"Statt auf Marktforschung und Kundenbefragungen habe ich mich auf mein Bauchgefühl verlassen"

DocLX-Chef Alexander Knechtsberger im exklusiven LEADERSNET-Interview.

Als Alexander Knechtsberger 1991 den mittlerweile legendären Tuesday4Club in der Wiener Kultdisco U4 ins Leben gerufen hat, hat er den Grundstein für eine beispiellose Karriere im Eventbereich gelegt. LEADERSNET hat sich mit dem DocLX-Chef zum Interview getroffen und darüber gesprochen, welche Rolle das Prädikat "legendär" bei DocLX spielt, warum es nur mehr bedingt stimmt, dass sein Unternehmen in erster Linie junge Menschen bespaßt, welche Ansprüche heute an Eventreisen gestellt werden und welche internationalen Märkte in Zukunft in Angriff genommen werden.

LEADERSNET: Herr Knechtsberger, Sie haben vor mittlerweile 28 Jahren DocLX gegründet. Ihre Agentur steuert also auf den magischen 30er zu, ihr Publikum war, ist und bleibt aber vorwiegend ein junges. Was war der Gedanke hinter DocLX, was ihr Leitsatz damals – und wo haben Sie sich heute hin entwickelt?

Knechtsberger: Das stimmt nur mehr bedingt. Junge Menschen zwischen 18 und 35 sprechen wir bei unseren Eventreisen Lighthouse Festival in Kroatien und Südafrika sowie mit X-Jam Croatia, der größten Event-Maturareise Europas an. 50 Prozent unseres Umsatzes entfallen heute aber bereits auf das Städtekarten-Segment. Wir sind seit Jahren strategischer Vertriebspartner des WienTourismus und haben gemeinsam die Vienna City Card weiterentwickelt. Zudem entwickeln wir Städtekarten für Linz, Belgrad und bald auch Graz. In diesem Bereich haben wir sowohl B2B-Kunden als auch klassische Städtetouristen. Das Unternehmen ist heute sehr breit aufgestellt. Bei der jungen Zielgruppe sind wir aber nach wie vor Experte und Pionier. Gemeinsam mit Diamir haben wir zum Beispiel vor über zwei Jahren auch das Electronic Sports Festival aus der Taufe gehoben, bevor eSports in Österreich zum Massentrend wurde.

Diese Entwicklung hängt sehr stark mit der Kraft der Marke DocLX zusammen: Nach meiner Promotion in Rechtswissenschaften hatte ich nur einen Traum, ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Das Ziel war immer eigene Produkte zu erschaffen und sie erfolgreich am Markt zu platzieren. Statt auf Marktforschung und Kundenbefragungen habe ich mich am Beginn immer auf mein Bauchgefühl verlassen und Formate geschaffen, die es damals zum Großteil einfach noch nicht gab. Das hat von Großveranstaltungen für exakt definierte Zielgruppen (DocLX Uni Feste, Hi!School Partys etc.), Internet Communities für Studenten (4Students.com), Eventmaturareisen (X-Jam, TurnOn), Ski-Openings für Wintersportregionen (Uni of Snow), elektronische Spielemessen(Game City) über international stark nachgefragte Boutique-Festivals (Lighthouse Festival), das Electronic Sports Festivals bis hin zu digitalen City Cards geführt.

All diese Produkte wurden mit extrem viel Herzblut geschaffen und haben immer das Ziel gehabt, in Sachen Qualität und Quantität die Marktführerschaft zu erreichen. Das Credo von DocLX ist seit Anbeginn, dass alles im Portfolio "legendär" sein muss; die Kunden müssen das gewisse Etwas erleben. Nur dadurch konnten wir die Marke DocLX so emotional aufladen und laufend weiterentwickeln.

LEADERSNET: In den letzten Jahren vermelden Sie immer wieder steigende Gästezahlen. Woran glauben Sie liegt der anhaltende Erfolg und die damit verbundenen Rekorde für Ihre Agentur?

