Coface-Studie: Weltwirtschaft verlangsamt sich

Ende des längsten Industriebooms der letzten 30 Jahre trifft besonders Chemiebranche in Europa und Nordamerika.

"Der längste Industrieboom der letzten 30 Jahre in der Eurozone endete im vergangenen November. Die Auswirkungen waren im ersten Quartal 2019 zu spüren. Der Welthandel verlangsamt sich", sagt Michael Tawrowsky, Country Manager Coface Österreich, zu der aktuellen Coface-Studie über Branchen- und Länderrisiken.

Unternehmensinsolvenzen steigen

Die Coface-Prognose sieht den Anstieg des Welthandels nur mehr bei 2,3 Prozent. Im vergangenen Jahr waren es noch drei Prozent. "Das globale BIP-Wachstum wird voraussichtlich das niedrigste seit 2016 sein. Unsere Prognose liegt bei +2,9 Prozent. Das sind -0,3 Punkte gegenüber 2018", erläutert Tawrowsky. Die Unternehmen zeigen sich viel weniger zuversichtlich und halten sich mit Investitionen zurück.

In diesem Jahr werden die Unternehmensinsolvenzen in 26 der 39 von Coface untersuchten Länder steigen, im Jahr 2018 waren es vergleichsweise nur 19 Länder. "Europäische Unternehmen zählen zu den am stärksten Betroffenen", betont der Coface-Manager. "Coface rechnet mit einem Anstieg der Insolvenzen um drei Prozent in Westeuropa und vier Prozent in Zentral- und Osteuropa."

Automobilzulieferer unter Druck

In Deutschland sei die Erosion des Unternehmervertrauens im verarbeitenden Gewerbe viel stärker ausgeprägt als in den Nachbarländern. Die große Offenheit der deutschen Wirtschaft und das Engagement in risikoreicheren Destinationen wie Türkei, Großbritannien, China und - in geringerem Maße - auch den USA bremsen den Auslandsumsatz. Die Bestellungen sind im März bei den Herstellern um über 4 Prozent gesunken, was der niedrigste Wert seit Januar 2017 ist.

Nach dem Automobilsektor, dessen Bewertung in Europa, Nordamerika und Lateinamerika Anfang des Jahres von Coface herabgestuft wurde, spüren nun die Zulieferer die Folgen des sinkenden Automobilabsatzes. Besonders betroffen ist der Chemiesektor.

Auch die petrochemischen Unternehmen reagieren empfindlich auf steigende Öl- und Ethanpreise sowie auf Änderungen des regulatorischen Rahmens und des Verhaltens der Verbraucher, die zunehmend um die Umwelt besorgt sind. Dieser Trend veranlasst Coface, den Chemiesektor in den Vereinigten Staaten, Deutschland und den Niederlanden auf mittleres Risiko und auf hohes Risiko in Frankreich, Großbritannien und Italien herabzustufen.

Kreditrisiko im Nahen Osten stabil

Der Anstieg der Ölpreise, der laut Coface 2019 mit durchschnittlich 65 US-Dollar auf einem komfortablen Niveau bleiben sollte, und die jüngste Neuausrichtung der Geldpolitik der US-Notenbank tragen dazu bei, das Kreditrisiko im Nahen Osten zu stabilisieren. Die Bewertung Saudi-Arabiens wird daher auf B heraufgestuft. Der Textil- und Holzsektor profitiert von erhöhten Haushaltsausgaben, was die Aufwertung seiner Bewertungen auf mittleres Risiko erklärt.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten, deren Länderbewertung im Februar letzten Jahres verbessert wurde, fallen drei Sektoren in die mittlere Risikokategorie: Automobil, insbesondere als Reaktion auf die vielen Infrastrukturprojekte, darunter die Expo 2020, der Einzelhandel, getrieben durch stärkeres Wachstum sowie Investitionen und Tourismus, und Textil-Bekleidung, die von erhöhter Kaufkraft und verändertem Verbraucherverhalten profitieren. (red)

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