Interview mit Walter Harm & Werner Fichtinger
"Fahrschulen entwickeln sich zu zentralen Kompetenzstellen für Mobilität"

Im LEADERSNET-Doppelinterview sprechen Walter Harm und Werner Fichtinger, Geschäftsführer von Easy Drivers, über die Transformation der Fahrschulbranche, wobei sie erläutern, wie sie durch E-Mobilität und zielgruppenspezifische Angebote den Führerschein trotz urbanem Wandel, autonomes Fahren und Digitalisierung zukunftssicher positionieren wollen.

Steigende Anforderungen an Verkehrssicherheit, neue Antriebstechnologien und ein verändertes Mobilitätsverhalten verändern auch das Geschäftsmodell von Fahrschulen grundlegend. Anlässlich des 30-jährigen Firmenjubiläums sprechen die Easy Drivers Geschäftsführer Walter Harm und Werner Fichtinger darüber, wie sich Fahrschulen vom klassischen Ausbildungsbetrieb zum umfassenden Mobilitätsanbieter entwickeln – und welche Rolle sie künftig im Mobilitätsökosystem spielen werden.

LEADERSNET: Sehr geehrter Herr Harm, sehr geehrter Herr Fichtinger, die Easy Drivers feierten vor wenigen Tagen ihr 30-jähriges Jubiläum. Dazu kamen in der Vorwoche rund 400 Mitarbeiter:innen aus mehr als 50 Standorten in Ybbs zusammen. Wie hat sich das Geschäftsmodell von Fahrschulen in diesen drei Jahrzehnten grundlegend verändert?

Walter Harm & Werner Fichtinger: Das Geschäftsmodell hat sich von der klassischen Ausbildung hin zu einem umfassenden Mobilitätsangebot entwickelt und damit ist die Verantwortung von Fahrschulen gewachsen: Fahrschulen leisten einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit in einer zunehmend komplexen Mobilitätswelt. Einen weiteren wichtigen Arbeitsschwerpunkt stellt dabei auch die Ausbildung von Fahrlehrerinnen und Fahrschullehrerinnen und Fahrschullehrern dar, um eben diese Verkehrssicherheit zu gewährleisten.

LEADERSNET: Das Franchise-Modell ist ein zentraler Bestandteil Ihres Erfolgs. Was macht dieses Modell gerade in einer sich wandelnden Mobilitätswelt so resilient und skalierbar?

Harm & Fichtinger: Unser Franchise-Modell verbindet lokale unternehmerische Stärke mit einem gemeinsamen Qualitäts- und Innovationsrahmen. So können wir Entwicklungen zentral vorantreiben und gleichzeitig schnell in den Regionen umsetzen. Diese Kombination macht uns anpassungsfähig und skalierbar.

LEADERSNET: Neue Zielgruppen und Angebote gewinnen an Bedeutung. Welche Entwicklungen sehen Sie hier besonders stark – und wie reagieren die Easy Drivers darauf?

Harm & Fichtinger: Wir sehen eine stärkere Differenzierung der Zielgruppen – von Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrern über Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteigern bis hin zu älteren Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmern. Gleichzeitig steigt der Bedarf an flexiblen und digitalen Lernformaten. Darauf reagieren wir mit modularen Angeboten und spezialisierten Programmen.

LEADERSNET: E-Mobilität ist längst auch in Fahrschulen angekommen – Sie betreiben unter anderem die größte E-Lkw-Flotte Österreichs. Wie verändert diese Entwicklung die Ausbildung und die Anforderungen an Fahrschüler:innen? Und gibt es eigentlich noch Fahrschüler:innen, die bei der Ausbildung explizit auf einen Verbrenner bestehen?