Knechtsberger: Wir haben Kroatien als junge Destination mit unseren Eventtourismus-Projekten wie X-Jam Croatia und Lighthouse Festival auf der Landkarte sichtbar gemacht. Heute generieren wir dort jährlich 100.000 Nächtigungen! Wir haben sehr frühzeitig den Trend zur Individualisierung und flexiblen Tourismusangeboten erkannt und tragen auch dem Wunsch nach Nachhaltigkeit Rechnung. Der Wechsel von X-Jam von der Türkei nach Kroatien hat uns nicht nur doppelt so groß wie alle anderen Mitbewerber gemeinsam gemacht, sondern auch unseren CO2-Footprint drastisch reduziert, da die Anreise umweltfreundlich mit Bussen erfolgt. Durch die Kooperation mit der VALAMAR-Gruppe konnten wir ein Konzept umsetzen, dass schnell international eingeschlagen hat: Die größte kroatische Hotelkette stellt uns jährlich eine ganze Halbinsel für unsere Produktionen exklusiv zur Verfügung.

Im Städtetourismus haben wir mit dem Know-how aus der Weiterentwicklung der Vienna City Card die Nase vorn. Seit wir den Vertrieb Ende 2015 übernommen haben, wurde sie weit über eine Million Mal verkauft. Das verdanken wir dem WienTourismus, der diese Städtekarte seit Jahren so erfolgreich aufgebaut hat. In anderen Städten wie Linz und Belgrad spüren wir durch den wachsenden Individualtourismus vermehrte Nachfrage nach smarten, digitalen Tourismusprodukten, die unter anderem auch den öffentlichen Personennahverkehr beinhalten.

LEADERSNET: Die DocLX Holding ist heute sehr breit aufgestellt. Wie sieht ihr Portfolio aus?

Knechtsberger: Unter der DocLX Holding sind neun Firmen angesiedelt, die einen durchschnittlichen Jahresumsatz von 20 Millionen Euro einspielen und das Portfolio vor allem auf Eventtourismus und Städtetourismus aufteilen. Der alles überspannende Bogen ist aber die Fokussierung auf Digitalisierung. Durch diese in den letzten Jahren entwickelte Kernkompetenz konnten wir das Portfolio massiv nach oben skalieren und europaweit Fuß fassen. Das Ziel sind in einigen Unternehmen Plattformökonomien, wie sie aus dem Silicon Valley bekannt sind. Im Tourismus disruptieren wir den Markt durch smarte Ansätze und Skalierbarkeit.

LEADERSNET: Wie haben sich die Ansprüche an Eventreisen verändert und wie kommen sie diesen mit Ihren Formaten nach? Welche Entwicklung lässt sich hier beobachten?

Knechtsberger: Wir sehen zwei Phänomene: Eventisierung und Diversifizierung der Gesellschaft. Sie stellen uns jedes Jahr vor neue Fragen, wie wir die aktuellsten Trends umsetzen, unsere Produkte weiterentwickeln und dabei den Fokus auf sehr hoher Qualität halten. Durch laufende Evolution der Produkte wollen wir First Mover in unseren Geschäftsbereichen bleiben und damit die Kunden begeistern.

Beim Lighthouse Festival arbeiten wir zum Beispiel mit der Verknappungstaktik. Dadurch hat sich das Boutique-Festival zu einem Objekt der Begierde entwickelt: Wir sind Minuten nach dem Verkaufsstart ausverkauft. Kunden müssen sich sogar für Tickets für die Festivals in Kroatien und Südafrika bewerben, weil die Nachfrage so stark ist. Durch diese Begehrlichkeit formt sich eine homogene Crowd. Sie macht die Festivals so unverwechselbar.

LEADERSNET: 2020 feiert ja auch die Vienna City Card halbrunden Geburtstag – 25 Jahre gibt es sie, seit fast fünf Jahren ist DocLX nun für deren internationalen und vor allem digitalen Vertrieb zuständig. Was hat sich hier getan, welche Ziele verfolgen Sie mit diesem Lizenzprodukt?

