Konjunkturreport
WIFO und Handelsverband sehen Aufwärtstrend im Einzelhandel

| Redaktion 
| 12.02.2026

Die Stimmung im österreichischen Einzelhandel verbessert sich deutlich. Laut dem WIFO-Konjunkturreport steigen die Erwartungen der Händler:innen so stark wie seit vier Jahren nicht mehr. Sinkende Inflation und eine rückläufige Sparquote würden zudem den Konsum beleben.

Mit einem Nettoumsatz von 79,5 Milliarden Euro konnte der heimische Einzelhandel im Vorjahr nominell zulegen. Insgesamt ergibt sich ein Plus von 2,9 Prozent gegenüber 2024. Preisbereinigt entspricht das einem realen Wachstum von 0,7 Prozent. Das geht aus dem Konjunkturreport Einzelhandel des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) im Auftrag des Handelsverbandes hervor. Besonders stabil entwickelte sich das Weihnachtsgeschäft. Nach einem Rückgang im November stabilisierte sich die Umsatzentwicklung im Dezember deutlich. Kalenderbereinigt lagen die Umsätze nominell um 1,9 Prozent über dem Vorjahr, real mit minus 0,2 Prozent nahezu auf Vorjahresniveau. Dynamik zeigte vor allem der Einzelhandel mit Nahrungs- und Genussmitteln, während der Non-Food-Bereich weiterhin verhalten blieb.

Konsum gewinnt an Schwung, Sparquote sinkt

Makroökonomisch zeichnen sich erste Entspannungssignale ab. Die Inflation ging laut Schnellschätzung im Jänner 2026 deutlich auf 2,0 Prozent zurück. Nach einem Rückgang der real verfügbaren Einkommen im Jahr 2025 um 0,9 Prozent wird für 2026 zumindest ein leichtes Plus von 0,1 Prozent erwartet. Gleichzeitig dürfte die Sparquote erstmals seit 2023 wieder unter zehn Prozent sinken und bei 9,6 Prozent liegen. Damit steht wieder mehr Spielraum für Konsumausgaben zur Verfügung. Bereits in den ersten drei Jänner Wochen 2026 beobachtete das WIFO eine "merkliche Belebung" der Konsumausgaben. Für das Gesamtjahr wird ein reales Wachstum der privaten Konsumausgaben von 0,8 Prozent prognostiziert.

Erwartungen steigen, Reformdruck bleibt hoch

Auch die Stimmung unter den Händler:innen hellt sich auf. Der WIFO-Konjunkturklimaindex im Einzelhandel stieg von minus 7,3 Punkten im November 2025 auf minus 2,7 Punkte im Jänner 2026. Der Saldo der Geschäftserwartungen liegt erstmals seit dem Frühjahr 2022 nicht mehr im pessimistischen Bereich. Getragen wird dieser Stimmungsumschwung von optimistischeren Geschäftserwartungen, steigenden Bestellungen bei Vorlieferanten sowie einer verbesserten Einschätzung der Beschäftigungsentwicklung.

Trotzdem bleibt die Lage angespannt. Im Dezember 2025 waren im Einzelhandel einschließlich Kfz 330.670 unselbständige Beschäftigte tätig, um 1,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Im Jänner 2026 konnten 8.404 offene Stellen nicht zeitnah besetzt werden. Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will sieht den Handel zwar nicht mehr in der Defensive, mahnt aber Reformen ein: "Wenn dieser Trend anhält, kann 2026 zu einem Jahr der schrittweisen Erholung werden. Doch auch wenn die Umsätze langsam anziehen, die Kostenbelastung für unsere Unternehmen bleibt enorm." Auch WIFO-Experte Jürgen Bierbaumer zeigt sich vorsichtig optimistisch. Für 2026 wird ein Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent erwartet, für 2027 von 1,4 Prozent. Im Handel soll die reale Wertschöpfung heuer um 1,4 Prozent und 2027 um 1,7 Prozent steigen. Doch der Aufschwung sei noch lange kein Selbstläufer, warnen WIFO und Handelsverband. Ohne strukturelle Reformen könnte selbst ein verbessertes Konsumklima rasch wieder an Schwung verlieren.

www.handelsverband.at

www.wifo.ac.at

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