Rund 120 Gäste beim Neujahrsempfang
IV-Burgenland drängte auf Investitionsanreize und weniger Bürokratie

| Redaktion 
| 13.01.2026

Beim Neujahrsempfang in Eisenstadt stellte Präsident Christian Strasser Freihandel, Energiepolitik und Forschung in den Mittelpunkt und sprach sich erneut für das Mercosur-Abkommen aus.

Beim Neujahrsempfang 2026 der Industriellenvereinigung Burgenland (IV-Burgenland) in der Joseph Haydn Privathochschule in Eisenstadt rief IV-Burgenland Präsident Christian Strasser zu entschlossenem Handeln für den Standort auf. In seiner Ansprache unterstrich er die Bedeutung von Energie, Forschung und Entwicklung sowie internationalen Freihandelsabkommen für die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie. Strasser betonte dabei ausdrücklich, dass das Mercosur-Abkommen eine wichtige Chance für den Standort sei (LEADERSNET berichtete u.a. hier und hier über das Mercosur-Abkommen). 

Vor dem Hintergrund eines wirtschaftlich schwierigen Jahres 2025 verwies Strasser darauf, dass gerade in Zeiten schwacher Konjunktur und geopolitischer Unsicherheiten offene Märkte und Handelsabkommen an Bedeutung gewinnen würden. Es sei aus seiner Sicht bedauerlich, dass Österreich dem Abschluss des Mercosur-Abkommens nicht zugestimmt hat. Analysen zufolge könnten durch das Abkommen in Österreich Wertschöpfungseffekte von rund 300 Millionen Euro entstehen, zudem wären über 2.000 zusätzliche Arbeitsplätze in der Industrie möglich.

Strasser erwartet mehr Chancenorientierung

Strasser bekräftigte seine Position zum Mercosur-Abkommen erneut und hielt fest: "Mercosur ist eine wichtige Chance für den Standort, für unsere Unternehmen, für unseren Wohlstand und damit für uns alle." Mit der Unterzeichnung entstünde laut Strasser die weltweit größte Freihandelszone dieser Art, die 708 Millionen Menschen umfasse. Außerdem erklärte der IV-Burgenland-Präsident, man begrüße auch die laufenden Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit Indien.

Neues Jahr, bekannte Belastungen

Auch über die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in Österreich sprach Strasser deutlich. Er sagte, Österreich habe eine der höchsten Abgabenquoten im OECD-Raum, während gleichzeitig die Kosten für Energie, Personal und Bürokratie weiterhin hoch seien. Zudem komme die Konjunktur aus seiner Sicht nicht ausreichend in Fahrt.

"In Österreich haben wir eine der höchsten Abgabenquoten im OECD-Raum, die Kosten für Energie, Personal und Bürokratie sind nach wie vor hoch und wir kämpfen mit einer Konjunktur, die nicht richtig in Schwung kommt", so Strasser. 

Energie, Industrie und KI 

Strasser sprach sich auch dafür aus, Industriepolitik und Energiepolitik enger miteinander zu verknüpfen. Die Industrie müsse dabei als Partner einbezogen werden. In diesem Zusammenhang forderte er eine Industrie-Energie-Strategie, in der Energieüberschüsse gezielt als Standortvorteil genutzt werden.

Zudem hob er Künstliche Intelligenz als zentralen Faktor für die Standortentwicklung hervor. Strasser erklärte, die Wirtschaft werde neue Technologien konsequent anwenden müssen. Er betonte: "Wir kommen nicht umhin, neue Technologien bestmöglich zu nutzen." Viele Unternehmen würden bereits intensiv mit KI arbeiten.

Von Politik und Verwaltung erwarte er bei Forschung und Entwicklung mehr Geschwindigkeit, insbesondere beim Thema KI. Strasser verwies dabei auch auf die Situation im Burgenland: Die Forschungsquote liege bei 0,78 und sei damit die niedrigste aller Bundesländer.

Forderung nach Wachstum und Investitionsanreizen

Für 2026 sei es laut dem IV-Burgenland Präsidenten entscheidend, wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurückzukehren. Dafür brauche es politischen Umsetzungswillen, mutige Entscheidungen und konkrete Anreize für Investitionen. Strasser sagte, Konsum und Beschäftigungswachstum sollten nicht überwiegend aus dem öffentlichen Sektor kommen, vielmehr solle sich der Staat stärker auf seine Kernaufgaben konzentrieren. Er forderte: "Konsum und Beschäftigungswachstum dürfen nicht größtenteils vom öffentlichen Sektor kommen. Der Staat sollte sich mehr auf seine Kernkompetenzen besinnen."

Gleichzeitig müsse die Privatwirtschaft gestärkt werden. Strasser erklärte, man erwarte daher auch Impulse aus der angekündigten Industriestrategie der Bundesregierung, die in dieser Woche präsentiert werden solle. Er rief dazu auf, die zentralen Herausforderungen gemeinsam anzugehen darunter Energiekosten, Bürokratie und Steuerlast und industrielle Wertschöpfung in der Region zu halten. „Die Privatwirtschaft muss gestärkt werden", so Strasser. 

Impulsvortrag zu Innovation und Fehlerkultur

Als Gastredner war beim Neujahrsempfang auch der Genetiker und Autor Markus Hengstschläger vertreten. In seinem Impulsvortrag beschäftigte er sich unter anderem mit der Frage, welches gesellschaftliche Mindset notwendig sei, um innovative Antworten auf drängende Herausforderungen zu entwickeln. Dabei thematisierte er auch die Bedeutung einer offenen Fehlerkultur als Grundlage für Lösungsbegabung und Innovationskraft.

Rund 120 Gäste aus Wirtschaft und Politik

Musikalisch wurde die Veranstaltung durch ein Streicherquartett sowie ein Jazz-Duo der Joseph Haydn Privathochschule gestaltet. Insgesamt nahmen rund 120 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Sozialpartnerschaft und Bildung am Neujahrsempfang teil.

Unter anderem vor Ort waren Bernd Berghofer (Austria Pet Food GmbH), Christoph Blum (Trafomodern Transformatorenges.m.b.H), Roman Bock (Becom Electronics GmbH), Markus Bohrer (Dr. Bohrer Lasertec GmbH), Martin Geiger (Siemens AG Österreich, Niederlassung Burgenland), Manfred Gerger (Gerger Industrial Holding GmbH), Christina Glocknitzer (Seal Maker Produktions- und Vertriebs GmbH), Jochen Joachims (Braun Lockenhaus GmbH), Andrea Maller-Weiß (Bank Burgenland AG), Johannes Marchhart (Marchhart GmbH), Alexander Martna (Kromberg & Schubert Austria GmbH & Co. KG.), Stephan Sharma (Burgenland Energie AG), Marco Talasz (Vossen GmbH & Co KG), Matthias Unger (Unger Steel Group), Clemens Weinhandl (Pinkataler Schotterwerke GmbH & Co KG) und Bernd Zauner (Lenzing Fibers GmbH).

www.burgenland.iv.at

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