Auswertung von 33.500 Betrieben
Familien-Führung bremst Unternehmen bei Expansion ins Ausland

| Larissa Bilovits 
| 08.02.2026

Wenn es um Internationalisierung geht, lassen viele Familienbetriebe hierzulande besondere Vorsicht walten. Laut einer aktuellen Studie der WU Wien liegt dies sowohl an Managementstrukturen als auch am kulturellen Kontext.  

Familienunternehmen gelten als Rückgrat vieler Volkswirtschaften – so auch in Österreich. Zugleich wird ihnen jedoch oftmals eine besondere Vorsicht bei strategischen Entscheidungen zugeschrieben, besonders wenn es um Expansionen ins Ausland geht. Ob dieses Vorurteil wissenschaftlich tatsächlich haltbar ist, hat sich nun die WU Wien im Rahmen einer Meta-Analyse von rund 33.500 Familienunternehmen (ein Großteil davon aus Europa) angesehen, die zeigen soll, welche internen und kulturellen Faktoren die Internationalisierung von Familienunternehmen tatsächlich prägen. 

Familiengeführtes Management expandiert vorsichtiger

Konkret hält die Studie fest, dass vor allem Unterschiede im Management maßgeblich über die internationale Expansion eines Familienunternehmens bestimmen – gemeint sind etwa die Besetzung der Unternehmensleitung, die Generation der gegenwärtigen Eigentümer:innen sowie der kulturelle Kontext. "Man kann Familienunternehmen nicht über einen Kamm scheren. Aber klar ist: Unternehmen, in denen Familienmitglieder stark in operative Führungspositionen eingebunden sind, weisen eine geringere internationale Ausrichtung auf", fasst Ilaria Gallegati, Assistenzprofessorin am Institut für International Business der WU Wien, zusammen. Demnach expandieren Familienunternehmen weniger stark ins Ausland, wenn ein Familienmitglied als CEO an der Spitze steht oder der Vorstand stark familienbesetzt ist. Die Gründe dafür seien vielfältig, betont die Forscherin: "Familienunternehmen treffen in komplexen Situationen oft gefühlsgeleitete Entscheidungen, die den Heimatmarkt bevorzugen."

Allerdings sei die Expansionsstrategie auch stark von der aktuell Unternehmens-führenden Generation abhängig – so expandieren Betriebe, die von jüngeren Generationen geleitet werden, deutlich häufiger ins Ausland. "Jüngere Generationen bringen oft eine formellere Ausbildung, Auslandserfahrung und professionellere Entscheidungsprozesse ein und sind zudem stärker in internationale Netzwerke eingebunden. Das kann die Bereitschaft erhöhen, neue Märkte im Ausland zu erschließen", erläutert Gallegati.

Kulturelles Umfeld entscheidend

Eine zentrale Rolle in der Internationalisierung spiele laut Studie aber auch der kulturelle Kontext des jeweiligen Ursprungslandes, da Familienunternehmen "nie losgelöst von ihrem Umfeld" agieren, meint die Forscherin. Beispielsweise wird in Ländern wie Italien, in denen die Familie gesellschaftlich einen besonders hohen Stellenwert hat, familiär geprägtes Verhalten im Unternehmen als normal betrachtet. Das bedeutet, dass externe Stakeholder, wie etwa Geschäftspartner:innen oder Investor:innen, eher gut damit umgehen können, was eine Expansion wiederum erleichtert.

Dagegen können dieselben Führungsstrukturen in stärker individualistisch geprägten Ländern (z. B. Deutschland) internationale Expansion erschweren. Hier sind externe Stakeholder weniger tolerant gegenüber emotional motivierten Entscheidungen und es kommt schneller zu Konflikten zwischen Familienmitgliedern und externen Mitarbeiter:innen – beides Faktoren, die Internationalisierung bremsen können.

Wo Familienunternehmen jetzt ansetzen können

"Für exportorientierte Länder wie Österreich liefert unsere Studie wichtige Anknüpfungspunkte für Unternehmenspraxis und Wirtschaftspolitik", erklärt Co-Autor Florian B. Zapkau. So würden die Ergebnisse jene Hebel aufzeigen, die heimische Familienunternehmen in Bewegung setzen müssen, um internationale Chancen besser nutzen zu können. Im Mittelpunkt stehe dabei vor allem die Führungsstruktur: Demnach müsse Führung professionalisiert, externe Expertise eingebunden und Organisationskultur bewusst gestaltet werden.

"Entscheidend ist, familiäre Zugehörigkeit und unternehmerische Entscheidungen klar zu trennen", appelliert Gallegati und legt beispielsweise nahe, Positionen nach Qualifikation statt nach Verwandtschaft zu vergeben. Zudem betont die Forscherin, dass man kulturelle Rahmenbedingungen im Herkunftsland nie außer Acht lassen dürfe, da diese den Unternehmensalltag entscheidend prägen. "Wenn man die Internationalisierung von Familienunternehmen unterstützen möchte, muss man diese Unterschiede gezielt berücksichtigen", meint Gallegati abschließend.

Mehr Informationen zur Studie finden Sie hier.

www.wu.ac.at

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV