Folgt auf Geiselnahmen-Krimi der Tod des weltältesten Reiseveranstalters?

Nach sich überschlagenden Ereignissen am Wochenende muss Thomas Cook die Notbremse ziehen – Einstellung des Betriebs wahrscheinlich.

Dass es dem ältesten Reiseveranstalter der Welt, dem britischen Unternehmen Thomas Cook, gar nicht gut geht, war schon lange kein Geheimnis mehr (LEADERSNET berichtete). Über das vergangene Wochenende hat sich die Lage aber noch einmal deutlich zugespitzt. Bald kamen Meldungen auf, dass der Veranstalter seinen Betrieb ganz einstellen muss. Kurz vor 24 Uhr in der Nacht von Sonntag auf Montag dann kam aus Konzernkreisen die Meldung dass der zweitgrößte Reiseveranstalter der Welt nach einer Reihe gescheiterter Rettungsversuche wohl im Laufe des Montags Insolvenz anmelden werde müssen.

Damit könnte das Unternehmen mit dem heutigen Tag seinen Betrieb einstellen. Der Nachrichtensender ITV News vermeldete mit Bezug auf Konzernquellen kurz vor Mitternacht mitteleuropäischer Zeit, dass Thomas Cook am Montagmorgen Insolvenz anmelden werde. Selbiges berichten die britische Zeitung Guardian sowie der Nachrichtensender Sky News.

"Geiseldramen" um Thomas Cook-Urlauber in Tunesien

Diesen für das Unternehmen sowie seine Kunden mehr als ernüchternden News gingen Berichte zuvor, denen zufolge einige Hotels Urlauber, welche ihren Aufenthalt über den tief in der Krise steckenden Veranstalter gebucht hatten, als "Geiseln" festhalten würden. Der Hintergrund: Thomas Cook war offenbar mit Zahlungen dermaßen im Rückstand, dass die Hotels nun die Urlaubenden ein zweites Mal zur Kasse bitten wollten, da sie nie Geld vom Reiseveranstalter gesehen hätten. Mehrere Videos machten hierzu auf Social Media die Runden, Thomas Cook reagierte prompt und sprach von geregelten Sachlagen, bereitgestellten Ersatzhotels und geleisteten Rückzahlungen an die Urlauber. Betroffen von der Misere des Veranstalters waren laut Informationsstand von Sonntag gut 600.000 Urlauber, die weltweit zu stranden drohten.

Trotz des schnellen Einschreitens seitens Thomas Cook war und ist diese Sachlage ein erschreckendes Testament für die gravierenden finanziellen Probleme des Reiseveranstalters, der dringend zusätzliche Mittel für Sanierungspläne benötigt hätte. Zuletzt war von Aufwendungen in Höhe von rund 227 Millionen Euro die Rede, die on top zu den bereits zugesagten 900 Millionen Euro dringend gebraucht wurden. Das Geld hätte zudem sehr schnell bereitgestellt werden müssten, um Thomas Cook zu retten. 

Verbissene Verhandlungen mit Geldgebern bis zum Schluss: "Haben noch nicht aufgegeben"

Am Samstag noch hieß es aus Verhandlungskreisen, dass Thomas Cook mit der Beschaffung der dringend benötigten Gelder von privaten Investoren gescheitert war. Um einen Bankrott abzuwenden setzte der Konzern seine Hoffnungen auf Hilfe seitens der britischen Regierung. "Wir haben noch nicht aufgegeben", wurde eine mit den Verhandlungen vertraute Person zitiert. Der Konzern, dessen größter Aktionär die chinesische Fosun-Gruppe ist, betreut jährlich 19 Millionen Reisende.

Am Sonntagabend dann kam die nächste Hiobsbotschaft: im Netz tauchten Videos auf, die den Schweizer Firmenchef Peter Fankhauser zeigen wie in der Londoner Innenstadt eine Rechtsanwaltskanzlei verlässt. Schweigend und mit ernstem, gesenktem Blick passiert er die wartenden Journalisten und ignoriert deren Fragen. Der Reisekonzern hatte bis zur letzten Sekunde verzweifelt versucht, die drohende Pleite abzuwenden. Die Führungsspitze des Konzerns verhandelte mit Banken, Gläubigern und der Regierung in

Bruchlandung: Insolvenz als letztes Kapitel von Thomas Cook?

Nun scheint das Schicksal von Thomas Cook jedoch besiegelt: mit Redaktionsschluss zeigen alle Zeichen auf eine Insolvenz und damit ein Betriebsende des Reiseveranstalters. Dieser Bericht wird laufend von der LEADERSNET-Redaktion aktualisiert. (rb)

www.thomascook.de

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