LEADERSNET: Sehr geehrte Frau Rehm, Sie sind General Manager von Vorwerk Österreich und tragen somit große Verantwortung. Können Sie uns vielleicht skizzieren, wie Ihre Karriere bisher aussah?
Daniela Rehm: Nach meinen internationalen Diplom- und MBA-Studien habe ich in den vergangenen 25 Jahren viele Perspektiven eingenommen – von Marketing, Customer Service, Strategie und Sales bis hin zu Managementverantwortung, im internationalen Profisport ebenso wie in der Wirtschaft. Diese Vielfalt hat meinen Blick auf Menschen und Teams geschärft: Leistung entsteht, wenn wir Talenten Raum geben, Vertrauen schenken und Sinn stiften. 2017 führte mich mein Weg zu Vorwerk Deutschland, wo ich in leitender Funktion den Vertrieb über sechs Jahre strategisch weiterentwickelte und die Umsetzung gemeinsam mit meinem Team nachweislich erfolgreich gestaltete. Im April 2023 habe ich die Verantwortung als General Managerin von Vorwerk Österreich übernommen – mit dem Anspruch, Tradition und Innovation im Direktvertrieb zu verbinden und dabei den Menschen konsequent in den Mittelpunkt zu stellen.
LEADERSNET: Welche Herausforderungen waren für Sie in Ihrem bisherigen Berufsleben die größten? Und was hat Ihnen dabei geholfen, diese erfolgreich zu meistern?
Rehm: Die Herausforderungen ändern sich – mein Kompass bleibt: Menschen stärken und (Kund:innen-)Nähe leben. Als Europas Nummer eins im Direktvertrieb mit Thermomix und Kobold tragen wir Verantwortung für ein Modell, das Beziehungen aufbaut und Vertrauen schafft. Die Pandemie und die Dynamik des Online-Handels verlangten strategisches Feingefühl, Mut zur Geschwindigkeit und Empathie für Mitarbeitende, Berater:innen sowie Kund:innen. Dass wir in Österreich heute einen außergewöhnlich starken Direktvertrieb verzeichnen, ist Ergebnis eines menschzentrierten Ansatzes: klare Vision, echtes Zuhören, datenbasierte und menschenzentrierte Entscheidungen – und Vertrauen in die Teams, die jeden Tag die Nähe zu den Kund:innen gestalten.
LEADERSNET: Sie haben im April 2023 die Geschäftsführung von Vorwerk Österreich übernommen. Welche Schwerpunkte haben Sie seither in Richtung Chancengleichheit gesetzt und wo sehen Sie bislang die größten Veränderungen?
Rehm: Chancengleichheit, Diversität und Inklusion sind bei Vorwerk gelebter Alltag – weil wir überzeugt sind, dass Vielfalt Menschen sichtbar und Organisationen stärker macht. Seit 2023 setzen wir einen klaren Fokus: Wir stärken individuelle Entwicklungsmöglichkeiten, schaffen transparente Wege für Wachstum und fördern Talente über alle Lebensphasen hinweg. Gleichzeitig entwickeln wir unsere Führungskräfte gezielt weiter – mit dem Anspruch, Chancengeber zu sein: Führung, die Türen öffnet, Potenziale erkennt, Verantwortung teilt und Menschen in ihrer Entwicklung begleitet. Dazu schärfen wir Auswahl- und Beförderungsprozesse, bauen Lern- und Coaching-Angebote aus, verankern flexible Arbeitsmodelle und erhöhen die Sichtbarkeit vielfältiger Vorbilder – mit besonderem Fokus auf Frauen –, damit Inspiration Kreise zieht und sich Talente in all ihrer Diversität wiederfinden. In Österreich sind wir stolz auf ein vielfältiges Team mit einem hohen Frauenanteil. Entscheidend ist: Chancengleichheit zeigt sich im Alltag – in fairen Entscheidungen, in der Qualität von Feedback und Förderung und in einer Führungskultur, die stärkt statt nur zu steuern. Der Effekt: mehr zutrauen, mehr Stimme, mehr Wirkung.
