Befragung der Nationalbank
Bargeld bleibt für Österreicher unverzichtbar

| Redaktion 
| 29.04.2026

Die aktuelle Zahlungsmittelstudie der Oesterreichischen Nationalbank zeigt eine klare Entwicklung: Während digitale Zahlungsformen an Bedeutung gewinnen, bleibt Cash für die große Mehrheit der Bevölkerung unverzichtbar und erfüllt weiterhin zentrale Funktionen im Alltag.

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat im Rahmen ihrer aktuellen Zahlungsmittelstudie 2025 erneut das Zahlungsverhalten in Österreich analysiert. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass Bargeld trotz zunehmender Digitalisierung eine tragende Rolle im Alltag spielt. 94 Prozent der Befragten möchten demnach weiterhin nicht darauf verzichten. 

Bargeld dominiert 

Auch im stationären Handel dominiert Bargeld weiterhin. 91 Prozent aller Zahlungen erfolgen am Point of Sale. Zwar ist der Anteil von Bargeldtransaktionen rückläufig, liegt jedoch immer noch bei 55 Prozent aller Zahlungen sowie bei 45 Prozent des Umsatzes. Damit bleibt Bargeld ein wesentlicher Bestandteil des wirtschaftlichen Geschehens. 

Digitale Zahlungen gewinnen an Bedeutung

Parallel dazu wächst die Nutzung digitaler Zahlungsmethoden. Online-Einkäufe sind längst etabliert, so die Ergebnisse der Studie. 67 Prozent der Befragten kaufen im Internet ein, rund die Hälfte davon mindestens einmal monatlich. Dabei werden vor allem Karten von 35 Prozent und digitale Wallets von 30 Prozent genutzt. 

Insbesondere bei kleineren Beträgen zeigt sich eine Verschiebung. Zahlungen unter zehn Euro werden zunehmend über Wallets abgewickelt. Dennoch liegt deren Anteil insgesamt weiterhin unter zehn Prozent im stationären Zahlungsverkehr.

Bargeld als verlässliche Konstante 

Die Bedeutung von Bargeld hat laut der Studie zuletzt sogar wieder zugenommen. 66 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, dass Bargeld seine derzeitige Rolle behalten soll. 2024 waren es noch 61 Prozent. 28 Prozent möchten ausdrücklich nicht vollständig auf Bargeld verzichten.

"In einer Zeit, in der Flexibilität und Sicherheit gefragt sind, ist Bargeld einfach eine kluge Wahl, weil es immer funktioniert", sagt OeNB-Direktor Thomas Steiner. Besonders geschätzt werden praktische Aspekte sowie die Kontrolle über Ausgaben. 94 Prozent sehen Bargeld als praktisch an, während 88 Prozent es als wichtigen Faktor für die Ausgabenkontrolle nennen. Auch Datenschutz (85 %) und Privatsphäre (83 %) werden von einer großen Mehrheit positiv bewertet.

Abhängigkeit von internationalen Anbietern 

Während digitales Bezahlen zunehmend zum Alltag gehört, sieht die OeNB strukturelle Herausforderungen. Ein Großteil der elektronischen Zahlungen in Europa wird derzeit über US-Anbieter abgewickelt. 

"Wenn sie heute beim Bäcker:in ihre Semmeln mit der Karte zahlen oder den Haarschnitt beim Friseur mit dem Handy, dann brauchen Sie dafür einen US-Anbieter. Digitales Bezahlen gehört für die Österreicher:innen ganz selbstverständlich zum Alltag. Gleichzeitig sind wir bei der Abwicklung von außereuropäischen Unternehmen abhängig. Diese Abhängigkeiten sind nicht gesund. Darum werden wir mit dem digitalen Euro eine europäische Alternative aufbauen, auf die sich alle jederzeit verlassen können", erklärt OeNB-Direktor Josef Meichenitsch. Der digitale Euro wird in diesem Zusammenhang als öffentliche und unabhängige Alternative gesehen. 

Unterschiede zwischen den Generationen 

Die Studie zeigt außerdem, dass das Zahlungsverhalten stark nach Alter variiert. Jüngere Menschen greifen deutlich häufiger zu digitalen Zahlungsmethoden. Bei den unter 50-Jährigen erfolgen bereits 59 Prozent der Zahlungen elektronisch. Die 16- bis 29-Jährigen bezahlen 38 Prozent ihrer Zahlungen am POS bar und 62 Prozent digital.

Dennoch bleibt Bargeld auch bei jungen Menschen relevant. Insgesamt spricht sich eine klare Mehrheit aller Altersgruppen für die Wahlfreiheit zwischen baren und digitalen Zahlungsmethoden aus.

Bargeld als zeitloses Zahlungsmittel

Die OeNB betont die anhaltende Bedeutung von Bargeld über alle Generationen hinweg. "Bargeld ist zwar mehrere tausend Jahre alt, hat aber dennoch nichts von seiner Aktualität eingebüßt und gilt mehr denn je für alle Bevölkerungsgruppen als zeitloses und überaus beliebtes Zahlungsmittel", unterstreicht Matthias Schroth, Direktor der OeNB-Hauptabteilung Recht, Bargeld und Beteiligungen. "Bargeld ist modern in seiner Einfachheit und Unabhängigkeit. Bargeld ist sicher in seiner Struktur. Und Bargeld ist menschlich in seiner Wirkung", hält Schroth fest. Darüber hinaus erfülle Bargeld auch eine soziale Funktion, da es allen Menschen uneingeschränkt zugänglich sei. 

Wahlfreiheit als Ziel 

Ein zentrales Anliegen der OeNB sei die Sicherstellung der Wahlfreiheit bei Zahlungsmitteln. Dazu zählen sowohl der Zugang zu Bargeld als auch die Entwicklung digitaler Alternativen. 

"Wir wollen, dass öffentliches Geld allen Menschen auch im digitalen Raum zugänglich ist. Jede:r soll jederzeit, sicher und überall ohne Einschränkungen am digitalen Wirtschaftsleben teilhaben können", so Petia Niederländer, Leiterin der Hauptabteilung Zahlungsverkehr, Risikoüberwachung und Finanzbildung und ergänzt: "Der digitale Euro wäre als digitales Zentralbankgeld eine gebührenfreie und sichere Möglichkeit für digitales Bezahlen."

Die OeNB setze sich daher sowohl für eine flächendeckende Bargeldversorgung als auch für eine klare rechtliche Absicherung der Bargeldannahme ein. Ziel sei eine gleichberechtigte Stellung von Bargeld und digitalem Euro im Zahlungsverkehr der Zukunft.

www.oenb.at

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