Interview mit Alexander Speckle
"Wir bauen für die nächsten Generationen"

| Redaktion 
| 12.07.2026

Die Erweiterung der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz durch den Tiroler Landesenergieversorger TIWAG-Tiroler Wasserkraft AG steht kurz vor dem Abschluss. LEADERSNET hat dazu mit dem zuständigen Vorstandsdirektor Alexander Speckle gesprochen.

LEADERSNET: Sehr geehrter Herr Speckle, wann geht das neue Kraftwerk ans Netz?

Alexander Speckle: Die Inbetriebnahme des Kraftwerks erfolgt bis Herbst 2026, im Anschluss geht es ans Netz. Die offizielle Eröffnung ist für 2027 geplant. Aktuell laufen die finalen Bauarbeiten und bereits die ersten Inbetriebnahmen. Ende April haben wir die 25,6 Kilometer lange Beileitung ins Stubaital fertiggestellt. Damit ist dieser Stollen einer der längsten einseitig aufgefahrenen weltweit. Das ist wahrlich weltmeisterlich. Gemeinsam mit Landeshauptmann Anton Mattle haben wir gerade den letzten Stein für den 113 Meter hohen Naturschüttdamm gelegt, seit Mitte Juni wird der Speicher für den Probestau gefüllt. Wir liegen also voll im Zeit- und Budgetplan und ich darf an dieser Stelle meinen außerordentlichen Dank an die ausführenden Firmen und Lieferanten mit ihren Mitarbeiter:innen sowie das gesamte TIWAG-Team aussprechen. Alle am Bau Beteiligten haben in den vergangenen Jahren in jeder Hinsicht Großartiges geleistet.

LEADERSNET: Wie schwierig kann man sich die Umsetzung dieses Projekts im hochalpinen Raum vorstellen?

Speckle: Es handelt sich hier nicht nur um die größte, sondern auch die höchstgelegene Wasserkraftwerksbaustelle in Europa. Speziell im Winter – und dieser dauert im Hochgebirge bekanntlich deutlich länger – bringt das erhebliche logistische Herausforderungen mit sich. Das gesamte Team war jedoch gut eingespielt und wir haben sämtliche Bauphasen konsequent und mit vollem Engagement aller Beteiligten durchgezogen. TIWAG hat dabei auf das sogenannte Allianzmodell mit dem ausführenden Baukonsortium gesetzt. Hier ist TIWAG in der österreichischen und europäischen Bauindustrie ein Vorreiter. Der Erfolg – Best for Project – hat uns dabei recht gegeben. Ein derartig komplexes Infrastrukturprojekt innerhalb des Budgets abzuwickeln ist nicht selbstverständlich und eine Meisterleistung – darauf bin ich außerordentlich stolz.

LEADERSNET: Wie viel hat das Projekt am Ende gekostet?

Speckle: Wir gehen aktuell von 1,13 Mrd. Euro aus. Das ist die größte Einzelinvestition der TIWAG in 100 Jahren und eine klare Ansage für die Zukunft: Mit unseren Speicher- und Pumpspeicherkraftwerken erhöhen wir nicht nur die eigene Energieunabhängigkeit, sondern leisten auch einen wirksamen Beitrag für die Energiewende, indem wir freie Kapazitäten für überschüssigen Sonnen- und Windstrom schaffen und damit die Wertschöpfung im eigenen Land stärken. Aktuell gibt Tirol noch immer jedes Jahr 1,2 Mrd. Euro für fossile Brennstoffe aus und die Folgen dieser Abhängigkeit werden uns derzeit wieder täglich vor Augen geführt.

LEADERSNET: Welche anderen Projekte realisiert TIWAG derzeit?

Speckle: TIWAG baut so viel wie seit Jahrzehnten nicht: Aktuell managen wir drei große Wasserkraftwerksbaustellen. Neben dem Ausbau der Bestandsanlage im Kühtai errichten wir aktuell ein neues Wasserkraftwerk in Matrei in Osttirol, das im Herbst 2026 in Betrieb geht. Auch die Bauarbeiten für die Innstufe Imst-Haiming laufen auf Hochtouren. Insgesamt investieren wir allein für diese drei Projekte rund 2 Mrd. Euro und leisten damit nicht nur einen wichtigen Beitrag für die künftige Stromversorgung, sondern beleben die regionale Wirtschaft, schaffen Arbeitsplätze vor Ort und stärken die Standortgemeinden. Wir sind ein wichtiger Turbo der Wirtschaft für Tirol.

LEADERSNET: Und wie steht es um das Vorhaben im Kaunertal?

Speckle: Hier läuft das behördliche Genehmigungsverfahren. Wir haben alle erforderlichen Unterlagen und Gutachten dazu vorgelegt. Für mich steht dabei völlig außer Frage, dass Tirol und Europa diesen zusätzlichen Speicher für die Energiewende dringend benötigen. Das öffentliche Interesse überwiegt demnach klar. Die von außen hereingetragenen Kampagnen von WWF und anderen NGOs schüren oft Angst und Verunsicherung und bringen darüber hinaus keinen Mehrwert. Auch habe ich von deren Vertreter:innen noch keine gleichwertigen Alternativen zum geplanten Projekt vernommen. Wer, wenn nicht die Erneuerbaren, schützen unser Klima? Mit dem geplanten Pumpspeicher Versetz wird die Tiroler Abhängigkeit von fossilen Energieträgern um zehn Prozent reduziert. Durch die Investitionen kommt es zu fast einer Milliarde Euro an Bruttowertschöpfung in Tirol. Dieses Projekt rechnet sich also gleich in doppelter Hinsicht.

LEADERSNET: Wie bewerten Sie die Sicherheit dieser Anlagen im alpinen Raum?

Speckle: Wir arbeiten nach den modernsten technischen Standards und das bezieht sich nicht nur auf unsere geplanten Projekte, sondern selbstverständlich auch auf unseren bestehenden Kraftwerkspark. Manche unserer Anlagen existieren und funktionieren immerhin seit über 100 Jahren. Wir legen bei unseren neuen Projekten höchsten Wert auf eine hochqualitative und interdisziplinäre Planung, die auch ökologische Aspekte und den Schutz vor Naturgefahren berücksichtigt. Die TIWAG verfügt über einen großen Stab an anerkannten und sehr erfahrenen Fachleuten in der Wasserkraft. Zudem unterstützen uns interne und externe Top-Expert:innen, die auch international hoch angesehen sind. Aufgrund meiner internationalen Projekterfahrung kann ich bestätigen, dass die Standards in Österreich so hoch wie nirgends sind. Wir bauen hier für die nächsten Generationen!

LEADERSNET: Vielen Dank für das Gespräch.

www.tiwag.at

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