"Chef, ich geh mal powernappen …"

Isabella Krumhuber expressis verbis über die Arbeitswelt von heute und morgen.

In meiner Tätigkeit als Eventmanagerin habe ich das Vergnügen, bei den verschiedensten Veranstaltungen dabei zu sein und nicht selten ist es durchaus eine Verbindung von Vergnügen und Arbeit. So wie letztens, wo es um das Thema "Future of Work" ging. Es entwickelte sich eine anregende und spannende Diskussion – nicht nur bei den Speakern, sondern auch zwischen den Gästen.

Die Podiumsdiskussion zum Thema warf neben den mittlerweile gängigen Schlagwörtern wie Homeoffice, Co-Working-Spaces, etc. auch sehr spezifisch interessante Details einer Mitarbeiter-Umfrage (Deloitte-Insights Studie, Werteumfrage/Nespresso) auf, wie etwa, dass "guter Kaffee" an vierter Stelle von zehn abgefragten Themen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer steht. In der Reihung landeten somit nur "Gehalt", "Gleitzeit" und "Homeoffice" vor dem Kaffee, während beispielsweise "Teambuildingseminare" weit abgeschlagen landeten.

Kleiner Tipp für alle HR-Verantwortlichen: Spart euch gegenseitiges Auffangen und über glühende Kohlen laufen – scheinbar genügt es, dass es guten Kaffee in euren Firmen gibt!

Unternehmen mit Hygienefaktor

Die Firmen bzw. Chefs müssen mittlerweile viel mehr tun, als nur ein gutes, marktkonformes Gehalt zahlen. Eine Marke/Produkt/Tätigkeit muss sexy sein, dann nimmt der Arbeitnehmer von heute – wenn er denn vor der Wahl steht – nicht mehr unbedingt den (noch) besser bezahlten Job.

Gehalt ist ein sogenannter "Hygienefaktor". Das heißt jetzt aber nicht, dass Geld nicht mehr wichtig ist. Ganz im Gegenteil: Ein faires und marktkonformes Gehalt ist nach wie vor das "Basiscamp". Aber es funktioniert nicht linear: zu gering, sorgt es für Unzufriedenheit, ist es höher als angemessen, steigt die Zufriedenheit nicht unbedingt unmittelbar an. Schön langsam verstehe ich meinen BWL-Professor, der mir damals schon sagte: "Gehaltserhöhungen sind kurzfristige Maßnahmen, um Mitarbeiter zu motivieren." Ich muss ihm da Recht geben.

Unternehmen mit Phantasie

Firmen bzw. deren Chefs haben es zum Teil viel schwerer als noch vor zehn Jahren, da die Mitarbeitergemeinschaft nicht unbedingt super homogen ist, das aber mittlerweile nicht mehr stillschweigend hingenommen wird, sondern von dieser durchaus selbstbewusst gelebt wird. Entscheidungen wie Großraum- oder Einzelbüros, eigener Schreibtisch oder Co-Working-Space (wo man mit dem jobtechnischen Kosmetiktascherl um einen freien Platz rittern muss), Fitness-Studio oder Powernapping-Räume werden dadurch nicht gerade einfacher. 

Employer Branding heißt nicht Anmalen des Mitarbeiters, oder einfach einen Button an den Revers heften sondern ist mittlerweile unverrückbarer Bestandteil von Mitarbeiterbindung an eine Marke, ein Produkt, eine Firma. Je "sexier" das subjektive Empfinden bei Kunde und Mitarbeiter, desto besser und desto eher will man dort arbeiten und bleiben. Auch wenn der Mitbewerb ein bisschen mehr zahlen würde.

Einmal Führen bitte

Immer seltener rangieren "handfeste" Argumente wie Gehalt und Dienstauto ganz oben auf der Wunschliste potenzieller Mitarbeiter, sondern der Wunsch nach Führungskräften mit Flexibilität, effektive Führungsqualitäten, vertrauensvolle Arbeitsatmosphäre sowie sinnvolle Aufgaben und klare Verantwortlichkeiten. Der Mitarbeiter bzw. die Mitarbeiterin von heute legt Wert auf Inhalt, Komplexität und Sinnhaftigkeit ihrer Aufgaben.

Spannende Zeiten für Führungskräfte würde ich mal sagen! Es braucht also mehr als Fachwissen – Einfühlungsvermögen, keine altbackene "Top-Down"-Mentalität und eine Fülle an sogenannten Social Skills sind mittlerweile mehr als notwendig bei der Auswahl von Führungspersonal.

Der Mensch ist kein Computer

Gerade in der immer größer werdenden Digitalisierungswelt rücken sogenannte "menschliche" Skills, wie Problemlösungsfähigkeit, Kommunikation und Teamwork wieder in den Fokus. Und hier schließt sich für mich der Kreis: Die gute alte Firmen-Kaffeeküche hat nachweislich definitiv nicht ausgedient.

Ganz im Gegenteil: Räumlich gut durchdacht, versehen mit wirklich gutem Kaffee, kann sie einer der Dreh- und Angelpunkte für Teamwork, Brainstorming und Socialising sein. Zudem ist mittlerweile ja erwiesen, dass bei einer Videokonferenz kein sinnvoller Brainstorm zustande kommt. Manchmal sind's ja die kleinen Dinge, mit denen man beginnen kann. In diesem Sinne geh ich jetzt mal eine gute Tasse Kaffee trinken und schau, wen ich in der Kaffeeküche treffe.


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