Jobselling Report 2026
Sinkende Lebenszufriedenheit belastet die Leistungsfähigkeit im Job

| Larissa Bilovits 
| 09.02.2026

Trotz hoher Leistungsbereitschaft arbeitet fast jede:r zweite Österreicher:in mit angezogener Handbremse und fühlt sich durch psychische oder körperliche Belastungen in der eigenen Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Gleichzeitig wird rund ein Drittel der Arbeitszeit als unproduktiv erlebt. 

Arbeitsleistung entsteht längst nicht mehr nur im Job, sondern hängt stark von den Lebensumständen außerhalb der Arbeit ab. Wirtschaftliche Unsicherheit, finanzielle Belastungen und strukturelle Defizite im Arbeitsalltag wirken sich dabei direkt auf Motivation, Leistungsfähigkeit und Wechselbereitschaft aus – mit spürbaren Folgen für Arbeitgeber:innen, Führung und HR. Wie ausgeprägt diese Zusammenhänge sind, zeigt der Jobselling Report 2026: Die Studie basiert auf einer repräsentativen Befragung von über 4.500 Personen in Österreich, liefert Vergleichsdaten zu 2024 und beleuchtet nach Altersgruppen und Lebenslagen, welche Rahmenbedingungen Menschen brauchen, um produktiv zu bleiben.

Lebenszufriedenheit sinkt weiter – vor allem bei jungen Menschen

Laut der Studie gelten Familie, Freundschaft und Partnerschaft (54 %), Gesundheit und Wohlbefinden (51 %) sowie Vertrauen und Verlässlichkeit (48 %) für die heimische Bevölkerung als die wichtigsten Faktoren für ein gutes Leben. Gleichzeitig sinkt die Lebenszufriedenheit in Österreich weiter: Nur noch 67 Prozent sind eher oder sehr zufrieden (2024: 71 %). Dabei zeigt sich ein klarer Zusammenhang mit der finanziellen Lage – 31 Prozent der Menschen mit überdurchschnittlicher Situation sind sehr zufrieden, bei unterdurchschnittlicher Lage sind es nur neun Prozent.

Besonders belastet sind junge Menschen: Ihre Lebenszufriedenheit liegt rund 20 Prozentpunkte unter jener der über 50-Jährigen. Als Hauptsorgen nennen sie steigende Lebenshaltungskosten (55 %), gesellschaftliche Spannungen (47 %) und wirtschaftliche Unsicherheit (43 %), was viele als dauerhafte Belastung erleben. Seit 2024 haben diese Ängste deutlich zugenommen – etwa zur Wirtschaftslage (von 23 % auf 31 %), zum Pensionssystem (von 29 % auf 37 %) und zur politischen Situation (von 21 % auf 31 %). Auch die Sorge vor Kündigung oder Arbeitslosigkeit stieg stark (von 10 % auf 24 %).

"Diese Lebensbedingungen bleiben nicht außerhalb der Arbeitswelt. Sie prägen unmittelbar, mit welchen Belastungen, Erwartungen, Bedürfnissen und Möglichkeiten Menschen in die Arbeit gehen. Motivation, Leistungsfähigkeit und Bindung entstehen nicht isoliert im Job, sondern im Zusammenspiel mit der gesamten Lebensrealität", betont Studienautor Heinz Herczeg mit Blick auf die Studienergebnisse. Demnach fühlt sich fast die Hälfte der Befragten (49 %) durch psychische oder körperliche Belastungen in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt – besonders häufig junge Menschen (57 %) sowie Personen mit unterdurchschnittlicher finanzieller Situation. Am stärksten verbreitet sind Stress und Angespanntheit (rund 30 %) sowie Schlafstörungen und ständige Müdigkeit (rund ein Drittel), gefolgt von Erschöpfung und emotionaler Überlastung. Viele berichten zudem über Rücken-, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie chronische Beschwerden, die den Arbeitsalltag zunehmend erschweren. Gleichzeitig zeigt sich die finanzielle Lage als zentraler Faktor: 73 Prozent der Menschen mit überdurchschnittlichem Einkommen schätzen ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut ein, bei unterdurchschnittlicher Lage sind es nur 38 Prozent.

Veränderte Motivationstreiber und hohe Wechselbereitschaft

Darüber hinaus widerlegt die Studie das Narrativ einer sinkenden Leistungsbereitschaft: Der Wunsch, Leistung zu erbringen, ist bei jungen Menschen bis 29 Jahre sogar stärker ausgeprägt (29 %) als bei den 30–49-Jährigen (23 %). Gleichzeitig verschieben sich die Treiber der Motivation: Geld verliert als primärer Anreiz deutlich an Bedeutung (von 65 % im Jahr 2023 auf 48 % im Jahr 2026), während sinnstiftende Arbeit wichtiger wird (von 22 % auf 30 %). Für Bindung und Motivation entscheidend sind überdies eine gute Arbeitsatmosphäre (64 %), Arbeitsplatzsicherheit (57 %), Wertschätzung (54 %) sowie Vertrauen (53 %).

Zudem wirken zusätzliche Benefits laut der Umfrage vor allem dann, wenn sie finanzielle Belastungen konkret reduzieren oder Leistungen ermöglichen, die sonst schwer leistbar wären. Besonders gefragt sind Essenszuschüsse bzw. vergünstigte Verpflegung (36 %), Mobilitätsleistungen wie Öffi-Tickets oder Fahrtkostenzuschüsse (35 %) sowie Gesundheits- und Vorsorgeangebote (34 %). Rund ein Drittel (33 %) sieht auch gezielte finanzielle Zusatzleistungen oder Prämien bei besonderer Leistung als wichtigen Anreiz – vor allem, wenn sie spürbar zur finanziellen Stabilisierung beitragen. Insgesamt wird aber klar: Einheitslösungen greifen zu kurz, weil Lebensrealitäten und Bedürfnisse zu unterschiedlich sind.

