Laut Marketagent-Umfrage
Nur 15 Prozent der Österreicher interessieren sich wirklich für den ESC

Laut einer aktuellen Marketagent-Umfrage wird der ESC hierzulande vor allem als "buntes Spektakel" wahrgenommen. Gleichzeitig überwiegt bei Kosten, politischen Debatten und dem Nutzen für das Land vielfach die Skepsis.

Nach dem Triumph von JJ im Vorjahr wird Wien in knapp drei Wochen zur Bühne des 70. Eurovision Song Contests (LEADERSNET berichtete unter anderem hier, hier und hier). Neben rund 170 Millionen Zuseher:innen weltweit werden mehr als 500.000 Besucher:innen vor Ort erwartet – damit ist der ESC nicht nur eines der reichweitenstärksten Musik- und TV-Events, sondern zugleich ein bedeutender wirtschaftlicher und medialer Impuls für Österreich. Trotzdem sorgt die Großveranstaltung in der heimischen Bevölkerung eher für gemischte Gefühle, wie eine aktuelle repräsentative Marketagent-Umfrage unter 1.000 Österreicher:innen zeigt.

Großevent mit wenig Relevanz für heimische Bevölkerung

Obwohl der Eurovision Song Contest nahezu allen Befragten (99%) bekannt ist, bleibt das tatsächliche Interesse der heimischen Bevölkerung daran recht überschaubar. Laut der Studie sind nämlich gerade einmal 15 Prozent "sehr" oder "eher" am ESC interessiert, weitere 21 Prozent immerhin "teilweise". Für eine deutliche Mehrheit von 62 Prozent hat das Event allerdings wenig bis gar keine Relevanz.

Wenig verwunderlich plant auch nur rund ein Drittel (32%), zumindest eine der Live-Shows zu verfolgen. Im Jahr 2015, als der ESC zuletzt in Österreich ausgetragen wurde, waren es noch 52 Prozent. Beim Finale will etwa ein Viertel (26% | 2015: 50%) mitfiebern – dies jedoch meist im privaten Rahmen, wie etwa zu Hause vor dem Fernseher oder gemeinsam mit Freund:innen (90%). Public Viewings (5%) oder Live-Besuche in der Wiener Stadthalle (3%) spielen hingegen kaum eine Rolle.

"Der Eurovision Song Contest ist weiterhin ein globales Popkultur-Spektakel, aber längst nicht mehr für alle ein Pflichttermin. Unsere Daten zeigen, dass viele Menschen in Österreich das Event eher mit einer gewissen Distanz betrachten: man kennt es, man nimmt es wahr, aber nicht alle fiebern tatsächlich mit", erläutert Thomas Schwabl, Gründer und Geschäftsführer von Marketagent.

ESC ist für die meisten ein "buntes Spektakel"

Gefragt danach, wofür der Wettbewerb in ihrer Wahrnehmung steht, nennen die meisten Befragten vor allem Unterhaltung und Show. Am häufigsten fällt dabei die Assoziation "buntes Spektakel", die für 35 Prozent den besonderen Charakter des Events treffend beschreibt. Ein anschauliches Bild ergibt sich hierzu auch aus einer metaphorischen Fragestellung der Studie: Wäre der ESC eine Person auf einer Party, wäre er für 43 Prozent der Befragten die extravagante Persönlichkeit im besonders auffälligen und bunten Outfit.

Neben "buntes Spektakel" wird der Eurovision Song Contest von den Befragten (Mehrfachnennungen möglich) aber auch mit Kritik an "Vorhersehbarkeit, unfairen Wertungen und politischem Einfluss" (25%) sowie mit "Live-Entertainment" (25%), "Jury- und Televoting" (24%), "Vielfalt, Diversität und LGBTQ+ Community" (24%), "Kostümen und Inszenierung" (23%) sowie "Musikvielfalt" (22%) assoziiert. Dahinter folgen Zuschreibungen wie "over-the-top / überproduziert" (18%), "kultig, Tradition" (17%) sowie "Länder und ihre jeweiligen Traditionen und Kulturen" (17%).

Akzeptanz im Vergleich zu 2015 deutlich gesunken

Über die Tatsache, dass Österreich im heurigen Jahr als Gastgeberland des Bewerbs fungiert, freuen sich rund 37 Prozent der heimischen Bevölkerung. Ein Viertel (25%) bewertet dies hingegen kritisch. Besonders spannend ist dabei, dass die Akzeptanz im Jahr 2015 mit 52 Prozent noch deutlich höher lag.

Ein möglicher Grund dafür könnte etwa die Skepsis der Österreicher:innen hinsichtlich des finanziellen Gesamtbilds sein. So glaubt mehr als die Hälfte der Befragten (54%), dass die Kosten des Events überwiegen werden. Lediglich 17 Prozent erwarten einen wirtschaftlichen Nutzen. Dennoch rechnet jeweils eine deutliche Mehrheit mit positiven Auswirkungen auf den Tourismus (70%) und das Ansehen Österreichs im Ausland (54%). 

Politische Debatten sorgen für gespaltene Meinungen

Eine Debatte, die aber ebenfalls für die gesunkene Akzeptanz mitverantwortlich sein könnte, ist jene über die politische Neutralität des Wettbewerbs. Laut der Umfrage halten es nämlich fast zwei Drittel der Bevölkerung (63%) für unrealistisch, dass der ESC tatsächlich unpolitisch bleiben kann.

Zudem geben sechs von zehn Befragten an, die aktuelle Diskussion um die Teilnahme Israels zu kennen – die Meinungen hierzu sind jedoch gespalten. Während mehr als ein Viertel (28%) es als positiv erachtet, dass Israel nicht vom ESC ausgeschlossen wurde, lehnen fast genauso viele (26%) diese Entscheidung ab. Weitere 46 Prozent positionieren sich neutral. Ähnlich zwiegespalten zeigt sich die heimische Bevölkerung hinsichtlich des Boykotts durch andere Länder: So unterstützen 29 Prozent, dass einige Länder ihre Teilnahme aufgrund der Israel-Thematik zurückgezogen haben, wobei 31 Prozent diese Entscheidung nicht nachvollziehen können. 

"Der Eurovision Song Contest versteht sich traditionell als unpolitisches Musikfestival. In der Realität zeigt sich jedoch immer öfter: Popkultur und Politik lassen sich bei einem globalen Event dieser Dimension kaum vollständig trennen", meint Andrea Berger, Research & Communications Manager bei Marketagent, abschließend.

www.marketagent.com

Über die Studie

  • Auftraggeber: Eigenstudie
  • Methode: CAWI | Marketagent Online Access
  • Instrument: Online-Interviews über die Marketagent reSearch Plattform
  • Erhebungszeitraum: 28. Jänner 2026 – 3. Februar 2026
  • Sample-Größe: n = 1.000 Netto-Interviews in Österreich
  • Kernzielgruppe: Personen im Alter zwischen 14 und 75 Jahren I Inzidenz: 100 Prozent
  • Quotensteuerung: Sample repräsentativ für die österreichische Bevölkerung

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Über die Studie

  • Auftraggeber: Eigenstudie
  • Methode: CAWI | Marketagent Online Access
  • Instrument: Online-Interviews über die Marketagent reSearch Plattform
  • Erhebungszeitraum: 28. Jänner 2026 – 3. Februar 2026
  • Sample-Größe: n = 1.000 Netto-Interviews in Österreich
  • Kernzielgruppe: Personen im Alter zwischen 14 und 75 Jahren I Inzidenz: 100 Prozent
  • Quotensteuerung: Sample repräsentativ für die österreichische Bevölkerung

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