Knechtsberger: Die Vienna City Card wurde 2012 zur besten City Card Europas gewählt. WienTourismus-Direktor Norbert Kettner hat mit seinem Team eine unangefochtene Marktposition in Wien aufgebaut. Wir dürfen die Karte in die nächste Liga führen. Der Trend zum Städtetourismus – allein Wien besuchen jährlich über sieben Millionen Touristen – spielt uns natürlich in die Karten. Durch unsere Konzentration auf die Digitalisierung und Weiterentwicklung der Karte können wir den Gästen noch mehr maßgeschneiderte Erlebnisse bescheren und sie genau auf ihre Bedürfnisse anpassen. Im Städtetourismus wird alles immer schneller und die Konkurrenz unter den Städten ist groß. Wir freuen uns umso mehr, dass wir auch Linz und Graz von unserem Angebot begeistern konnten und mit Belgrad eine weitere City Card gelauncht haben.

LEADERSNET: DocLX operiert ja mittlerweile auf internationaler Ebene – wo genau ist die Agentur aktuell aktiv, und wohin streckt sie ihre Fühler weiter aus?

Knechtsberger: Wir steuern unsere Geschäfte vom Palais Schönborn-Batthyány in der Wiener Innenstadt aus und haben eine Niederlassung in München, die für den deutschen Markt verantwortlich ist. Als künftige Zielmärkte bezeichnen wir die Schweiz und Skandinavien. Großbritannien ist für uns auch sehr interessant; nur bleiben die Entwicklungen des Brexits abzuwarten. Für unsere City Card Solutions, die als Plattformökonomie aufgestellt ist, sind alle Städte und Regionen der Welt potenzielle Kunden. Durch die Digitalisierung sind keine geografischen Grenzen gesetzt.

LEADERSNET: Welche ihrer Leistungen erachten Sie als besonders essentiell, mit welchen Argumenten wollen Sie insbesondere große Marken auf sich aufmerksam machen?

Knechtsberger: DocLX macht das Herzblut und die Emotion aus, die wir in jedes Projekt stecken; in Festivals genauso wie in Städte, Digitalisierungsprojekte oder einzelne Events. Wir brennen dafür, dass es für unsere Kunden legendär wird: die Usererfahrung am Smartphone ebenso wie der Festivalbesuch – da gibt es keinen Unterschied. Wir profitieren stark vom Know-how der Marken, die wir selbst aufgebaut haben und denken sehr unternehmerisch. So bringen wir ein Verständnis auf Augenhöhe für die Wünsche unserer Partner und Kunden ein. Wir haben ein großartiges Team aus 300 Expertinnen und Experten aus den unterschiedlichsten Richtungen. Durch diese Vielfalt denken wir vernetzt und vor allem über alle (Landes-)Grenzen hinaus!

LEADERSNET: Man kann DocLX aktuell als hierzulande marktführende Agentur in ihrem Segment bezeichnen. Wie wichtig ist es, Platzhirsch zu sein – und welche Rolle spielen Innovationen, wenn man schon "Nummer 1" ist?

Knechtsberger: Wir verstehen uns als First Mover in unseren Geschäftsbereichen. Anfangs ist uns die Marktführerschaft manchmal „passiert", weil wir Trends lange vor unseren Marktteilnehmern erkannt und aufgegriffen haben. Heute ist Marktführerschaft in den einzelnen Bereichen ein klares Ziel, an dem mein Team und ich mit vollem Engagement arbeiten. Um das zu erreichen, haben wir uns jedes Jahr eine große Innovation selbst verordnet, um den Antrieb zu mutigen, neuen Ideen innerhalb des Unternehmens zu stärken.

LEADERSNET: Worin liegt für Sie persönlich das Erfolgskonzept der Marke DocLX?

Knechtsberger: Herzblut, Professionalität gemischt mit einem einzigartigen Team und dem Freiraum für verrückte Ideen!

LEADERSNET: Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft? Haben Sie neue Visionen, oder einen großen Traum für das Morgen und Übermorgen?

Knechtsberger: Ich möchte noch viele verrückte Ideen umsetzen und das Unternehmen wirtschaftlich so nachhaltig ausbauen, dass noch viele Generationen diese Ideen genießen können und Raum für ihre eigenen Ideen finden.

www.doclx.com

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