Angesichts dieser zunehmenden Bedürfnisse bleibt auch die Wechselbereitschaft hoch: Rund ein Viertel der Befragten denkt aktiv über einen Jobwechsel nach, während etwa 75 Prozent derzeit im Job bleiben wollen. Auffällig ist jedoch, dass ein weiteres Viertel trotz Unzufriedenheit verharrt – nicht aus Bindung, sondern aus Unsicherheit oder mangels Alternativen; rund 60 Prozent dieser Gruppe sind mit ihrer Arbeit unzufrieden. Bei der Jobsuche rücken daher lebensnahe Kriterien in den Vordergrund: leistungsgerechte Bezahlung, flexible Arbeitszeiten, Vereinbarkeit von Beruf und Leben sowie ein alltagstauglicher Arbeitsort. Während jüngere Menschen stärker auf zusätzliche Verdienstmöglichkeiten achten, gewinnen für ältere Zielgruppen Sicherheit und Stabilität an Bedeutung. Entscheidend sind dabei transparente, konkrete Informationen – je näher Arbeitgeber:innen an den realen Lebenssituationen kommunizieren, desto besser gelingt es, passende Mitarbeitende zu gewinnen und langfristig zu binden, resümiert die Studie.

Großer Teil der Arbeitszeit als unproduktiv empfunden

Interessant ist auch, dass Menschen im Schnitt rund 30 Prozent ihrer Arbeitszeit als unproduktiv erleben – bei jungen Menschen sogar 37 Prozent. Die Ursachen liegen dabei weniger in mangelnder Motivation als in strukturellen Defiziten: Bürokratie, ineffiziente oder schlecht abgestimmte Prozesse, unklare Zuständigkeiten, zu viele oder schlecht vorbereitete Meetings sowie unzureichende digitale Unterstützung bremsen die Leistungsfähigkeit. Produktiv arbeiten können Menschen vor allem dann, wenn Ziele und Erwartungen klar sind, Verantwortlichkeiten eindeutig geregelt, Arbeitsmittel funktionieren und konzentriertes Arbeiten ohne ständige Unterbrechungen möglich ist. Entscheidend sind damit Struktur, Organisation und passende Rahmenbedingungen – nicht mehr Druck oder Kontrolle.

In Hinblick auf Produktivität gewinnt auch der Einsatz digitaler Technologien wie Künstlicher Intelligenz (KI) rasant an Bedeutung. Während KI privat (55 %) sowie in Ausbildung und Weiterbildung (79 %) bereits weitverbreitet ist, nutzt sie im Berufsalltag allerdings nur gut ein Drittel (38 %). Gleichzeitig geben 39 % an, keinerlei Unterstützung im Umgang mit digitalen Tools oder KI zu erhalten. Besonders junge Menschen stehen dem Thema ambivalent gegenüber: 23 Prozent sehen ihre berufliche Zukunft durch KI gefährdet. Fehlende Begleitung und Qualifizierung wirken sich damit nicht nur auf Produktivität, sondern auch auf Chancengleichheit und soziale Sicherheit aus.

Und auch im Miteinander der Generationen wird deutlich, wie wichtig gute Strukturen sind. Zwar erleben 54 Prozent die Zusammenarbeit über Altersgrenzen hinweg positiv, doch ein knappes Viertel (24 %) berichtet von Spannungen – junge Menschen fühlen sich dabei häufiger missverstanden. Die Gründe liegen weniger im Alter selbst als in unterschiedlichen Arbeitsweisen (31 %), Wertevorstellungen (39 %) und mangelndem Austausch (28 %). Leistungsfähige, generationenübergreifende Zusammenarbeit entstehe laut Studienautoren dort, wo klare Kommunikations- und Feedbackformate, transparente Erwartungen, gegenseitige Wertschätzung sowie bewusst geschaffene Räume für Austausch und Wissenstransfer vorhanden sind.

Mehr Informationen zur Studie finden Sie in unserer Infobox.

www.lifecreator.at

Über die Studie

  • Auftraggeber: life Creator Consulting GmbH, Heinz Herczeg MBA
  • Methode: CAWI | Marketagent Online Access Panel
  • Sample-Größe: n = 4.549 Netto-Interviews
  • Kernzielgruppe: Personen im Alter zwischen 14 und 69 Jahren
  • Quotensteuerung: Sample repräsentativ für die österreichische Bevölkerung | Random Selection | gewichtet
  • Feldzeit: November 2025
  • Breaks: Geschlecht, Altersgruppen, Generationen, Regionen, Wohngebiet, abgeschlossene Ausbildung, Arbeitsstunden, Homeoffice, Finanzielle Situation
  • Mobile Teilnahme: 60 Prozent

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Über die Studie

  • Auftraggeber: life Creator Consulting GmbH, Heinz Herczeg MBA
  • Methode: CAWI | Marketagent Online Access Panel
  • Sample-Größe: n = 4.549 Netto-Interviews
  • Kernzielgruppe: Personen im Alter zwischen 14 und 69 Jahren
  • Quotensteuerung: Sample repräsentativ für die österreichische Bevölkerung | Random Selection | gewichtet
  • Feldzeit: November 2025
  • Breaks: Geschlecht, Altersgruppen, Generationen, Regionen, Wohngebiet, abgeschlossene Ausbildung, Arbeitsstunden, Homeoffice, Finanzielle Situation
  • Mobile Teilnahme: 60 Prozent

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