LEADERSNET: Vorwerk arbeitet mit einem großen Netzwerk selbstständiger Beraterinnen und Berater, unter denen viele Frauen sind. Welche Chancen eröffnet dieses Modell speziell für Frauen, etwa in Bezug auf finanzielle Unabhängigkeit und flexible Karrierewege?
Rehm: Direktvertrieb heißt bei Vorwerk: Der Mensch zählt – seine Zeit, seine Ziele, seine Lebensphase. Unser Modell ermöglicht echte Flexibilität, selbstbestimmte Arbeitszeiten und transparente, leistungsbezogene Einkommens- und Aufstiegsperspektiven. Das stärkt finanzielle Unabhängigkeit und macht Karriere planbar – ohne die Persönlichkeit hintanzustellen. Wer Kundennähe lebt und Verantwortung übernimmt, gestaltet seinen Weg individuell. Dieses System ist seit Jahrzehnten bewährt und heute aktueller denn je: Es macht Talente sichtbar, eröffnet Wege in Führung und lässt Arbeit zum Leben passen – nicht umgekehrt.
LEADERSNET: Wie nehmen Sie die Arbeit an der Gleichstellung von Mann und Frau hierzulande im Allgemeinen wahr? Und was würden Sie sich mit Blick darauf wünschen?
Rehm: Vieles hat sich verbessert: Bildungschancen sind gestiegen, und Frauen rücken Schritt für Schritt in Führung auf. Doch Gleichstellung ist erst erreicht, wenn Beiträge von Menschen unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Lebensentwurf gleich viel zählen – in Bezahlung, Möglichkeiten und Anerkennung. Ich wünsche mir eine Kultur, die Leistung mit Menschlichkeit verbindet: respektvolle Dialoge, faire Entscheidungen, transparente Kriterien. Und ich wünsche mir, dass Frauen sich noch öfter etwas zutrauen, ihren Erfolg sichtbar machen und Räume selbstbewusst einnehmen – weil Vorbilder andere ermutigen.
LEADERSNET: Zum Thema Gender Pay Gap: Welche Maßnahmen könnten Ihrer Ansicht nach dazu beitragen, diesen nachhaltig zu schließen?
Rehm: Der Gender Pay Gap ist kein Naturgesetz, sondern eine Frage der Haltung und der Strukturen. Neben hochwertiger Ausbildung brauchen wir objektive Entwicklungs- und Beförderungskriterien und bessere Vereinbarkeit – für alle. Väterkarenz muss so selbstverständlich werden wie Mütterkarenz: Wenn Care-Arbeit fair verteilt ist, sinken Hürden, wachsen Chancen – für Familien, Unternehmen und Gesellschaft. Das ist human zentriert, wirtschaftlich vernünftig und langfristig wirksam.
LEADERSNET: Was raten Sie Frauen, die Karriere machen möchten?
Rehm: Folgendes:
- Setzen Sie klare Ziele – und formulieren Sie Ihren eigenen Plan. Ambition braucht Richtung.
- Suchen Sie Sponsor:innen, nicht nur Mentor:innen – Menschen, die Türen öffnen und Sie sichtbar machen.
- Netzwerken Sie bewusst und authentisch – Beziehungen sind die Währung nachhaltiger Karrieren.
- Investieren Sie in Zukunftskompetenzen: digitale Souveränität, Strategie, Kommunikation, Führung.
- Verhandeln Sie selbstbewusst – über Aufgaben, Wirkung und Gehalt.
- Ergreifen Sie Chancen, bevor Sie alle Kriterien erfüllen – Wachstum beginnt jenseits der Komfortzone.
- Und vor allem: Bleiben Sie sich treu. Der stärkste Karrierebooster ist ein klarer Wertekompass, der Menschen mitnimmt.
LEADERSNET: Vielen Dank!
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