Gesund zu bleiben ist längst nicht mehr nur Privatsache, sondern zunehmend eine gesundheitspolitische und wirtschaftliche Frage. Mehr als die Hälfte der chronischen Erkrankungen ist lebensstil-bedingt und ließe sich bei rechtzeitiger Früherkennung vermeiden oder zumindest lindern. Genau hier setzt die Sozialversicherung der Selbständigen (SVS) mit verschiedensten Präventionsangeboten an und widmete vergangenen Dienstag, den 7. Juli, auch ihre Gipfelgespräche diesem Thema. Unter dem Titel "Vorsorge mit Wirkung. Datenanalyse für effektive Präventionsprogramme" diskutierten SVS-Obmann Peter Lehner und -Generaldirektor Alexander Biach mit zahlreichen Gästen aus Wissenschaft und Gesundheitspolitik, wie sich Vorsorge datenbasiert gestalten und ihre Wirkung nachweisen lässt. Durch den Nachmittag führte Martin Szelgrad vom Report Verlag.
Vom Reparaturträger zum Präventionsträger
Für Peter Lehner ist der Umbau des Gesundheitssystems eine politische Notwendigkeit. Explodierende Kosten dürfe man nicht achselzuckend hinnehmen, sondern müsse die entscheidenden Veränderungen aktiv angehen. Vorsorge habe dabei viele Dimensionen, vom gesunden Lebensstil über Impfungen und regelmäßige Zahnarztbesuche bis hin zu Untersuchungen wie einer Koloskopie, und bedeute vor allem Eigenverantwortung und Eigeninitiative.
Welche Rolle die SVS in diesem Wandel für sich beansprucht, umriss Lehner im Gespräch mit LEADERSNET.tv. "Die SVS hat hinsichtlich Vorsorge ein riesengroßes Angebot, denn wir wollen es schaffen, vom Reparaturträger zum Präventionsträger zu werden. Wir wollen unsere Versicherten also motivieren, rechtzeitig in Vorsorge zu investieren beziehungsweise vorsorgliche Maßnahmen zu absolvieren, und damit etwas für ihre Gesundheit zu tun. Denn die eigene Gesundheit wirkt sich auf das eigene Unternehmen und den Betrieb aus."
Daten als Grundlage für Innovationen
Wie sich der Nutzen solcher Maßnahmen überhaupt belegen lässt, erläuterte Nikolas Popper (Senior Scientist, Data Science Research Unit, TU Wien) im Rahmen eines Vortrags. Auf die LEADERSNET.tv-Frage, welche Rolle Daten in einem innovativen Gesundheitssystem für Vorsorge und Prävention spielen, holte er weiter aus: "Es gibt viele gute Ideen, wie ein Gesundheitssystem in 20 Jahren aussehen kann. Damit wir aber bewerten können, welche Vor- und Nachteile die einzelnen Vorschläge haben, und uns nicht in Endlosdiskussionen verlieren, brauchen wir Daten. Dabei geht es nicht zwingend um personenbezogene Daten – genau das ist oft das Missverständnis. Daten können zusammengeführt und aggregiert werden. Auf dieser Basis lässt sich evidenzbasiert zeigen, welche Effekte Innovationen tatsächlich haben. Und genau dazu wollen wir im Gesundheitssystem einen Beitrag leisten."
Ein Blick über die Grenze
Den Vergleich mit dem deutschen System steuerte Ulrike Pernack (Vizepräsidentin, Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek)) bei. Sie stellte vor, wie die deutschen Kassen ihre Bonusprogramme ausgestalten, und sah beim Thema Prävention Potenzial auf beiden Seiten. "Wir haben in Deutschland aufgrund der Vielfalt der gesetzlichen Krankenkassen einen Wettbewerb zwischen den Krankenkassen, was sich natürlich auch auf die Vielfalt der Maßnahmen und die Inhalte der Bonusprogramme auswirkt. Und ich denke, an dieser Stelle kann Österreich von Deutschland lernen – und wir in Deutschland wiederum von dem System der Österreicher:innen", so Pernack gegenüber LEADERSNET.tv.
Für Lehner bestätigte die Tagung den eingeschlagenen Kurs der SVS. Eine vorausschauende Gesundheitspolitik sei die Grundlage für ein leistungsfähiges und langfristig finanzierbares System, und die dafür nötige wissenschaftliche Evidenz habe der Nachmittag geliefert.
Unsere Interviewpartner:innen
Neben Peter Lehner (Obmann, SVS), Nikolas Popper (Senior Scientist, Data Science Research Unit, TU Wien) und Ulrike Pernack (Vizepräsidentin, Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek)) holte LEADERSNET.tv auch noch Alexander Biach (Generaldirektor, SVS), Martina Rosenmayr-Khoshideh (Direktorin Geschäftsbereich Strategie & Interne Services, SVS), Maria Rauch-Kallat (GF mrkConsult & mrkdiversity management GmbH & BM a. D.), Michael Müller (Direktor Geschäftsbereich Leistung & Prävention, SVS), Martin Szelgrad (Journalist & Moderator, Report Verlag), Carmen Jeitler-Cincelli (Abgeordnete zum Nationalrat & Bürgermeisterin, Stadt Baden bei Wien) und Julian Hadschieff (Obmann Fachverband der Gesundheitsbetriebe, WKO & Präsident, ÖBSV) vor die Kamera.
Eindrücke finden Sie in unserer Galerie.
www.svs.at
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