Video von der Pressekonferenz
Neue Space Factory am Flughafen Wien eröffnet

Der Raumfahrtstandort in Schwechat wächst weiter und bietet nun jungen Space-Tech-Unternehmen neue Möglichkeiten, Hardware zu entwickeln, zu testen und zur Marktreife zu bringen. LEADERSNET.tv war bei der feierlichen Eröffnung dabei und fragte die Verantwortlichen, welche Rolle die neue Infrastruktur im wachsenden Space-Ökosystem spielt, woran die angesiedelten Unternehmen bereits arbeiten und warum Niederösterreich im internationalen Raumfahrtmarkt stärker mitmischen will.

Niederösterreich positioniert sich zunehmend als starker, international wichtiger Player in der Raumfahrt. Am Flughafen Wien-Schwechat wächst dafür seit einigen Jahren ein eigenes Ökosystem heran, dessen Kern das 2024 eröffnete ESA Phi-Lab Austria bildet. Am Mittwoch erhielt dieser Standort mit der neuen Space Factory nun zusätzliche Infrastruktur, die im Rahmen einer Pressekonferenz gemeinsam von Flughafen-Vorstand Günther Ofner, NÖ-Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner sowie Michael Moll, dem Geschäftsführer des ESA Phi-Lab Austria, eröffnet wurde.

Werkstatt für den Weg zur Marktreife

Die Space Factory soll jungen Space-Tech-Unternehmen einen Ort bieten, an dem sie Hardware entwickeln und erproben können. Zur Ausstattung zählen unter anderem moderne 3D-Drucksysteme, Elektronik- und Entwicklungsarbeitsplätze, eine Klimakammer sowie ein Reinraum-Arbeitsplatz. Damit sollen Teams ihre Projekte vorantreiben können, ohne auf externe Infrastruktur angewiesen zu sein.

"Mit dieser Space Factory setzen wir einen weiteren Baustein, um Projekte vom Prototypen zur Marktreife zu bringen", so NÖ-Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und betonte: "Denn gute Ideen allein reichen nicht. Aus guten Ideen müssen auch marktfähige Produkte werden." Insgesamt solle damit nicht nur der Wirtschafts- und Innovationsstandort Niederösterreich gestärkt, sondern auch Arbeitsplätze für die Zukunft geschaffen werden.

Flughafenvorstand Günther Ofner sprach von den optimalen Rahmenbedingungen, die der Flughafen zu einer erfolgreichen Entwicklung der Unternehmen am Standort beitragen könne: "Von der Verkehrsanbindung bis hin zum Ökosystem, das hier insgesamt wächst und sich entwickelt, in dem sich in vielen Bereichen einzelne Firmen und Akteure wesentlich befruchten können." Wirtschaftspolitisch brauche es aus seiner Sicht künftig mehr Investitionen in Unternehmensgründungen und wirtschaftliche Aktivität. "Gerade im Segment der Weltraumwirtschaft haben wir gute Voraussetzungen, um hier aufzuholen", zeigte sich Ofner überzeugt.

Ein Ökosystem mit internationaler Anziehungskraft

Den Ausbau eines Space-Ökosystems bezeichnete die Landeshauptfrau als zentrales Vorhaben der Wirtschaftsstrategie 2030+ (LEADERSNET berichtete). "Wir konzentrieren uns auf jene Felder, in denen wir besser sind als andere und in denen wir auch in herausfordernden Zeiten weiter wachsen können. Dazu zählt vor allem die Luft- und Raumfahrt", erklärte Mikl-Leitner und ergänzte: "Hier entsteht Schritt für Schritt ein Standort, der Forschung, Infrastruktur, Kapital und Unternehmertum miteinander verbindet."

Seit seiner Eröffnung hat das ESA Phi-Lab Austria nach eigenen Angaben neun Projekte unterstützt, mehr als 50 neue Arbeitsplätze geschaffen und rund 3,6 Millionen Euro an ESA Phi-Lab-Mitteln investiert. Die bisherige Entwicklung wertete Mikl-Leitner als Erfolg, "weil hier wissenschaftliche Exzellenz auf Unternehmergeist trifft und dadurch entsteht Innovation". Dass in der jüngsten Ausschreibungsrunde mehr als die Hälfte der Bewerbungen aus anderen ESA-Mitgliedstaaten kam, wertet das Land als Zeichen für die internationale Sichtbarkeit des Standorts. Insgesamt sei das Ziel, den Space Hub am Vienna Airport "zu einem international sichtbaren Innovationsstandort für Space-Tech-Unternehmen und Zentrum für Raumfahrttechnologie" zu machen, so die Landeshauptfrau.

Vier Unternehmen ziehen neu ein

Bei der Pressekonferenz stellten sich schließlich auch noch drei neu am ESA Phi-Lab angesiedelte Unternehmen vor: Die Confident Space Technology GmbH um Geschäftsführer Christoph Tscherne arbeitet an Sensoren, die kosmische Strahlung direkt an Bord von Satelliten erfassen und so drohende technische Ausfälle frühzeitig anzeigen sollen. Die Fontana GmbH, präsentiert von Patrick Kappl, entwickelt ein Kamerasystem, mit dem sich Erdbeobachtungsbilder verlässlicher und in besserer Qualität gewinnen lassen. Tenics wiederum, vorgestellt von Florian Reger, Vice President Product & Growth, liefert Software, mit der sich Satelliten steuern und überwachen lassen. Nicht vor Ort, aber ebenfalls neu mit dem ESA Phi-Lab Austria verbunden, ist die GG Group (Gebauer & Griller Kabelwerke GmbH). Wie Projektmanager Joseph Riegler erläuterte, entwickelt das Unternehmen Kabel und Kabelsysteme für Anwendungen in der Automobil- und Industrietechnik ebenso wie in der Raumfahrt.

Michael Moll, Geschäftsführer des ESA Phi-Lab Austria, dankte abschließend dem engagierten Team, das jeden Tag darum kämpfe, "dass aus allen Projekten erfolgreiche Unternehmen werden". Zur neuen Einrichtung sagte er: "Diese schafft einen einfachen Zugang zu professionellen Entwicklungs- und Testmöglichkeiten – so können Innovationen schneller umgesetzt und neue Kooperationen gefördert werden."

Unsere Interviewpartner:innen

Neben Günther Ofner (Vorstand der Flughafen Wien AG), Johanna Mikl-Leitner (Landeshauptfrau NÖ) und Michael Moll (Geschäftsführer des accent Inkubators, Head of ESA Phi-Lab Austria) holte LEADERSNET.tv auch noch Patrick Kappl (Softwareentwickler Fontana GmbH), Florian Reger (Vice President Product and Growth Tenics Software Engineering GmbH) und Emil Stoll (Produktingenieur Gebauer & Griller) vor die Kamera.

www.viennaairport.com

www.esaphilab.at

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