Fotos von der Pressekonferenz
"Digitale Souveränität bedeutet nicht Abschottung, sondern Wahlfreiheit"

Österreichische Top-Unternehmen wie A1, Erste Bank, Vienna Insurance Group, Spar & Co gründen eine Initiative, um den Digitalstandort zu stärken und die Abhängigkeit von außereuropäischen Technologieanbietern zu verringern.

Themen wie Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Cybersicherheit gewinnen für Unternehmen nach wie vor an Bedeutung. Vor diesem Hintergrund haben die A1 Telekom, Anexia, Erste Bank, Keba Group, Spar ICS, Umdasch und die Vienna Insurance Group die "Initiative Digitale Souveränität" ins Leben gerufen. Ziel ist es, Österreich und Europa technologisch unabhängiger, innovativer und widerstandsfähiger zu machen.

Weniger Abhängigkeit von internationalen Tech-Konzernen

Wie im Rahmen einer Pressekonferenz mitgeteilt wurde, steht die Stärkung europäischer Technologien und digitaler Infrastruktur im Mittelpunkt der Initiative. Gleichzeitig soll die Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern – etwa bei Cloud-Diensten, Betriebssystemen oder Künstlicher Intelligenz – reduziert werden. Die Initiator:innen betonen allerdings, dass es nicht um Abschottung, sondern um mehr Wahlfreiheit und europäische Alternativen geht.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Schutz kritischer Infrastruktur. Sichere digitale Systeme gelten als wesentliche Voraussetzung, um Unternehmen und öffentliche Einrichtungen widerstandsfähiger gegen Cyberangriffe und geopolitische Risiken zu machen.

Auch Alexander Windbichler, CEO der Anexia Group, sieht europäische Technologien als strategischen Erfolgsfaktor. Digitale Souveränität bedeute für ihn vor allem mehr Software-Hoheit und technische Entscheidungsfreiheit. Gleichzeitig spricht er sich für offene Schnittstellen und faire Wettbewerbsbedingungen aus, um europäische Anbieter langfristig zu stärken.

Fokus auf Innovation, Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit

Nach Angaben der Initiative verfolgt das Bündnis fünf zentrale Ziele: mehr digitale Wertschöpfung in Europa, höhere Cybersicherheit, größere technologische Unabhängigkeit, eine stärkere internationale Wettbewerbsfähigkeit europäischer Lösungen sowie die Verankerung europäischer Werte wie Datenschutz und Transparenz.

Thomas Arnoldner, Deputy CEO der A1 Group, verweist darauf, dass Europa im digitalen Bereich ähnlich wie bei Energie oder Verteidigung seine Handlungsfähigkeit stärken müsse. "Heute sind wir bei Betriebssystemen, Cloud und KI stark von wenigen außereuropäischen Anbietern abhängig. Digitale Souveränität bedeutet nicht Abschottung, sondern Wahlfreiheit und europäische Alternativen – besonders bei kritischen Daten. Mit unseren souveränen Cloud-Lösungen, bei denen Daten Europa nicht verlassen, leisten wir dazu bereits heute einen konkreten Beitrag", so Arnoldner.

KI und europäische Cloud-Lösungen im Mittelpunkt

Auch andere Gründungsmitglieder sehen großen Handlungsbedarf. Christoph Knogler, CEO der Keba Group, spricht sich dafür aus, Künstliche Intelligenz stärker in den Unternehmensstrategien zu verankern und erfolgskritische Prozesse möglichst auf unabhängiger Infrastruktur zu betreiben.

Gerda Holzinger-Burgstaller, CEO der Erste Bank, betont die Bedeutung europäischer Innovationen und Investitionen. Neue technologische Entwicklungen würden auch neue Anforderungen an Unternehmen mit sich bringen. Österreich verfüge dabei über starke Forschungskompetenz, etwa im Bereich der Quantensicherheit.

Für Andreas Kranabitl, Geschäftsführer von Spar ICS, sind leistungsfähige digitale Plattformen die Grundlage moderner Handelsunternehmen. Die Erfahrungen aus Anwendungen wie der Spar-App oder Self-Check-out-Lösungen wolle das Unternehmen in die Initiative einbringen, um praxisnahe Lösungen für mehr digitale Souveränität mitzugestalten.

Für die Vienna Insurance Group sieht CIO Harald Schabernack in der digitalen Souveränität vor allem eine Chance, Innovationen nach europäischen Maßstäben voranzutreiben und gleichzeitig die Kontrolle über Technologien und Daten zu behalten.

Wolfgang Litzlbauer, Vorstandsvorsitzender der Umdasch Group, verweist auf die Bedeutung einer globalen Strategie mit möglichst hoher lokaler Wertschöpfung. Digitale Lösungen müssten so gestaltet werden, dass Unternehmen auch bei geopolitischen Veränderungen handlungsfähig bleiben. Gleichzeitig brauche es verstärkte Investitionen in Ausbildung sowie Kompetenzen rund um Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Cybersicherheit.

Dialog mit Politik und Wirtschaft geplant

Die "Initiative Digitale Souveränität" versteht sich als Plattform für den Austausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Geplant sind unter anderem Positionspapiere, Pilotprojekte sowie Diskussionsveranstaltungen, um den Digitalstandort Österreich und Europa langfristig zu stärken.

Fotos von der Pressekonferenz zur Gründung sehen Sie in der Galerie.

www.souveraen-digital.at

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