem Brief

VGN-Chef kritisiert Corona-Medienförderung für den Boulevard.

VGN-Boss Horst Pirker "reicht es". Deshalb wendet er sich in einem offenen Brief an Bundeskanzler Sebastian Kurz und kritisiert dabei die Medienförderung und die Inseratenvergabe durch Ministerien und Co. an den heimischen Boulevard. Er schreibe Kurz diesen Brief, "weil man wieder einmal sagen muss, was viele wissen und kaum mehr jemand sagen will, in diesem Land. Weil viele einfach aufgegeben haben, weil manche es sich wirtschaftlich wenigstens einigermaßen gerichtet haben, weil andere schlicht Angst haben vor den Konsequenzen."

Dichands imperativer Charme und Fellners wirksames Repertoire

Der Boulevard – namentlich Krone, Heute und oe24 – werde nicht nur mit Presseförderung der Republik Österreich und mit Millionen für Anzeigen gefüttert, sondern jetzt auch noch mit "Millionen aus der Corona-Förderung". "Eva Dichand habe Sie, sagen Menschen, die es wissen sollten, mit ihrem bekannt beharrlichen wie imperativen Charme überzeugt und weil Sie ja wissen, Herr Bundeskanzler, dass Wolfgang Fellner über ein, zwar ganz anders angelegtes, aber ähnlich wirksames imperatives Repertoire verfügt, wurde auch der zweite Verleger von Quantitätsmedien üppigst bedacht", kritisiert der Chef der Verlagsgruppe News (VGN).

Qualitätsmedien hingegen versuche man "mit mehr oder weniger symbolischen Beiträgen zu sedieren", was laut Pirker auch weitgehend zu gelingen scheine. Einzige der Standard und der Falter hätten bisher aufbegehrt. Doch jetzt müsse auch er dies tun. "Die Konsequenz, um nicht Strafe zu sagen, wird wohl folgen; wir kennen das", schreibt Pirker.

Kritik am ORF

Auch der ORF bekommt in Pirkers Schreiben sein Fett weg: Dieser erhalte als öffentlich-rechtliches Medienhaus jährlich rund 700 Millionen Euro Gebühren. Im Gegenzug würden die jeweils regierenden Parteien dem ORF gegenüber "mehr oder weniger dezidierte inhaltliche Ansprüche, mit mehr oder weniger Erfolg" stellen. Pirker: "In den letzten Jahren eher mit weniger Erfolg, jetzt aktuell – wohl angesichts der Corona-Krise – mit geradezu überschießendem Erfolg."

Die private ProSiebenSat.1 Puls 4-Gruppe, "die bundesdeutsche Programme vor allem um österreichische Werbung" anreichere, sei in "Summe eine Bereicherung", da sie inzwischen auch ambitioniert selbständige österreichische Programme anbiete, und deshalb ebenfalls gefördert werde.  

"Kurz vertieft Ungerechtigkeiten"

Aber vielleicht habe Kanzler Kurz auch einen "Anspruch vor der Geschichte dieses Landes , nämlich, unter anderem, auch faire Bedingungen für Medienvielfalt zu schaffen und nicht – bequem – die Marktverzerrungen, die fatalen Ungerechtigkeiten, zu zementieren oder – wozu Sie sich hinreißen haben lassen – gar zu vertiefen", schreibt Pirker, bevor er mit einem "Bleiben Sie gesund" schließt. (red)

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