"Wir sind immer wieder überrascht vom hohen Innovationsgrad österreichischer Produkthersteller"

LEADERSNET traf CAVEO-Geschäftsführer Martin Rieder zum Interview über das abwechslungsreiche Daily Business eines niederösterreichischen Ingenieurbüros und sein jüngstes Leuchtturmprojekt.

LEADERSNET: Sehr geehrter Herr Rieder, als Ingenieur haben Sie tagtäglich Kontakt zu den unterschiedlichsten Kunden und unterstützen diese bei vielschichtigen Projekten. Mit welchen Kunden haben Sie bislang zusammengearbeitet und kooperieren Sie eher mit den "Großen" oder KMUs?

M.Rieder: Mit unserem Ingenieurbüro arbeiten wir mit Unternehmen aller Größen, vom EPU bis zum weltweit operierenden Großunternehmen. Das macht die Arbeit spannend, da wir so erleben dürfen, dass auch KMUs internationale Großprojekte stemmen. In Bezug auf die Branchen arbeiten wir mit Unternehmen aus Industrie (Metall- und Hüttenindustrie, Holzindustrie, verarbeitende Industrie usw.) und Gewerbe (produzierendes Gewerbe, Maschinen- und Anlagenbauunternehmen und Hersteller technischer Produkte wie z. B. Messgeräte, Nahrungsmittelmaschinen, Bearbeitungsmaschinen, Prüfstände usw.) zusammen. Aber auch Betreiber von Industrieanlagen zählen zu unseren Projektpartnern. Immer wieder positiv überrascht sind wir vom hohen Innovationsgrad österreichischer Produkthersteller.

LEADERSNET: Aus all den Projekten der letzten Jahre, haben Sie einen Favoriten oder fällt Ihnen ein Projekt ein, das Ihnen als besonders spannend oder gar herausfordernd in Erinnerung geblieben ist, bzw. auf das Sie besonders stolz sind? 

M.Rieder: Ja, da gibt es in der Tat ein spannendes Projekt, wo wir einen Hersteller für (u. a.) Schankanlagen (Fa. Redl GmbH, Hollabrunn) im Bereich der Produktsicherheit und Produktkonformität bim Produkt „Silexa Growler & Bottle Filler" begleiten durften. Besonders stolz sind wir deshalb, da es am weltweiten Markt bisher kein vergleichbares Produkt gab (oder auch gibt) und lediglich ein Hersteller in Russland ein handbetriebenes Pendant vertreibt. In der Zusammenarbeit durften wir intensiv die Produktentwicklung begleiten und standen den Entwicklern mit Rat und Tat zur Verfügung. Wir konnten die Anforderungen der technischen Sicherheit einbringen, die dann auch durch die Techniker entsprechend umgesetzt wurde

. Im Zusammenspiel wurde ein nicht nur ein top-modernes, sondern auch sicheres Produkt (Bedienung via Touch-Panel, sichere Verriegelung der Schutzhaube, Betrieb mit Schutzkleinspannung, Funktionsanzeige mittels LED-Leuchtring usw.) geschaffen. Hervorheben möchte ich - und das macht mich auch äußerst stolz -, die Aussage und Dankbarkeit des Geschäftsführers, dass ohne unsere Unterstützung das Projekt beinahe „eingestampft" worden wäre. Nach der erfolgreichen Umsetzung und Berücksichtigung aller relevanten Inverkehrbringervorschriften wurde das Produkt auf den Markt gebracht und erfreut sich anhaltend hoher Nachfrage und Beliebtheit.

LEADERSNET: Der Name "Silexa Growler & Bottle Filler" verrät schon viel, aber dennoch: was genau kann dieses Produkt, wo wird es eingesetzt?

M.Rieder: Der Silexa Growler & Bottle Filler ist ein kompaktes Gerät zur Abfüllung von Bier in sogenannte Growler und Flaschen. Zum Einsatz kommt das Füllgerät vorrangig in Gaststätten und Brauereien, die das Selbstabfüllen von bis zu vier verschiedenen Biersorten pro Gerät ermöglichen. So kann das jeweilige Lieblingsbier als „Beer to go" frisch gezapft und mitgenommen werden. Toll für Partys, Fußballabende, Feiern, Grillfeste oder still genießende Bierliebhaber!

Der Silexa Growler/Bottle Filler © Redl

LEADERSNET: Was ist das Besondere an dem "Silexa Bottle Filler", wodurch hebt er sich von herkömmlichen Abfüllsytemen für Nahrungsmittel ab?

