KI und Quantencomputer
EZB schlägt bei Bank-CEOs Alarm wegen neuer Cyberbedrohungen

| Tobias Seifried 
| 09.07.2026

Die Bankenaufsicht sieht den Finanzsektor vor einem technologischen Wendepunkt. Institute sollen ihre IT-Systeme neben KI-Angriffen auch frühzeitig für künftige Risiken durch Quantencomputer absichern.

Eine neue Generation von Cyberbedrohungen stellt Unternehmen zahlreicher Branchen vor immense Herausforderungen. Denn neben Angriffen mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) gewinnen laut Expert:innen auch die Risiken durch leistungsfähige Quantencomputer zunehmend an Bedeutung.

Passend dazu hat jetzt die Europäische Zentralbank ihre bisherigen Warnungen vor neuen Cyberrisiken für den Finanzsektor verschärft. In einem aktuellen Schreiben an die CEOs europäischer Banken weist die Aufsicht darauf hin, dass Künstliche Intelligenz Cyberangriffe erheblich beschleunigen und automatisieren kann. Gleichzeitig fordert sie die Institute auf, bereits jetzt Vorbereitungen für den Einsatz leistungsfähiger Quantencomputer zu treffen.

KI erhöht Tempo und Komplexität von Angriffen

Nach Einschätzung der EZB eröffnet Künstliche Intelligenz Angreifer:innen neue Möglichkeiten – etwa durch die automatisierte Suche nach Sicherheitslücken oder großangelegte Attacken auf kritische Finanzinfrastrukturen. Banken seien deshalb gefordert, ihre Schutzmaßnahmen laufend weiterzuentwickeln.

Gleichzeitig kündigt die Europäische Zentralbank an, sich verstärkt mit den Auswirkungen von Quantencomputern auf heutige Verschlüsselungsverfahren zu befassen. Die Einführung sogenannter quantensicherer Verschlüsselung werde Jahre dauern und müsse daher bereits jetzt vorbereitet werden.

Gefahr beginnt schon heute

Darauf weist auch die Initiative Diplomatic Council Quantum Leap (DCQL) hin. Cyberkriminelle könnten verschlüsselte Daten bereits heute speichern und erst in einigen Jahren mithilfe leistungsfähiger Quantencomputer entschlüsseln. Betroffen wären insbesondere sensible Informationen wie Kundendaten, Finanztransaktionen oder Geschäftsgeheimnisse.

Harald A. Summa, Chairman von DCQL, sieht die Warnung der EZB als klares Signal. Banken müssten die technologische Grundlage für die Cyberbedrohungen von morgen bereits heute schaffen.

Plattform für quantensichere Kommunikation

DCQL errichtet derzeit am Finanzplatz Frankfurt eine Plattform, die Banken, Versicherungen und Infrastrukturbetreiber beim Übergang zu quantensicheren Kommunikationslösungen unterstützen soll.

Auch Jürgen Fiedler, Chief Risk Officer der FNZ Bank, sieht dringenden Handlungsbedarf. KI verändere bereits heute die Geschwindigkeit, mit der Schwachstellen entdeckt und ausgenutzt werden könnten. Gleichzeitig würden viele Marktteilnehmer:innen die Risiken durch Quantencomputer noch unterschätzen, obwohl die Vorbereitungen auf eine quantensichere Infrastruktur bereits jetzt beginnen müssten.

www.bankingsupervision.europa.eu

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