Austrian Business Check 2026
Jedes sechste Unternehmen erwägt Abwanderung ins Ausland

Österreichs Betriebe kämpfen nach wie vor mit großen Herausforderungen. Laut Austrian Business Check prägen eine stagnierende Geschäftslage, anhaltend hohe Kosten und eine ausgeprägte Konsumflaute die aktuelle Situation. 

Nach mehreren Krisenjahren und aktuellen geopolitischen Verwerfungen ist es keine allzu große Überraschung, dass die wirtschaftliche Lage der heimischen Unternehmen angespannt bleibt. Laut aktueller Austrian-Business-Check-Umfrage vom KSV1870 ist die Situation sogar dramatisch. So bewerten lediglich 48 Prozent der Betriebe ihre Situation als "sehr gut" oder "gut" – ein Anstieg um fünf Prozentpunkte gegenüber 2025, jedoch weiterhin deutlich unter dem Vorkrisenniveau von mindestens 60 Prozent. Ein nachhaltiger Aufschwung wird von vielen Unternehmen nicht erwartet.

Als zentrale Herausforderungen nennen die Befragten das hohe Kostenniveau, die schwache Nachfrage sowie den Fachkräftemangel. Vor diesem Hintergrund zieht jedes sechste Unternehmen (17 Prozent) in Erwägung, innerhalb der kommenden drei Jahre Geschäftsbereiche ins Ausland zu verlagern.

Gedämpfte Erwartungen

Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding AG, spricht von einer schleichenden Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen: "Österreichs Wirtschaft ist seit einigen Jahren von einer sanften, aber stetigen Erosion geprägt." Ein Aufschwung sei für den Standort kaum in Sicht, vielmehr würden Unsicherheiten und fehlende Perspektiven zunehmend Abwanderungsszenarien begünstigen. Es bestehe die Gefahr, international an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.

Nur rund 22 Prozent der Unternehmen erwarten für 2026 eine spürbare Verbesserung der Geschäftslage. Deutliche Unterschiede zeigen sich zwischen den Branchen: Während 85 Prozent der Finanz- und Versicherungsdienstleister ihre Lage positiv einschätzen, sind es in der Gastronomie und Beherbergung lediglich 35 Prozent. Vybiral bezeichnet diesen Bereich als "größten Problem-Hotspot des Landes", in dem hohe Kosten auf strukturelle Herausforderungen wie geringe Margen und schwache Konsumnachfrage treffen würden.

Jeder sechste Betrieb überlegt Abwanderung

Die Belastungen der vergangenen Jahre spiegeln sich auch in strategischen Überlegungen wider. 17 Prozent der Betriebe diskutieren laut Umfrage eine Verlagerung von Aktivitäten ins Ausland. Vybiral warnt, dass ohne spürbare Entlastungen durch die Politik eine Abwanderungsbewegung und der Verlust von Arbeitsplätzen drohen könnten.

Austrian-Business-Check-Umfrage 2026© KSV1870

Entwicklung bei Umsätzen und Auftragslage

Die Umsatzentwicklung verlief im vergangenen Jahr uneinheitlich: 44 Prozent der Unternehmen verzeichneten Zuwächse, während 33 Prozent Rückgänge meldeten und 23 Prozent stagnierende Umsätze berichteten. Trotz steigender Erlöse hätten viele Betriebe aufgrund hoher Kosten geringere Gewinne erzielt. Vybiral betont, die Unternehmen bewegten sich "auf einem schmalen Grat", da es zunehmend schwieriger werde, wirtschaftlich erfolgreich abzuschließen. Für 2026 rechnen lediglich 27 Prozent mit steigenden Umsätzen.

Auch die Auftragslage zeigt laut Business Check ein gemischtes Bild: 36 Prozent berichten von einem Anstieg, 31 Prozent von einer stabilen Entwicklung und 33 Prozent von Rückgängen. Während insbesondere Finanzdienstleister und Teile der Industrie Zuwächse verzeichnen konnten, bleibt die Situation im Handel angespannt. Aktuell zeigen sich 43 Prozent der Betriebe mit ihrer Auftragslage zufrieden, mit regionalen Unterschieden zugunsten Oberösterreichs.

Kritik an Industriestrategie

Kritisch fällt zudem die Bewertung der "Industriestrategie Österreich 2035" aus: Nur sechs Prozent der Industrieunternehmen zeigen sich zufrieden, während jeweils 47 Prozent die Strategie als "mittelmäßig" beziehungsweise "unzufrieden" einstufen. Vybiral zufolge sei der Plan "zu unkonkret" und enthalte keine ausreichenden Maßnahmen zur nachhaltigen Stärkung des Industriestandorts. Positiver werden hingegen internationale Freihandelsabkommen bewertet, von denen sich 36 Prozent der Unternehmen Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung erwarten.

www.ksv.at

Zur Umfrage

Im Rahmen des Austrian Business Checks befragt der KSV1870 zweimal pro Jahr Unternehmen in Österreich, wie es um ihre wirtschaftliche Situation bestellt ist. An der aktuellen Umfrage, die gemeinsam mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut Marketagent durchgeführt wurde, haben im März 2026 rund 1.100 Unternehmen teilgenommen.

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Im Rahmen des Austrian Business Checks befragt der KSV1870 zweimal pro Jahr Unternehmen in Österreich, wie es um ihre wirtschaftliche Situation bestellt ist. An der aktuellen Umfrage, die gemeinsam mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut Marketagent durchgeführt wurde, haben im März 2026 rund 1.100 Unternehmen teilgenommen.

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