M.Rieder: Der Growler & Bottle Filler hebt sich durch die generelle Gestaltung und Ausführung des Gerätes ab. Durch eine Gegendruckfüllung ist ein Abfüllen von bis zu 2 Litern Bier in nur 90 Sekunden, ohne Schaumbildung möglich. Das Bier bleibt frisch und schmeckt immer frisch gezapft. Durch ein integriertes Reinigungssystem wird die erforderliche Hygiene sichergestellt. Eine durchdachte PC-Software ermöglicht die Verwaltung von Einstellungen, Bildern und Texten benutzerfreundlich und einfach möglich. Über optionale GSM/GPS Module kann auch eine Fernwartung oder das Auslesen von Fehlern ermöglicht werden.

In der Umsetzung der Inverkehrbringerbestimmungen haben wir besonders auf die Benutzerfreundlichkeit und die damit verbundene Sicherheit geachtet. Wir haben gemeinsam mit unserem Kunden überlegt, welche Anforderungen an Funktion, Sicherheit und Hygiene werden seitens der künftigen Betreiber und Benutzer gestellt. Dabei haben wir Fälle wie z. B. ein Bersten von Flaschen in die Betrachtung der Produktsicherheit oder die Reinigung des Geräts in die Beurteilung der Hygienesicherheit einfließen lassen. Ein hohes Level an integrierter Sicherheit zeichnet das Produkt aus. Aus meiner Sicht ist ein Spagat ausgezeichnet gelungen, nämlich Design und Funktion, sowie Produktsicherheit in einem ästhetischen und modernen Gerät zu vereinen.

Der Growler & Bottle Filler hebt sich von anderen Abfüllsystemen für Lebensmittel durch die klare Klassifizierung des abzufüllenden Produkts und dem eingegrenzten Betriebs- und Verwendungsbereich ab. Beer is the medium und dafür ist das Gerät auch gebaut. Möchte man andere Lebensmittel abfüllen, braucht es andere Geräte.

LEADERSNET: In welcher Phase des Entwicklungs-bzw. Produktionszyklus wurde Ihre Expertise als Ingenieurbüro schlagend?

M.Rieder: Wir haben unseren Kunden bereits ab einer frühen Phase der Produktentwicklung begleitet. Die Betreuung reichte bis zur Marktreife der Geräte, die, in Serie gebaut werden. In der Nachbetreuung stimmen wir geänderte Anforderungen an Produkte laufend mit den Entwicklern ab, wie aktuell beispielsweise geänderte Inverkehrbringerbestimmungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU nach dem Brexit. Gibt es neue Anforderungen, werden diese gemeinsam bearbeitet und umgesetzt.
Unsere Expertise stellte eine wichtige Ergänzung im Entwicklungsprozess dar, da wir den Entwicklern eine große Last abnehmen. Unsere Aufgabe bezieht sich auf alle Tätigkeiten zur Herstellung der Produktsicherheit und Produktkonformität. Wir stellen relevante gesetzliche Bestimmungen und Normen fest, beraten die Entwickler in der Umsetzung und überprüfen die Umsetzung. Eine Herausforderung ist natürlich die Berücksichtigung von Bestimmungen aller in Frage kommenden Zielmärkte. Da das Produkt nicht nur in Europa vertrieben wird, lag ein Schwerpunkt in der Zusammenfassung von gesetzlichen und normativen Vorgaben aufgrund der Diversität von Regelwerken. Durch unsere Erfahrungen und unser internationales Netzwerk war das aber auch recht einfach umsetzbar.

LEADERSNET: Wie lange dauerte der Entwicklungsprozess und wie schnell erlangte der Silexa Bottle Filler seine Marktreife?

M.Rieder: Die Produktentwicklung startete schon einige Zeit bevor wir mit an Board waren. Erst als es um die konkrete Umsetzung des Produktkonzepts ging, kam unsere Expertise zum Zug. Früh genug, um also auch bei Bedarf in die Entwicklung eingreifen zu können. Vereinfacht hat unsere Arbeit der hohe Grad an Verständnis in Bezug auf die Produktsicherheit bei den Produktentwicklern. Somit konnten wir rasch in die Bearbeitung einsteigen und entsprechende Ergebnisse erzielen.
Unsere Begleitung lief über etwas länger als ein Jahr, bis alle Vorgaben als erfüllt abgenommen werden konnten. Wichtig war dabei, dass wichtige Prüfungen der Prototypen abgeschlossen waren und die Dokumentation zusammengestellt war.

