Angriff auf die Platzhirsche
Wiener Start-up Lystio will den Immobilienmarkt neu aufmischen – und bekommt dafür Geld aus dem Silicon Valley

| Julia Weninger 
| 02.03.2026

500.000 Euro, internationale Investoren und 30 Millionen Video-Views: Das Wiener Start-up Lystio hat sich in einem Jahr eine beachtliche Ausgangsbasis erarbeitet – und will nun das "Pay-to-Rank"-Prinzip der etablierten Immobilienportale zu Grabe tragen.

Wer auf den großen österreichischen Immobilienportalen sucht, bekommt zuerst zu sehen, wer am meisten bezahlt hat. Nicht unbedingt, was am relevantesten ist. Genau hier setzt Lystio an und offenbar hält nicht nur das Gründerteam diese Idee für finanzierungswürdig.

Das Wiener Start-up hat eine Finanzierungsrunde über 500.000 Euro abgeschlossen. Neben österreichischen Investoren sind auch internationale Business Angels aus dem Silicon Valley eingestiegen, darunter ein früherer Google-Mitarbeiter. Das Kapital fließt in den Ausbau des Produkts, insbesondere in die Weiterentwicklung des Suchalgorithmus und KI-gestützter Funktionen.

Relevanz statt Reichweite 

Die Kernthese von Lystio ist so einfach wie sie für etablierte Anbieter unbequem ist: Inserate sollen nicht nach bezahlten Platzierungen gereiht werden, sondern ausschließlich nach ihrer tatsächlichen Relevanz für Suchende. Dieser neue Suchalgorithmus befindet sich aktuell in der Testphase; sein Rollout gilt als zentraler Meilenstein der nächsten Wachstumsphase.

Hinter dem Projekt dessen Portal im März 2025 gelauncht wurde, stehen vier Gründer: Philipp Attensam, Constantin Weiland, Mikail Celik und Stefan Wagner. 

Content first

Bemerkenswert ist, wie das Team die erste Wachstumsphase gestaltet hat: nicht über klassische Performance-Marketing-Budgets, sondern über Social Media Content. Über 30 Millionen Videoaufrufe und mehr als 30.000 Follower später ist daraus eine direkte Nutzerbasis entstanden. Heute besuchen über 40.000 Menschen das Portal monatlich.

"Wir haben früh verstanden, dass Distribution heute über Content entsteht", sagt Mitgründer Constantin Weiland. "Durch unseren Content- und Creator-first-Ansatz konnten wir schnell eine eigene Reichweite aufbauen und daraus direkte Nachfrage für unser Portal entwickeln."

Auch auf der Angebotsseite zeigt die Kurve steil nach oben: Seit dem Launch im März 2025 wuchs die Zahl der aktiven Inserate von rund 4.000 auf über 50.000 – ein Anstieg, der auf direkten Partnerschaften mit Maklern, Bauträgern, Unternehmen und privaten Anbietern basiert. Das Angebot deckt Miet- und Eigentumswohnungen, Häuser, Neubauprojekte, Gewerbeimmobilien, Grundstücke und Stellplätze ab.

Freemium-Modell, europäischer Anspruch

Monetarisiert wird über ein kostenloses Basismodell mit optionalen Premiumfunktionen für Anbieter: ein Ansatz, der Angebot und Nachfrage effizient skalieren soll, und das ohne die Einstiegshürde künstlich hochzusetzen.

Die Ambitionen gehen über Österreich hinaus. Mit der abgeschlossenen Finanzierung will Lystio seine Marktposition hierzulande weiter festigen und gleichzeitig die Grundlage für eine Expansion in weitere europäische Märkte legen – einem digitalen Markt mit Milliardenumsätzen und, wie die Gründer betonen, strukturellen Ineffizienzen, die Raum für neue Ansätze lassen.

"Unser Ziel ist es, langfristig die beste Plattform für Nutzer und Partner zu bauen", sagt Philipp Attensam. Mikail Celik ergänzt: "Wir investieren konsequent in Produktqualität, Performance und nachhaltiges Wachstum."

www.lystio.at

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