"Intellektuell schwach und nicht witzig"

Wie weit darf Satire gehen? Medienpsychologe Vitouch und "Die Tagespresse"-Chef Jergitsch kritisieren "Titanic" für Lauda-Cover.

Witzig, bodenlose Frechheit oder einfach geschmacklos? Das Cover und die Titelgeschichte der deutschen Satirezeitung Titanic zum Skiunfall von Ex-Formel 1-Fahrer Michael Schumacher haben in den vergangenen Tagen für heftige Diskussionen gesorgt. Auf dem Cover der Titanic ist ein Bild von Niki Lauda zu sehen mit dem Titel "Exklusiv! Erstes Foto nach dem Unfall – So schlimm erwischte es Schumi".

Lauda fand das Titelblatt auf jeden Fall nicht witzig. Der Gratis-Tageszeitung Heute sagte der Unternehmer und Ex-Sportler: "Das Cover ist eine bodenlose Frechheit, absolut indiskutabel und völlig pietätlos. Wer bitte druckt so einen Schwachsinn?" Im Blattinneren der Titanic ist zudem eine Anleitung zu finden, wie Eltern ihren Kindern Michael Schumachers Skiunfall "mit Spiel und Spaß" erklären können. Zusätzlich gibt es den schwer verletzten Schumacher mit Helm-Puzzle ("Bereitet wenig Kopfzerbrechen!"), als Fehlersuchbild und Labyrinth-Rätsel.

"Satire ist ein Qualitätssiegel"

Nicht nur für Niki Lauda ist die Titanic damit über das Ziel hinausgeschossen. In den sozialen Netzwerken sah sich das Magazin teils heftiger Kritik ausgesetzt. Aber wie weit darf Satire nun gehen? "Satire darf alles" hat Kurt Tucholsky einst gesagt. Doch Fritz Jergitsch, Herausgeber der Online-Satirezeitung Die Tagespresse ist da anderer Meinung: "In meinen Augen ist Satire ein Qualitätssiegel, das sich ein Inhalt nur dann verdient, wenn es zum einen den Leser zum lachen bringt, zum anderen aber auch Kritik übt oder Missstände aufzeigt. Solange diese beiden Kriterien erfüllt werden, hat Satire auch gewisse Freiheiten und darf schon mal die Grenzen des guten Geschmacks unterschreiten. Denn das ist manchmal notwendig, um angemessen Kritik zu äußern."

Aus diesem Grund findet Jergitsch auch das Cover der Titanic nicht witzig: "Der einzige Grund, warum dieses Cover Aufmerksamkeit erregt, ist der provokante Tabubruch. Dagegen wäre ja noch nichts einzuwenden. Allerdings – wie viel Witz bleibt von der Story, wenn man den Tabubruch abzieht? Oder gar Kritik? Gar nichts. Ich finde das Cover ganz einfach nicht lustig." Am Ende bleibe nur mehr ein Niki Lauda, der sich vor den Kopf gestoßen fühle, weil jemand seinen tragischen Unfall für einen lahmen Witz missbrauche. "Daher ist das Cover ganz einfach unnötig."

"Intellektuell eher schwach"

Ähnlich sieht es auch Medienpsychologe und Publizistik-Professor Peter Vitouch: "Gute Satire lebt von der intellektuellen Erhöhung und stellt dem Leser intellektuelle Fallen." Dies sei beim Titanic-Cover jedoch nicht der Fall. "Es ist intellektuell eher schwach und wie ich finde auch nicht besonders lustig. Aber Letzteres ist auch Geschmackssache", urteilt der Kommunikationswissenschaftler. Eine Grenze wie weit Satire gehen darf, sieht Vitouch dort, wo Menschen zu Schaden kommen und es zu expliziter Rufschädigung kommt: "Jemanden mit Kindesmissbrauch in Verbindung zu bringen, würde beispielsweise eindeutig zu weit gehen.

Dennoch gibt der Medienpsychologe auch zu bedenken, dass sich Prominente sehr viel gefallen lassen müssen. "Jemand, der kontinuierlich in der Öffentlichkeit steht, tut in der Regel am besten daran, auf gewisse Dinge gar nicht zu reagieren."

Die Titanic reagierte indes auf ihre Art und Weise auf die Aussagen von Niki Lauda. "Die Kritik von Herrn Lauda macht uns betroffen", schreibt Chefredakteur Tim Wolff in einer Stellungnahme. "Wir haben unter Einhaltung der üblichen journalistischen Moralstandards einen Investigativ-Reporter als Krankenschwester verkleidet und in die Grenobler Klinik geschickt. Sollte es dabei zu einer tragischen Verwechslung mit einem anderen prominenten Crashpiloten gekommen sein, bedauern wir das ein bisschen." (red)

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