Laut aktuellen Studien werden die Alpen angesichts des Klimawandels bis zum Ende des Jahrhunderts weitgehend eisfrei sein. Für die Gletscher des Dachstein-Massivs dürfte dies sogar noch deutlich früher eintreffen. Hier rechnet man bereits in den nächsten Jahren bzw. Jahrzehnten mit einer Trennung des Hallstätter und des Schladminger Gletschers in Verlängerung des Gjaidstein-Südgrates in Richtung Bergstation der Dachstein-Südwandbahn. Für die Ver- und Entsorgung der dort ansässigen Hütten, sprich der Seethaler- und Simonyhütte sowie dem Guttenberghaus, bringt dies erhebliche Schwierigkeiten mit sich. So werden etwa Versorgungsfahrten mit dem Quad zur Seethalerhütte nicht mehr ganzjährig möglich sein, und auch eine Begehung des Fußweges kann selbst für erfahrene Bergsteiger:innen zur Herausforderung werden. Ebenso wird die Erhaltung und Anpassung seiltechnischer Versicherungen in den Felsregionen immer arbeitsintensiver.
Aufgrund dieser und weiterer Herausforderungen hat der Alpenverein Austria im Rahmen einer Vorstandssitzung am Donnerstag über einen Maßnahmenplan für die Neugestaltung des Wegenetzes sowie die Ver- und Entsorgung der Hütten beraten. Im Mittelpunkt dessen stehen neue Daten, die mittels Drohnen-Technologie erhoben werden.
Gletscherdichtemessung mittels Drohne
Konkret hat der Alpenverein bereits vor einiger Zeit entschieden, die Eismächtigkeit der Gletscher zu untersuchen und auf Basis dessen schließlich gesicherte Planungsmaßnahmen für die nächsten Jahre zu erarbeiten. Erledigt werden sollen diese Gletscherdichtemessungen mithilfe von Drohnen-Radaren, die auf eine Methode der oberflächennahen Geophysik setzen. Dabei sendet und empfängt das an der Unterseite der Drohne montierte Radar elektromagnetische Wellen, die je nach Medium (in diesem Fall Schnee, Eis oder Fels) zu unterschiedlichen Reflektionen führen. Mittels Abstandssensor hält die Drohne während ihrer gesamten Flugzeit einen konstanten Abstand zur Gletscheroberfläche, und durch die Messung der Laufzeit kann schließlich die Eismächtigkeit des Gletschers ermittelt werden. Beauftragt wurde damit die gemeinnützige, außeruniversitäre Salzburger Forschungseinrichtung Georesearch.
"Während konventionelle Gletschermessungen zur jährlichen Änderung der Länge oder Massenbilanzen lediglich zeigen, in welchem Ausmaß sich der Gletscher in den letzten Jahren und Jahrzehnten verändert hat, braucht es für zuverlässige Prognosen die Quantifizierung des verbleibenden Eisvolumens. Dafür kann ein Georadar eingesetzt werden", meint Anna Siebenbrunner, Wissenschaftlerin bei Georesearch.
Erste Daten bereits erhoben
Bereits im Dezember 2025 wurden am Hallstätter Gletscher rund 52 Kilometer an Radarprofilen per automatisiertem Drohnen-Flug anhand vorab erstellter Flugpläne aufgenommen. Das Ergebnis: In circa zehn bis 15 Jahren wird der Hallstätter Gletscher kein geschlossenes Gebiet mehr bedecken. So liegt die Eisdicke in manchen Zonen zwar noch bei rund 70 Metern, im Durchschnitt sind es jedoch nur noch 24 Meter. Je nach vorhandener Eisdicke und Bodenverhältnissen werden Sérac-ähnliche Eistürme und Eisformationen zwar noch jahrelang erhalten bleiben, doch ohne die Verbindung zum früheren Nährgebiet kann man diese dann nicht mehr als Gletscher bezeichnen – sie werden zu sogenanntem Toteis, das aber durchaus weitere Risiken birgt. An jenen Stellen, an denen nur eine dünne Eisauflage gegeben ist, werden sich künftig gletscherfreie Passagen für Hüttenübergänge auftun. Und nicht zuletzt könnten durch das Abschmelzen auch Gebirgsseen entstehen.
Für den Betrieb der vor wenigen Jahren neu errichteten Seethalerhütte bedeuten die Ergebnisse, dass man ein gänzlich neues Logistik-Konzept entwickeln muss. "Wir müssen uns darauf vorbereiten, die Ver- und Entsorgung der Hütte ganz oder teilweise auf Hubschrauberlogistik umzustellen, damit die hohen Umweltstandards des Hüttenbetriebes auch weiterhin aufrechterhalten werden können", so Hüttenreferent Richard Goldeband.
Weitere Projekte in Planung
"Wir waren Erschließer der ersten Stunde in diesem herrlichen Gebirge. Wir werden alle nötigen Maßnahmen ergreifen, damit auch künftige Generationen unser Arbeitsgebiet am Dachstein für vielfältige Bergsportaktivitäten nutzen können", betont Friedrich Macher, Erster Vorsitzender des Alpenvereins Austria. Zudem wurde angekündigt, dass ähnliche Untersuchungen mittels Drohnen auch am Gosaugletscher sowie im Glocknergebiet, die ebenfalls stark vom Klimawandel betroffen sind, vorgesehen seien.
www.alpenverein-austria.at
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