Interview mit Uschi Huber
"Wenn alles bei der Führung hängen bleibt, wird Führung zum Engpass"

Im LEADERSNET-Interview spricht Uschi Huber, Geschäftsführerin der Round Table Konferenzhotels (RTK), über Führungskompetenzen sowie den Unterschied zwischen Wissen und wirksamer Umsetzung. Sie erklärt, warum Transformation nicht "nebenbei" gelingt, weshalb viele Weiterbildungsinitiativen im Alltag verpuffen und wie klare Prioritäten sowie bewusste Entscheidungen echten Impact schaffen. 

LEADERSNET: Sehr geehrte Frau Huber, viele Unternehmen investieren massiv in Weiterbildung – trotzdem bleibt Transformation oft zäh. Wo liegt aus Ihrer Sicht der entscheidende Bruch zwischen "Wissen erwerben" und "Veränderung wirklich umsetzen"?

Uschi Huber: Der Bruch passiert Montagfrüh. Am Freitag war das Training inspirierend – am Montag ist der Kalender wieder voll, die alten Routinen greifen, und niemand hat Zeit, Neues wirklich auszuprobieren. Wissen ist schnell gekauft. Veränderung braucht Raum, klare Zuständigkeiten – und vor allem: die bewusste Entscheidung, sich dafür Zeit zu nehmen.

LEADERSNET: Welche Rahmenbedingungen brauchen Führungskräfte konkret, damit Weiterbildung im Alltag tatsächlich Wirkung entfaltet?

Huber: Drei Dinge: Klarheit, Konsequenz und ein Ort zum Üben. Nach jeder Weiterbildung muss klar sein: Was machen wir ab jetzt anders? Wer entscheidet? Was lassen wir dafür weg? Und wie messen wir, ob es wirklich passiert? Der häufigste Fehler ist, dass man Weiterbildung als "Add-on" behandelt. Das funktioniert nicht. Lernen muss in konkrete Aufgaben und Projekte übersetzt werden – sonst bleibt es ein gutes Gefühl, aber keine Veränderung.

LEADERSNET: Strategien scheitern oft, obwohl die Konzepte längst bekannt sind, etwa bei Nachhaltigkeit oder Change-Prozessen. Was sind die häufigsten Umsetzungsblockaden, die Sie in Unternehmen beobachten?

Huber: Die größte Blockade ist der Irrtum, dass man Transformation "nebenbei" erledigen kann. Es wird unterschätzt, wie wirksam ein klarer Schnitt ist: ein, zwei Tage raus aus dem Tagesgeschäft, um Prioritäten zu klären – und dann mit frischem Wind zurück in die Umsetzung. Viele starten Initiativen, ohne das Tagesgeschäft zu entlasten. Dann ist alles wichtig – und am Ende wird nichts umgesetzt. Erfolgreiche Organisationen können eine Sache besonders gut: Sie entscheiden bewusst, was sie nicht mehr tun.

LEADERSNET: Business-Weiterbildungen 2026 stehen für einen Wechsel von "Content" zu "Impact". Woran erkennen Unternehmen messbar, ob eine Weiterbildung wirklich Veränderung erzeugt und nicht nur Aktivität?

Huber: Kurz: Nicht an Feedbackbögen, sondern am Alltag. Der Impact entsteht oft genau dann, wenn Teams nach einem konzentrierten Seminar-Setting zurückkommen und das Gelernte sofort in konkrete Maßnahmen übersetzen. Wenn nach der Weiterbildung Entscheidungen schneller fallen, Abstimmungen weniger werden und Verantwortung näher bei den Teams liegt, dann hat sich etwas verändert.

LEADERSNET: Führungskräfte sind stark gefordert, gleichzeitig herrscht Tool-Überfluss und Dauerüberlastung. Wie gelingt Führung in unruhigen Zeiten ohne ständig neue Methoden, sondern mit mehr Klarheit und Selbstführung?

Huber: In vielen Unternehmen entsteht Überlastung nicht durch zu wenige Tools, sondern durch zu viele offene Entscheidungen. Wenn alles bei der Führung hängen bleibt, wird Führung zum Engpass. Und genau hier kommt ein Punkt ins Spiel, der oft unterschätzt wird: Man muss rauskommen und Abstand zum Daily Business gewinnen. Nicht für ein "nettes Offsite", sondern um Rollen, Prioritäten und Abläufe ohne Störgeräusche zu klären und neue Zusammenarbeit aktiv zu üben. Wer aus dem Alltag rausgeht – in ein professionelles Seminar-Setting – schafft etwas, das im Büro kaum möglich ist: Fokus.

LEADERSNET: Welche Kompetenzen werden aus Ihrer Sicht in den nächsten Jahren zum klaren Wettbewerbsvorteil und warum?

Huber: Entscheidungsfähigkeit wird zentral. Märkte verändern sich schneller, als Wissen aktuell gehalten werden kann. Führungskräfte müssen auch mit unvollständigen Informationen fundiert entscheiden können. Ergänzt werden sollte dies durch Selbstreflexion und klare Kommunikation, damit Entscheidungen nachvollziehbar bleiben und umgesetzt werden.

LEADERSNET: Netzwerke spielen eine zentrale Rolle für nachhaltigen Erfolg. Was kann ein starkes Netzwerk leisten, was klassische Weiterbildung allein nicht schafft, insbesondere für Führungskräfte?

Huber: Netzwerke ermöglichen praxisnahen Austausch und Perspektivwechsel. Führungskräfte erfahren, wie andere Unternehmen ähnliche Herausforderungen angehen, erhalten ehrliches Feedback und Impulse, die direkt im eigenen Unternehmen umgesetzt werden können. Das beschleunigt den Transfer und ergänzt klassische Trainings wirkungsvoll.

LEADERSNET: Was kann die Geschäftsführerin Huber von der Privatperson Huber lernen?

Huber: Nicht jede Verantwortung selbst zu tragen. Delegation ist kein Kontrollverlust – es ist Führung. Wer gezielt abgibt, schafft Raum für strategische Entscheidungen. Und genau diese Klarheit macht Teams stabiler, nicht unsicherer.

www.rtk.at

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