Entlastung für Unternehmen
Wirtschaft begrüßt Lohnnebenkostensenkung – fordert aber weitere Reformen

| Tobias Seifried 
| 08.07.2026

Mit der Senkung wurde am Mittwoch eine der zentralen wirtschaftspolitischen Maßnahmen des Doppelbudgets beschlossen. Branchenvertreter:innen begrüßen die Entlastung für Unternehmen, sehen aber weiteren Reformbedarf.

Nach den umfangreichen Verkehrsbeschlüssen zu Wochenbeginn, darunter längere Pickerl-Intervalle und Maßnahmen zum beschleunigten Ausbau der E-Ladeinfrastruktur (LEADERSNET berichtete), setzte der Nationalrat seine Budgetberatungen am Mittwoch fort. Dabei beschlossen die Abgeordneten unter anderem die Senkung der Lohnnebenkosten und damit eine der zentralen wirtschaftspolitischen Maßnahmen des Doppelbudgets 2027/28. Ab 2028 wird der Dienstgeberbeitrag zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) von derzeit 3,7 auf 2,7 Prozent reduziert. Laut Bundesregierung werden die Unternehmen dadurch jährlich um rund zwei Milliarden Euro entlastet.

WKÖ spricht von "großem Entlastungsschritt"

Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) begrüßt den Beschluss als wichtigen Schritt zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts.

WKÖ-Präsidentin Martha Schultz bezeichnete die Maßnahme am Mittwoch als größte Senkung der Lohnnebenkosten seit Jahrzehnten. Die Entlastung komme unmittelbar bei allen Arbeitgeberbetrieben an und stärke die Wettbewerbsfähigkeit. Unter Berufung auf Berechnungen von EcoAustria verweist sie darauf, dass eine Senkung der Lohnnebenkosten um einen Prozentpunkt zwischen 10.000 und 12.000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen könne.

Kritisch sieht Schultz allerdings einzelne Begleitmaßnahmen des Budgetpakets. Dazu zählen unter anderem höhere Arbeitslosenversicherungsbeiträge für ältere Arbeitnehmer:innen, die Bankenabgabe sowie der künftig vorgesehene Sachbezug für E-Firmenautos. Für die kommenden Budgets fordert sie verstärkt Strukturreformen auf der Ausgabenseite.

Junge Wirtschaft fordert weitere Entlastungen

Auch die Junge Wirtschaft (JW) begrüßt die beschlossene Maßnahme, sieht darin jedoch lediglich einen ersten Schritt.

JW-Bundesvorsitzende Verena Eugster betont, dass insbesondere Jungunternehmer:innen von geringeren Arbeitskosten profitieren würden. Gleichzeitig brauche es weitere Reformen, um Unternehmensgründungen attraktiver zu machen und die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken.

Kritik übt die Interessenvertretung unter anderem an der Streichung der Arbeitsplatzpauschale, Änderungen beim Gewinnfreibetrag sowie am geplanten Sachbezug für Elektroautos.

Handelsverband sieht gemischtes Signal

Der Handelsverband (HV) bewertet die Senkung der Lohnnebenkosten ebenfalls positiv, verweist jedoch darauf, dass die Entlastung erst 2028 wirksam wird.

HV-Geschäfsführer Rainer Will spricht von einem wichtigen und längst überfälligen Schritt. Gleichzeitig würden Unternehmen aber durch andere Maßnahmen wie die höhere Körperschaftsteuer und die geplante Paketsteuer zusätzlich belastet. Dadurch bleibe insgesamt ein gemischtes Signal für den Wirtschaftsstandort.

Kritisch sieht der Handelsverband zudem, dass zur teilweisen Gegenfinanzierung die Beschäftigung von Arbeitnehmer:innen über 60 Jahren verteuert werde.

Wirtschaft fordert weitere Strukturreformen

Trotz unterschiedlicher Schwerpunkte herrscht unter den Wirtschaftsvertretungen Einigkeit darüber, dass die beschlossene Entlastung allein nicht ausreichen werde. Neben niedrigeren Arbeitskosten brauche Österreich aus ihrer Sicht unter anderem weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungsverfahren, stärkere Investitionsanreize und umfassende Strukturreformen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts langfristig zu verbessern.

www.wko.at

www.handelsverband.at

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