Der Silexa Growler/Bottle Filler © Redl

LEADERSNET: Wo ist der Silexa Bottle Filler heute im Einsatz?

M.Rieder: Das Gerät wird an sich weltweit eingesetzt, wobei aktuell die Hauptmärkte Österreich, Deutschland, die Schweiz und die USA darstellen. Kommen exotische Länder hinzu, prüfen wir gemeinsam mit dem Hersteller, ob die rechtlichen und normativen Anforderungen weiterhin erfüllt werden und ob Anpassungen erforderlich sind. Da aber bereits in der Entwicklung darauf geachtet wurde, deckt das Gerät in seiner Ausführung an sich alle relevanten Zielmärkte ab.

LEADERSNET: Ist für dieses Projekt Nachbetreuung notwendig?

M.Rieder: Allerdings. Im Sinne der Produktbeobachtung gibt es immer wieder einen Austausch mit dem Hersteller. Gibt es Rückmeldungen zum Produkt werden diese besprochen und gegebenenfalls entsprechende Maßnahmen eingeleitet. Schließlich ist der Anwender der kritischste Prüfer eines (sicheren) Produkts. Uns ist die Nachbetreuung sehr wichtig, da wir auch nach Projektabschluss ein verlässlicher Partner sein wollen. Ab und an reflektieren wir auch dieses und andere Projekte und sprechen über Entwicklungen auf rechtlicher und normativer Seite. Gibt es etwas Neues, halten wir unsere Kunden stets up-to-date. Oftmals werden, gerade im Anlagenbau, Projekte nach Jahren wieder aufgenommen, wenn beispielsweise Anlagen umgebaut oder angepasst werden. Dann springen wir rasch wieder auf den Zug auf und knüpfen dort an, wo wir mit Projektabschluss aufgehört haben.

LEADERSNET: Was macht Sie an diesem Projekt besonders stolz? 

M.Rieder: Stolz macht uns, wenn ein Projekt zur Zufriedenheit aller Beteiligten abgewickelt wird. Besonders stolz sind wir im Fall des Growler & Bottle Fillers, dass unser Kunde mit diesem Gerät 2017 mit dem Preis „Kreativ in die Zukunft" in der Kategorie "Technische Innovationen" ausgezeichnet wurde. Wir leben den Erfolg unserer Kunden mit und freuen uns immer wieder, wenn wir entsprechende Rückmeldungen wie beispielsweise zu dieser Auszeichnung bekommen. Innerlich stolz, am Erfolg mitgewirkt zu haben, wenngleich auch im Hintergrund. Genau das zeichnet meiner Meinung nach auch eine gute Verbindung zwischen Kunde und Dienstleister aus.

LEADERSNET: Welche Wünsche und Visionen haben Sie für zukünftige Projekte?

M.Rieder: Als Dienstleister wünschen wir uns, dass unsere Kunden mit uns, und wir mit unseren Kunden wachsen. Für uns ist Teamarbeit wichtig. Das heißt einerseits eine ausgezeichnete Zusammenarbeit im internen Team zu haben und auch eine hervorragende Zusammenarbeit mit dem Projektteam unserer Kunden aufzubauen. Unser Wunsch und auch unsere Vision ist es, unseren Kunden ein kompetenter Dienstleister zu sein, wo Herausforderungen rasch gelöst werden. Kommt am Ende ein sicheres Produkt heraus, macht uns das zufrieden und stolz, denn dann haben wir das Ziel erreicht. Einen konkreten Wunsch an künftige Projekte haben wir schon, nämlich, dass uns Kunden mit ihren Aufgabenstellungen herausfordern und den Detektivsinn aktivieren. Wir sind Techniker und lieben die Herausforderung, passende Lösungen zu finden.

www.ingenieurbueros.at

www.caveo.at

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Martin Rieder © Privat

"Der Ingenieur ein Durchblicker"

 



WKNÖ Fachgruppen-Obmann Ingenieurbüros KommR. Ing. Helmut Pichl ist es wichtig, die Tätigkeiten von niederösterreichischen Ingenieurbüros der Bevölkerung und den Auftraggebern, näher zu bringen.

Es werden die Leistungen von Referenz-Ingenieuren und deren Projekte vor den Vorhang gebeten werden.

Der NÖ Ingenieur verbindet die Natur des Landes Niederösterreich mit dem Wissen um die beste Technik mit seinem scharfen Durchblick, eben ein Durchblicker.

Fachgruppe Ingenieurbüros, Wirtschaftskammer Niederösterreich
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