Harm & Fichtinger: E-Mobilität erweitert die Ausbildung um neue Inhalte wie Reichweitenmanagement, Rekuperation oder den Umgang mit modernen Assistenzsystemen. Gleichzeitig sehen wir eine hohe Offenheit gegenüber neuen Antrieben, insbesondere bei jüngeren Zielgruppen. Diese Ausrichtung spiegelt sich auch in unseren Initiativen wider: Für unser Engagement im Bereich nachhaltiger Mobilität wurden wir 2025 mit dem Solarpreis ausgezeichnet. Gleichzeitig erweitern wir unser Angebot laufend – etwa mit der Easy Drivers Radfahrschule, die gezielt Kompetenzen für sichere Alltagsmobilität auf zwei Rädern vermittelt.

LEADERSNET: Fahrschulen waren lange reine Ausbildungsstätten. Welche Rolle können sie künftig im Mobilitätsökosystem einnehmen – etwa im Kontext von Sharing, Digitalisierung oder neuen Mobilitätskonzepten?

Harm & Fichtinger: Fahrschulen können sich zu zentralen Kompetenzstellen für Mobilität entwickeln. Neben der Ausbildung geht es künftig stärker um Orientierung: Welche Mobilitätsform passt zu welchem Bedarf und wie bewegt man sich sicher in einem zunehmend multimodalen System.

LEADERSNET: Wenn autonomes Fahren und neue Mobilitätskonzepte weiter an Bedeutung gewinnen: Braucht es in Zukunft überhaupt noch klassische Fahrschulen oder erfinden Sie Ihr Geschäftsmodell gerade neu, bevor es andere tun?

Harm & Fichtinger: Die Anforderungen verändern sich, aber der Bedarf an Ausbildung bleibt. Auch automatisierte Systeme erfordern Verständnis und Verantwortung. Fahrschulen werden sich weiterentwickeln hin zu Kompetenzzentren für sichere Mobilität.

LEADERSNET: Die klassische Führerschein-Ausbildung steht aufgrund von steigenden Kosten, verändertem Mobilitätsverhalten oder Urbanisierung unter Druck. Wie zukunftssicher ist das Geschäftsmodell Fahrschule wirklich?

Harm & Fichtinger: Die Nachfrage verändert sich, aber sie bleibt bestehen – insbesondere im ländlichen Raum und im beruflichen Bereich. Entscheidend ist, dass sich das Angebot flexibel weiterentwickelt. Zukunftssicherheit entsteht durch Anpassungsfähigkeit.

LEADERSNET: Gerade junge Menschen in Städten verzichten zunehmend auf den Führerschein. Ist das ein vorübergehender Trend oder ein strukturelles Risiko?

Harm & Fichtinger: Wir sehen eher eine Verschiebung als einen Rückgang. Der Führerschein wird später gemacht und stärker an den individuellen Lebensbedarf angepasst. Für uns bedeutet das, Angebote flexibler zu gestalten.

LEADERSNET: Die Easy Drivers engagieren sich auch abseits des Kerngeschäfts. Welche Initiativen sind Ihnen besonders wichtig – und welchen Beitrag leisten Fahrschulen gesellschaftlich über die Ausbildung hinaus?

Harm & Fichtinger: Ein zentraler Fokus liegt auf Verkehrssicherheit. Unsere Initiativen wie "No Roadrunning" lenken riskantes Verhalten in sichere Rahmenbedingungen. Gleichzeitig setzen wir mit "Fahren im Alter" gezielt bei Senior:innen und Senioren an und bieten freiwillige Trainings in Theorie und Praxis an, um Sicherheit und aktuelle Kenntnisse aufzufrischen.

Darüber hinaus leisten Fahrschulen einen wichtigen Beitrag zur Mobilitätsbildung – von Prävention bis hin zu lebenslangem Lernen im Straßenverkehr.

LEADERSNET: Abschließend noch ein Blick nach vorne: Wie wird die Fahrschule der Zukunft aussehen und welche Rolle werden die Easy Drivers darin spielen?

Harm & Fichtinger: Die Fahrschule der Zukunft wird digitaler, individueller und stärker vernetzt sein. Simulation, datenbasierte Auswertung und flexible Lernformate werden an Bedeutung gewinnen. Die Easy Drivers werden diesen Wandel aktiv mitgestalten – mit einem klaren Fokus auf Qualität, Innovation und Verkehrssicherheit.

www.easydrivers.at

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