Die betriebliche Lehrausbildung bleibt ein zentraler Pfeiler des österreichischen Arbeitsmarkts. Rund 100.000 Lehrlinge werden derzeit in mehr als 27.000 Betrieben ausgebildet. Vor dem Hintergrund der laufenden Budgetdebatte spricht sich zukunft.lehre.österreich. (z.l.ö.) gegen Kürzungen bei der Basisförderung für Lehrbetriebe aus und fordert langfristige Planungssicherheit.
Betriebe sehen Ausbildung als Investition
Robert Machtlinger, Präsident von zukunft.lehre.österreich. und CEO der FACC AG, betont, dass Unternehmen ein großes Interesse daran hätten, Fachkräfte selbst auszubilden und langfristig im Betrieb zu halten. Gleichzeitig würden Ausbildungsbetriebe zunehmend zusätzliche Aufgaben übernehmen, etwa bei der Vermittlung grundlegender Kompetenzen.
"Diese Bereitschaft ist in den Unternehmen vorhanden. Es liegt in unser aller Interesse, Fachkräfte selbst auszubilden, sie im Unternehmen zu halten und ihr Know-how langfristig für den Standort nutzbar zu machen", sagt Machtlinger. Nicht alle Betriebe könnten diese Verantwortung jedoch alleine tragen. Die geplanten Kürzungen bei der Basisförderung würden daher die notwendige Planungssicherheit gefährden.
Ausbildungsbereitschaft könnte sinken
Wie eng Förderungen und Ausbildungsbereitschaft zusammenhängen, zeigt laut z.l.ö. ein aktueller Bericht des ibw. Demnach würden 15 Prozent der Unternehmen ohne finanzielle Unterstützung keine Lehrlinge mehr aufnehmen. Weitere 37 Prozent würden ihre Ausbildungsaktivitäten reduzieren oder infrage stellen.
Machtlinger verweist darauf, dass Unternehmen jährlich mehr als 2,5 Milliarden Euro in die Ausbildung von Fachkräften investieren. Diese Leistung müsse auch politisch entsprechend anerkannt werden. Es gehe dabei um die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Österreich.
Rückgang bei Lehrlingen erwartet
Zusätzlichen Druck sieht der Verein durch die aktuelle Entwicklung am Lehrstellenmarkt. Laut einer AMS-Studie werde für heuer ein Rückgang des durchschnittlichen Lehrlingsbestands um 2,6 Prozent erwartet. Damit würde die Zahl der Lehrlinge auf rund 97.400 sinken und den niedrigsten Stand seit Beginn der Beobachtungen 1999 erreichen.
Für Irina Querfeld, Eigentümerin des Café Landtmann und weiterer Wiener Traditionsbetriebe, sei das ein klares Warnsignal. "Ausbildung ist für uns keine kurzfristige Kostenfrage, sondern eine Investition in junge Menschen, in Qualität und in die Zukunft unserer Branche", so Querfeld. Gleichzeitig dürfe die Verantwortung für die Ausbildung nicht nur bei einzelnen Traditionsbetrieben liegen. Es brauche mehr Unternehmen, die bereit seien, Lehrlinge auszubilden.
Sie betont zudem, man brauche Unterstützung, Wertschätzung und klare politische Rahmenbedingungen. Wer Fachkräfte wolle, müsse jene stärken, die ausbilden.
Unternehmen übernehmen zusätzliche Aufgaben
Nach Einschätzung von z.l.ö. benötigen viele Jugendliche beim Einstieg in die Lehre heute mehr Unterstützung als früher, sowohl bei grundlegenden Kompetenzen als auch im sozialen Bereich. Gertrude Schatzdorfer-Wölfel, Geschäftsführerin von Schatzdorfer Gerätebau, verweist darauf, dass viele Ausbildungsbetriebe bereits weit über die fachliche Ausbildung hinaus Verantwortung übernehmen würden. Junge Menschen bräuchten häufig zusätzliche Begleitung und Unterstützung. Diese Leistungen müssten gesehen und abgesichert werden.
Zudem sei eine praxisnahe Berufsorientierung wichtig, um Fehlentscheidungen und Ausbildungsabbrüche zu reduzieren.
Lehre als volkswirtschaftlicher Faktor
Die duale Ausbildung sei laut z.l.ö. auch volkswirtschaftlich von großer Bedeutung. Durchschnittlich investieren Unternehmen demnach rund 25.500 Euro pro Lehrling und Jahr. Gleichzeitig würden Lehrlinge bereits ab dem ersten Ausbildungstag Steuern und Sozialversicherungsbeiträge leisten.
Machtlinger erklärte, die duale Ausbildung sei "in hohem Maß eine privat getragene Investition mit erheblichem volkswirtschaftlichem Nutzen". Ein Rückgang der Ausbildungsaktivitäten hätte direkte Auswirkungen auf Arbeitsmarkt, Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Entwicklung.
Forderung nach klarer Koordination
Da die Lehrausbildung mehrere politische Bereiche betreffe, fordert z.l.ö. auch eine stärkere Koordination auf Bundesebene. Die Interessen der betrieblichen Ausbildung müssten gebündelt und als Teil einer langfristigen Fachkräftestrategie weiterentwickelt werden.
Abschließend spricht sich die Organisation für eine verlässliche Absicherung der Basisförderung im Bundesbudget aus. Gleichzeitig müsse das Fördersystem verständlich, praxistauglich und administrativ einfach gestaltet werden.
LEADERSNET war bei der Veranstaltung. Einen Eindruck können Sie sich hier machen.
www.zukunft-lehre.at
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