Homöopathische Pizza-Witze, Globulisten und Gummibärchen-Rückgrat

Alexander Schöpf expressis verbis über humorbefreite Schwurbler und falsche Toleranz gegenüber Ignoranz.

"Marketing Tweet: Entdeckt jetzt unsere neue homöopathische Pizza. Extra sättigend, besonders teuer und mit köstlichen Spuren von Fischstäbchen. #Homöopathie". Mit diesem ganz offensichtlich ironischen Tweet, garniert mit einem Bild einer bis zum Rand angeknabberten Tiefkühlpizza, hat der deutsche Lebensmittelkonzern Dr. Oetker den geballten Zorn der Globulijünger auf sich gezogen.

© Screenshot Twitter/Dr. Oetker
© Screenshot Twitter/Dr. Oetker

Offenbar überrascht über den Shitstorm, hat das Bielefelder Unternehmen den Tweet wieder zurückgenommen und kleinlaut nachgelegt: "Es war zu keiner Zeit unsere Absicht, jemanden zu verärgern. Bitte auch in Zukunft unsere Tweets mit einer gesunden Portion Humor verstehen." Das wiederum brachte Dr. Oetker Kritik von zahlreichen Usern ein, die das Einknicken vor den "gekränkten Globulisten" (Zitat Dr. Christian Lübbers, bekannter Homöopathiekritiker – Anm. d. Red.) nicht sonderlich mutig fanden.

Wie man es also macht, macht man es falsch, oder? Nein, nicht unbedingt: Tatsächlich hätte Dr. Oetker gut daran getan, den ursprünglichen Tweet nicht zu löschen, anstatt Toleranz gegenüber der geballten Ignoranz und dem religiösen Eifer der äußerst humorlosen Aluhut-Fraktion zu zeigen und damit im Grunde genommen zu kommunizieren, dass man das Rückgrat eines Gummibärchens hat.

Denn der Witz von Dr. Oetker war weder diskriminierend, noch beleidigend und hat in Wahrheit ein real existierendes Problem witzig und ohne Umschweife auf den Punkt gebracht. Hut ab also vor der Social Media-Abteilung des Unternehmens, die sich den homöopathischen Pizza-Witz ausgedacht hat.

Kommunikationstechnisch katastrophales Zeichen

Mit der Rücknahme des Tweets (Warum eigentlich? Aus Angst ein paar Tiefkühlpizzen weniger zu verkaufen?) und der nachgeschobenen Entschuldigung hat das Unternehmen hingegen ein kommunikationstechnisch katastrophales Zeichen gesetzt: Nämlich, dass es besser ist, in vorauseilendem Gehorsam den Schwanz einzuziehen und sich in Selbstzensur zu üben, auch wenn es keinen einzigen objektiven Grund dafür gibt.

In Wirklichkeit wäre es wünschenswert, dass Unternehmen in so einem Fall etwas mehr Mut beweisen und nicht sofort einknicken, egal ob religiöse Fanatiker, Rechtsextreme oder einfach von Haus aus besonders Empfindsame glauben, sie müssen sich echauffieren. Und jene, die wegen einem Witz über Globuli ausrasten – und ihren Unmut auch noch öffentlich kundtun – sollten sich fragen, ob es nicht an der Zeit wäre, ihre Prioritäten im Leben ein wenig zu überdenken. 


Kommentare auf LEADERSNET geben stets ausschließlich die Meinung des jeweiligen Autors bzw. der jeweiligen Autorin wieder, nicht die der gesamten Redaktion. Im Sinne der Pluralität versuchen wir unterschiedlichen Standpunkten Raum zu geben – nur so kann eine konstruktive Diskussion entstehen. Kommentare können einseitig, polemisch und bissig sein, sie erheben jedoch nicht den Anspruch auf Objektivität.

Schön auf den Punkt gebracht!
Wieder super geschrieben, lgw

Kommentar schreiben

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV