Tiefgreifende Transformation
Neue Ernährungstrends schaffen billionenschweren Lebensmittelmarkt

| Wolfgang Zechner 
| 10.02.2026

Gesundheitsorientierung, Convenience und Klimadruck wirken sich rund um den Globus tiefgreifend auf die Branche aus. Laut einer aktuellen Studie entstehen bis 2035 immense Wachstumsfelder.

Die Studie "Future of Food 2.0" des PwC-Beratungsunternehmens Strategy& sieht die Lebensmittelbranche in einer der tiefgreifendsten Transformationsphasen ihrer Geschichte. Innovative Segmente wachsen demnach viermal schneller als der Gesamtmarkt. Rund 90 Prozent dieses Wachstums entstehen nicht durch zusätzliche Nachfrage, sondern durch strukturelle Verschiebungen, etwa durch alternative Proteine oder die Nutzung von Nebenprodukten als neue Rohstoffbasis. Überträgt man dieses Wachstum indikativ auf Österreich, ergibt sich ein Potenzial von bis zu 9,3 Milliarden US-Dollar. Die stärkste Dynamik verlagert sich an das Ende der Wertschöpfungskette, also dorthin, wo Konsument:innen kaufen und konsumieren, etwa im Handel, in der Gastronomie und in neuen Convenience-Formaten.

Gesundheitsboom und neue Konsummuster als Treiber

Ein zentrales Wachstumsfeld liegt im Bereich Gesundheit und Ernährung. Dort könnte der Umsatz laut Strategy& von heute 490 Milliarden auf 800 Milliarden US-Dollar im Jahr 2035 steigen. Getrieben wird dieser Trend durch personalisierte Ernährung, digitale Gesundheitsdaten und den zunehmenden Einsatz von GLP-1-Medikamenten, die Portionsgrößen und Lebensmittelpräferenzen verändern. "Für immer mehr Menschen geht es bei Ernährung nicht nur um Genuss, sondern um Gesundheit, Fitness und Personalisierung", sagt Harald Dutzler, Partner bei Strategy& Österreich.

Wertschöpfung verschiebt sich Richtung Konsumumfeld

Das prognostizierte Marktpotenzial verteilt sich zwar auf alle Bereiche der Wertschöpfungskette, liegt jedoch klar im Konsumumfeld. Für 2035 rechnet die Studie mit rund 400 Milliarden US-Dollar im Lebensmittelanbau, 680 Milliarden US-Dollar in der Produktion und 2.060 Milliarden US-Dollar im Konsumumfeld. In der Landwirtschaft gewinnen Gewächshäuser und Präzisionslandwirtschaft an Bedeutung, während in der Herstellung nachhaltige Verpackungen dominieren. Ihr Marktvolumen könnte auf rund 430 Milliarden US-Dollar steigen, auch getrieben durch regulatorische Vorgaben.

Landwirtschaft spielt entscheidende Rolle

Trotz der Wachstumschancen bleiben Klima-, Kosten- und Anpassungsrisiken stark in der Landwirtschaft konzentriert. Weltweit produzieren rund 608 Millionen Landwirt:innen Lebensmittel, die Mehrheit davon in Kleinbetrieben. Investitionen in Digitalisierung oder regenerative Methoden sind für viele mit hohen Risiken verbunden. Ob diese Akteur:innen den Wandel mittragen können, wird laut Studie maßgeblich über das Tempo der Transformation entscheiden.

Kooperationen und Technologie als Erfolgsfaktor

Um im neuen Food-Ökosystem zu bestehen, empfiehlt Strategy& einen klaren strategischen Fokus auf Auswahl, Vernetzung und Skalierung. Tragfähige Partnerschaften zwischen Landwirtschaft, Technologieanbietern, Verpackungsindustrie, Gesundheitsdienstleistern, Logistik, Handel und Politik werden zentral. "Kaum ein Akteur wird den fundamentalen Wandel allein bewältigen können", so Dutzler. Wer frühzeitig in Technologie investiert und Allianzen eingeht, könne sich langfristig eine zentrale Rolle im globalen Ernährungssystem sichern.

www.strategyand.pwc.com

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