Erstes "recycelbares" Haus entsteht in Wien
Kreislaufwirtschaft statt Abrissbirne

| Julia Weninger 
| 16.02.2026

Die Sedlak Unternehmensgruppe saniert ein Gründerzeithaus in der Van-der-Nüll-Gasse streng nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft.

In der Van-der-Nüll-Gasse 22 im 10. Wiener Gemeindebezirk realisiert die Sedlak Unternehmensgruppe die österreichweit erste kreislauffähige Sanierung eines Bestandshauses. Wo früher ein klassisches Arbeiterquartier und Lager untergebracht war, entsteht nun ein Leuchtturmprojekt für nachhaltige Stadtentwicklung. Das Vorhaben wird von der Stadt Wien im Rahmen des Stadterneuerungs-Programms WieNeu+ begleitet und markiert den Baustart für eine neue Ära des ökologischen Umbaus.

70 Prozent Wiederverwertung

Das zentrale Element dieses Pionierprojekts ist der bewusste Umgang mit Ressourcen. Statt Materialien einfach zu entsorgen, setzt Sedlak auf konsequente Wiederverwertung: Mindestens 70 % der nicht gefährlichen Bau- und Abbruchabfälle werden recycelt oder direkt vor Ort wiederverwendet.

Dabei geht das Team ins Detail: Historische Terrazzoböden bleiben erhalten, Mauerziegel aus dem Abbruch werden aufbereitet und erneut verbaut, und sogar Gipskartonplatten erfahren eine serielle Wiederaufbereitung. Um diese Materialflüsse transparent zu machen, erhält die Immobilie einen digitalen Zwilling sowie einen Gebäuderessourcenpass.

Flexibler Wohnraum durch kluge Aufstockung

Das Gebäude aus dem Jahr 1880 mit seinen ursprünglichen 1.155 m² Bruttogeschoßfläche wächst durch eine Aufstockung um rund 400 m². Dieser zusätzliche Wohn- und Büroraum wird in einer rückbaufähigen, sortenreinen Konstruktion errichtet. Das Ziel: Zukünftige Anpassungen sollen ohne massiven Ressourcenverlust möglich sein. Energetisch wird das Haus durch Erdwärmesonden und dezentrale Wohnungsstationen für die Warmwasserversorgung auf den neuesten Stand gebracht.

Besonders bemerkenswert ist die regulatorische Vorreiterrolle: Die Sanierung erfüllt erstmals die strengen Anforderungen der EU-Taxonomie (Umweltziel 4), die den Übergang zur Kreislaufwirtschaft definieren. "Wir wollen umsetzen, wovon seit einiger Zeit alle sprechen. Mit dem Baustart treten wir den Beweis an", so Wilhelm Sedlak, Geschäftsführer der Sedlak Unternehmensgruppe.

www.sedlak.co.at

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