Studie zeigt steigende Quoten
Retouren bleiben ein Problem im Onlinehandel

| Redaktion 
| 20.04.2026

Eine Linzer Studie zeigt: Online-Rücksendungen nehmen weiter zu und erreichen in Österreich ein hohes Niveau. Besonders betroffen ist das Modesegment, während Gratis-Retouren weiterhin ein zentraler Treiber bleiben.

Die Zahl der Rücksendungen im Onlinehandel steigt weiter an. Laut aktueller Analyse des Instituts für Handel, Absatz und Marketing (IHaM) an der JKU Linz haben im Vorjahr bereits 57 Prozent der Online-Shopper:innen zumindest einmal bestellte Ware retourniert. Damit setzt sich der Anstieg der vergangenen Jahre fort. Auffällig ist vor allem die Altersstruktur: Während bei den 25- bis 34-Jährigen rund 67 Prozent Waren zurücksenden, liegt die Quote bei älteren Konsument:innen deutlich niedriger. In der Gruppe der 64- bis 75-Jährigen sind es nur mehr 39 Prozent.

Österreich im internationalen Vergleich vorne

Auch im internationalen Vergleich liegt Österreich im oberen Bereich. Die Retourquote liegt mit 57 Prozent über Deutschland mit 53 Prozent und der Schweiz mit 54 Prozent. Noch höher fällt sie in China mit 69 Prozent aus. In den USA liegt sie mit 52 Prozent leicht darunter. Deutlich geringere Rücksendequoten zeigt Italien mit 42 Prozent, was unter anderem auf eine geringere Bedeutung des Online-Modehandels zurückgeführt wird.

Mode bleibt Haupttreiber

Besonders stark betroffen ist das Modesegment. 51 Prozent der Online-Shopper:innen, die Kleidung oder Schuhe bestellen, senden zumindest einen Teil der Ware zurück. Auch in anderen Warengruppen steigen die Retouren, allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau. Sportartikel kommen auf 22 Prozent, Möbel und Garten auf 17 Prozent. Unterhaltungselektronik und Spielwaren liegen jeweils bei 16 Prozent.

Falsche Größe als Hauptgrund

Der wichtigste Grund für Rücksendungen bleibt unverändert. 71 Prozent der Befragten geben an, dass die Größe nicht passt. Dahinter folgen Qualitätsmängel mit 47 Prozent sowie Abweichungen von Produktbeschreibungen oder Bildern mit jeweils 29 Prozent. Rund ein Fünftel bestellt bewusst mehrere Varianten zur Auswahl. Ein kleiner Teil nutzt Produkte sogar kurzzeitig und sendet sie anschließend zurück.

Gratis-Retouren als Treiber

Aus Sicht der Studienautoren sind Retouren ein fixer Bestandteil des Onlinehandels. "Retouren sind kein Betriebsunfall, sondern Teil des Geschäftsmodells", erklärt IHaM-Vorstand Christoph Teller. Kostenlose Rücksendungen senken das wahrgenommene Risiko beim Kauf und fördern damit die Bestellbereitschaft. Gleichzeitig entstehen entlang der Wertschöpfungskette Kosten, die letztlich von Handel, Industrie oder indirekt von Konsument:innen getragen werden.

Auch Plattformen wie Temu oder Shein verstärken die Entwicklung. Bei Bestellungen über diese Anbieter steigt die Retourquote auf durchschnittlich 63 Prozent, ohne diese Plattformen liegt sie bei 48 Prozent. Der Trend zeigt damit ein klares Spannungsfeld: Bequemlichkeit und Preis dominieren das Konsumverhalten, während Nachhaltigkeit zunehmend in den Hintergrund tritt.

www.jku.at

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