Felbermayr warnt vor Folgen des Iran-Kriegs
Laut dem Wifo-Direktor könnten Zinssenkungen vom Tisch sein

Der Iran-Krieg könnte Gabriel Felbermayr zufolge nicht nur die Inflation und Energiepreise nach oben treiben, sondern auch die Zinspolitik der EZB verändern. Für Häuslbauer wären das schlechte Nachrichten.

Gabriel Felbermayr sieht im Iran-Krieg erhebliche Risiken für Wirtschaft, Inflation und Zinspolitik. Gegenüber dem deutschen Handelsblatt warnte der Wifo-Direktor insbesondere vor den möglichen Folgen eines länger anhaltenden Konflikts für Energiepreise, Wachstum und die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

"Bei einem länger anhaltenden Krieg sind die Folgen kaum auszumalen", sagte Felbermayr im Interview mit dem Handelsblatt (teils hinter einer Paywall). Sollte ein bedeutender Teil der globalen Energieproduktion ausfallen, könnte dies massive Auswirkungen haben. "Wenn der Weltwirtschaft dauerhaft 20 Prozent der Kapazitäten bei Öl und Gas fehlen, wäre das heftig", so der Wifo-Direktor. Dabei handle es sich zwar um den schlimmstmöglichen Fall, ausgeschlossen sei dieses Szenario jedoch nicht.

Besonders die Entwicklung der Energiepreise sieht Felbermayr als zentrales Risiko für die Inflation. In einer ersten Runde rechne er mit einem Anstieg der Teuerung um rund 0,5 Prozentpunkte, sagte er gegenüber dem Handelsblatt. Darüber hinaus könnten weitere Effekte rasch folgen und deutlich stärker ausfallen. Grund dafür seien vor allem die hohe Nervosität bei Unternehmen und Konsument:innen.

Druck auf die Zinspolitik der EZB

Nach Einschätzung von Felbermayr könnte der Konflikt auch direkte Folgen für die Geldpolitik haben. Wenn der Krieg nicht rasch beendet werde, könnte dies die Europäische Zentralbank zu einer Reaktion zwingen. "Wenn der Iran-Krieg nicht schnell vorbeigeht, muss die EZB reagieren", sagte der Ökonom gegenüber der Zeitung.

Steigende Energiepreise würden den Inflationsdruck erhöhen und damit die Spielräume der Notenbank einschränken. Die bisherige Strategie vieler Zentralbanken, kurzfristige Energiepreisschocks weitgehend zu ignorieren und sich stärker auf langfristige Inflationsprognosen zu konzentrieren, hält der Ökonom laut Handelsblatt für überholt. "Klar ist: Die alte Maxime, kurzfristige Energiepreisschocks einfach zu ignorieren und sich auf langfristige Inflationsprognosen zu verlassen, ist gescheitert und wäre jetzt brandgefährlich."

Damit könnten auch mögliche Zinssenkungen vorerst vom Tisch sein. Im Extremfall könnte die EZB sogar gezwungen sein, die Zinsen wieder anzuheben, erklärte Felbermayr im Handelsblatt. "Zinserhöhungen dürften für die EZB kein Tabu sein, wenn es hart auf hart kommt", so der Ökonom. Für Häuslbauer wären das schlechte Nachrichten.

Kritik an Tankrabatt-Forderungen

Kritisch äußerte sich Felbermayr auch zu politischen Forderungen nach staatlichen Eingriffen bei steigenden Spritpreisen. Wer jetzt nach einem neuen Tankrabatt rufe, könne laut dem Ökonomen sogar das Gegenteil bewirken. Eine solche Maßnahme könne dazu führen, dass Preise weiter steigen, weil Unternehmen auf staatliche Eingriffe spekulierten und zusätzliche Panik ausgelöst werde.

Sein Appell: "Keine Panik an der Zapfsäule", sagte Felbermayr im Handelsblatt.

Neues Mitglied der "Wirtschaftsweisen"

Der Ökonom wurde zudem von der deutschen Bundesregierung als neues Mitglied in den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung nominiert. Gabriel Felbermayr soll dort auf Ulrike Malmendier folgen und künftig als einer der sogenannten "Wirtschaftsweisen" die wirtschaftspolitische Beratung der Bundesregierung mitgestalten.

www.wifo.ac.at

www.handelsblatt.com

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