Jugendliche bewegen sich online dort, wo Trends entstehen, Freundschaften gepflegt werden und Unterhaltung nur einen Swipe entfernt ist. Welche Apps und Webseiten dabei wirklich den Ton angeben, verändert sich oft schneller, als man glaubt. Genau hier setzt der aktuelle Jugend-Internet-Monitor der EU-Initiative Saferinternet.at an – bereits zum elften Mal zeigt die repräsentative Erhebung (siehe Infobox), welche Social-Media-Plattformen bei 11- bis 17-Jährigen in Österreich besonders gefragt sind und ob sich das Nutzungsverhalten zwischen den Geschlechtern unterscheidet.
Beliebteste Plattformen im Überblick
Demnach bleibt WhatsApp auch im heurigen Jahr die meistgenutzte Internetplattform unter Österreichs Jugendlichen, verliert allerdings weiter an Reichweite. Aktuell verwenden 82 Prozent den Messenger, davon 84 Prozent täglich. Auf Rang zwei folgt YouTube mit 76 Prozent Nutzung, wobei jede:r Zweite (50 %) die Videoplattform täglich nutzt. Gegenüber dem Vorjahr fällt WhatsApp somit um fünf und YouTube um vier Prozentpunkte zurück.
Platz drei belegt Snapchat – 65 Prozent der Jugendlichen nutzen die App, 85 Prozent davon täglich. Dahinter liegen TikTok und Instagram nahezu gleichauf, mit jeweils 64 Prozent Nutzung – allerdings verzeichnet TikTok eine deutlich höhere tägliche Nutzung (83 %) als Instagram (77 %), weswegen TikTok auf Platz vier im Ranking landet. Im Jahresvergleich zeigen sich bei allen drei Diensten deutliche Rückgänge: Snapchat und Instagram verlieren jeweils neun Prozentpunkte, TikTok wiederum acht. Auf Platz sechs rangiert schließlich Microsoft Teams mit 31 Prozent Nutzung – das sind ebenfalls vier Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.
Abseits der Spitzenplätze bleibt die App-Nutzung breit gestreut: 31 Prozent verwenden Pinterest, 23 Prozent sind auf Roblox aktiv und 18 Prozent nutzen Discord. Die Live-Streaming-Plattform Twitch kommt auf 14 Prozent. Auch diese Angebote verzeichnen Rückgänge im Vorjahresvergleich. Stabil bleiben lediglich Signal und Reddit, die immer noch jeweils von rund neun Prozent genutzt werden. Den stärksten Einbruch verzeichnet dagegen BeReal: Nachdem die Instant-Foto-App 2024 noch von knapp einem Drittel der Befragten genutzt wurde, kommt sie heuer nur noch auf sieben Prozent.
Kaum Geschlechterunterschiede
In Hinblick auf die Geschlechter zeigen sich bei den beliebtesten sozialen Netzwerken insgesamt nur geringe Unterschiede. So nutzen Jungs YouTube (79 %) und TikTok (67 %) weiterhin etwas häufiger als Mädchen (73 bzw. 61 %). Bei WhatsApp, Snapchat und Instagram gibt es 2026 hingegen keine Differenzen mehr – eine klare Veränderung gegenüber 2025, als Snapchat vor allem bei Mädchen deutlich stärker verbreitet war. Microsoft Teams wird wie schon im Vorjahr häufiger von Mädchen (35 %) als von Jungs (27 %) verwendet.
Deutlich stärker fallen die Abstände bei Video-Streaming- und Gaming-Angeboten aus: Discord bleibt mit 28 Prozent bei Jungs und acht Prozent bei Mädchen klar männlich geprägt, ähnlich wie Twitch (23 % vs. 5 %). Bei Roblox ist der Unterschied moderater: 25 Prozent der Jungs nutzen die Plattform, aber auch 21 Prozent der Mädchen. Besonders groß ist die Kluft bei Pinterest, das über die Hälfte der Mädchen (55 %) erreicht, jedoch nur acht Prozent der Jungs. Weitere markante Differenzen zeigen sich zudem bei Reddit (Jungs: 14 %, Mädchen: 3 %) und X (Jungs: 12 %, Mädchen: 4 %).
© Saferinternet.at
Sättigungsgefühl nimmt zu
Ebenfalls zeigt die Studie, dass sich der Fokus sozialer Netzwerke in den vergangenen Jahren spürbar verlagert hat. So treten der direkte Austausch mit Freund:innen, das Informiertbleiben im eigenen Umfeld oder das gezielte Folgen bestimmter Personen zunehmend in den Hintergrund. Stattdessen dominiert das endlose Durchscrollen von Kurzvideos – dieses ursprünglich von TikTok popularisierte Prinzip prägt mittlerweile fast alle großen Plattformen. Jugendliche konsumieren Inhalte dabei oft eher passiv und lassen sich vor allem von algorithmisch vorgeschlagenem Content treiben. Das zeigt sich auch daran, dass viele kaum mehr benennen können, welchen Content-Creator:innen sie tatsächlich folgen – bewusstes Abonnieren und gezieltes Verfolgen wird immer öfter durch algorithmischen Konsum ersetzt.
Parallel dazu rücken neue digitale Angebote in den Vordergrund – allen voran KI-Chatbots. Weil diese im Alltag der 11- bis 17-Jährigen bereits fest verankert sind, hat Saferinternet.at dazu eine zusätzliche Erhebung durchgeführt. Das Ergebnis: 94 Prozent der Jugendlichen nutzen Chatbots, was den Rückgang der Social-Media-Nutzung zumindest teilweise mit erklären dürfte. Verstärkt wird dieser Effekt durch die große Bandbreite an Alternativen, etwa Streaming-Dienste wie Spotify, Netflix oder Disney+. Zudem zeigt sich bei vielen Jugendlichen ein zunehmendes Sättigungsgefühl: Soziale Netzwerke bleiben zwar relevant, werden in Fokusgruppengesprächen aber zugleich kritisch gesehen – vor allem wegen der großen Werbemenge und der oft sehr ähnlichen Inhalte auf unterschiedlichen Plattformen. Auch belastende Inhalte und Hasskommentare tragen dazu bei, dass Social Media für viele weniger attraktiv wirkt.
Mehr Informationen zur Studie finden Sie hier.
www.saferinternet.at
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