Die OMV und die zu ADNOC gehörende Investmentgesellschaft XRG teilten am Dienstag mit, dass sie die Gründung des neuen Chemiekonzerns Borouge International abgeschlossen haben. Wie berichtet, entsteht das Unternehmen aus der Zusammenführung von Borealis (OMV-Tochter), Borouge und der Übernahme von NOVA Chemicals und zählt künftig zu den weltweit größten Polyolefin-Produzenten.
Mit Hauptsitz in Österreich und regionaler Zentrale in den Vereinigten Arabischen Emiraten will sich Borouge International als global aufgestellter Konzern mit Produktions- und Innovationsstandorten in Europa, Nordamerika und Asien positionieren. Laut Angaben der Unternehmen handelt es sich um den viertgrößten Anbieter im Polyolefin-Segment.
60 Milliarden Dollar Konzern
Die Transaktion markiert einen weiteren Schritt in der strategischen Partnerschaft zwischen OMV und XRG, die jeweils 50 Prozent an dem neuen Unternehmen halten. Der neue Konzern ist rund 60 Milliarden Dollar wert. Beide Eigentümer verfolgen das Ziel, eine global wettbewerbsfähige Chemieplattform mit Fokus auf Wachstumsmärkte und technologische Innovationen zu etablieren.
Sultan Al Jaber, Executive Chairman von XRG, erklärte, die Gründung beschleunige den Aufbau einer weltweit führenden Chemieplattform. Durch die Bündelung der Aktivitäten entstehe ein Unternehmen mit "einzigartiger Technologie, einem resilienten Geschäftsmodell und Zugang zu wachstumsstarken Märkten". Borouge International sei gut positioniert, um die steigende Nachfrage nach fortschrittlichen Materialien zu bedienen.
Auch OMV-CEO Alfred Stern betonte die strategische Bedeutung des Schrittes. Der neue Konzern werde sich global durch innovative Produkte, Rohstoffzugang und Kundennähe behaupten. Der Abschluss der Transaktion sei ein "bedeutender Schritt" für OMV und festige deren Position als integriertes Energie- und Chemieunternehmen. Borouge International werde die Wachstumsstrategie im Chemiesegment beschleunigen und zusätzliche Synergien erschließen.

Synergien und Führngsteam
Den Angaben zufolge werden jährliche EBITDA-Synergien von deutlich über 500 Millionen US-Dollar erwartet, wobei rund 75 Prozent innerhalb der ersten drei Jahre realisiert werden sollen. Eine robuste Kapitalstruktur und starke Kreditratings sollen die Stabilität über den gesamten Konjunkturzyklus hinweg sichern.
Das Führungsteam des neuen Konzerns umfasst erfahrene Branchenmanager:innen. Zum CEO wurde Roger Kearns bestellt, die Funktion des Chief Commercial Officer übernimmt Stefan Doboczky, während Hasan Karam als Chief Operating Officer fungiert. Die Position des Finanzvorstands wird interimistisch von Daniel Turnheim (Interim CFO) besetzt.
Wirtschaftsminister erfreut
Aus Sicht der österreichischen Bundesregierung kommt der Transaktion erhebliche standortpolitische Bedeutung zu. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer bezeichnete die Gründung als "historischen Meilenstein für den Wirtschaftsstandort Österreich".
Hattmannsdorfer hob hervor, dass ein "Top-Management internationaler Größenordnung" für einen solchen Konzern unerlässlich sei. Mit Roger Kearns als CEO ziehe ein erfahrener Branchenmanager ein, während Stefan Doboczky eine zentrale Rolle für die österreichische Präsenz im Management einnehme.
Zugleich verwies der Minister auf die Bedeutung der staatlichen Beteiligung. Bei einem Unternehmen dieser Größenordnung seien die Interessen des Standorts zentral. Mit ÖBAG Vorständin Edith Hlawati und IV-Präsident Georg Knill seien zwei erfahrene Persönlichkeiten für den Aufsichtsrat vorgesehen, die die "rot-weiß-rote Perspektive" im Gremium vertreten sollen.
Standortpaket Teil des Deals
Teil der Vereinbarung ist zudem ein umfassendes Standortpaket. Dieses umfasst unter anderem die Verankerung der Konzernzentrale in Österreich, die Absicherung zentraler Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten sowie langfristige Perspektiven für industrielle Standorte wie die Raffinerie Schwechat. Auch ein mögliches Börsenlisting in Österreich ist vorgesehen.
Langfristig soll Borouge International von einer breiten geografischen Aufstellung, technologischem Know-how sowie Zugang zu kostengünstigen Rohstoffen profitieren. Die Unternehmen sehen darin die Grundlage für nachhaltiges Wachstum in Bereichen wie Energie, Mobilität, Infrastruktur und Verpackung.
www.omv.com
www.adnoc.ae
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