Der erhoffte kräftige Aufschwung der österreichischen Wirtschaft steht vor einer Bewährungsprobe. Während der Jahresauftakt 2026 noch von einer Beschleunigung der globalen Erholung geprägt war, führen die kriegerischen Auseinandersetzungen im Iran nun zu massiven Belastungen. Infolgedessen wird für das laufende Jahr lediglich eine Halbierung der ursprünglich prognostizierten realen Expansionsdynamik in Österreich erwartet. Das geht aus den am Donnerstag veröffentlichten Ergebnissen des Konjunkturbarometers der Industriellenvereinigung (IV) hervor.
IV-Generalsekretär Christoph Neumayer ordnet die Lage wie folgt ein: "Die geopolitischen Verwerfungen wirken derzeit wie ein Stresstest für die konjunkturelle Erholung. Wir sehen, wie schnell externe Schocks auf einen exportorientierten Industriestandort wie Österreich durchschlagen." Zwar zeige sich die Branche grundsätzlich widerstandsfähig, die Dynamik falle jedoch deutlich flacher aus als prognostiziert.
Moderate Erholung trotz Gegenwind
Trotz der widrigen Umstände bleibt eine gesamtwirtschaftliche Belebung laut IV-Chefökonom Christian Helmenstein weiterhin möglich. Dies liege an stabilen Zuwächsen bei den Handelspartnern sowie einer positiven Entwicklung in sämtlichen Wirtschaftsbereichen. Dennoch impliziere das aktuelle Preisniveau auf den Energiemärkten einen ungewöhnlich moderaten Erholungspfad.
Kritik übt die Industriellenvereinigung an den politischen Rahmenbedingungen. Neumayer führt aus, dass die angekündigte Senkung der Lohnnebenkosten (LEADERSNET berichtete) zwar ein richtiger Schritt sei, die Art der Gegenfinanzierung den Impuls für Investitionen jedoch limitiere. Der Generalsekretär mahnt daher weitere strukturelle Reformen an, da Impulse aus dem Doppelbudget 2027/2028 voraussichtlich ausblieben.
Ergebnisse im Detail
Das österreichweite IV-Konjunkturbarometer konnte leicht um 2,5 Punkte zulegen und steht nun bei plus 11,5 Punkten. Diese Stabilisierung wird jedoch von heterogenen Teilindikatoren getragen:
- Geschäftslage und Erwartungen: Während die aktuelle Lagebewertung von plus 14 auf plus acht Punkte sank, verbesserten sich die Erwartungen für die kommenden sechs Monate auf plus 15 Punkte. Die Betriebe gehen davon aus, dass die Belastungen aus dem Konflikt am Persischen Golf innerhalb eines Quartals überwunden werden können.
- Auftragsbestände: Diese stabilisieren sich bei plus 15 Punkten, wobei insbesondere die Auslandsaufträge (+13 Punkte) positiv hervorstechen.
- Produktion und Ertrag: Die kurzfristigen Produktionserwartungen fielen hingegen deutlich auf plus drei Punkte. Besonders besorgniserregend stelle sich die aktuelle Ertragslage dar, deren Saldo massiv um zwölf Punkte auf minus 17 Punkte einbrach.
Herausfordernd bleibe zudem die Situation auf dem Arbeitsmarkt. Der Saldo der Beschäftigungsaussichten verharre mit minus 15 Punkten im negativen Bereich. Laut IV spiegle dies die hohen Lohnstückkosten der vergangenen Jahre wider – jedes vierte Unternehmen sehe sich gezwungen, Personal abzubauen. Zudem zwinge die erneut aufflammende Kostendynamik die Betriebe dazu, ihre Verkaufspreise anzuheben, was den höchsten Stand seit dem dritten Quartal 2023 markiert.
Lage in den Bundesländern
Während die Bundes-IV ein vorsichtiges Plus verzeichnet, offenbart der Blick in die Regionen ein differenziertes Bild, das von sektoralen Krisen bis hin zu vorsichtigem Optimismus reicht.
- Oberösterreich: Strukturprobleme bremsen Aufschwung
In Oberösterreich bleibt das Barometer mit plus 7,6 Punkten stabil, doch die reale Lage trübt sich ein. Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der IV OÖ, warnt vor einer schleichenden Deindustrialisierung: "Der Personalabbau in der OÖ. Industrie setzt sich fort. Die Unternehmen stehen weiterhin unter massivem Kostendruck und müssen entsprechend reagieren." Während die Ertragssituation mit minus 33 Punkten tief im Keller liegt, speist sich die Hoffnung vor allem aus den Exporterwartungen. Haindl-Grutsch kritisiert zudem das Doppelbudget: "Die Wirtschaft soll sich die Senkung der Lohnnebenkosten mehrheitlich selbst bezahlen", was durch die Anhebung der Körperschaftsteuer den Entlastungseffekt zunichtemache.
- Niederösterreich: Ein deutliches Warnsignal
Massiv unter Druck steht die niederösterreichische Industrie. Das dortige Konjunkturbarometer stürzte von plus 6,9 auf minus 19,8 Punkte ab. Besonders die metalltechnische Industrie leide unter dramatischen Einbrüchen bei Aufträgen und Erträgen. IV-NÖ-Geschäftsführerin Michaela Roither bezeichnet die Ergebnisse als "klares Warnsignal" und warnt vor einer "Bürokratielawine" durch die EU-Lohntransparenz-Richtlinie, die vor allem kleinere Betriebe überfordere. Sie fordert echte Strukturreformen statt neuer Belastungen durch die Körperschaftsteuer.
- Tirol: Hoffnungsvoller Blick nach vorne
Konträr dazu hellt sich die Stimmung in Tirol weiter auf. Der Geschäftsklimaindex stieg auf 33 Punkte. "Die Aufhellung ist erfreulich, aber sie ist noch keine Entwarnung", betont IV-Tirol-Präsident Max Kloger. Zwar bewerten 30 Prozent der Betriebe die aktuelle Lage noch als schlecht, doch fast die Hälfte der Unternehmen rechnet mit einer steigenden Produktion. Laut einer Prognose der GAW soll die Tiroler Kernindustrie 2026 um 1,4 Prozent wachsen und damit das Bundesland stützen. Kloger mahnt jedoch, dass die Entlastung bei den Lohnnebenkosten nicht zur "Mogelpackung" durch gleichzeitige Steuererhöhungen werden dürfe.
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