Sanierungsverfahren eröffnet
Großpleite eines Autozulieferers: 365 Mitarbeiter betroffen

| Tobias Seifried 
| 11.01.2026

Gründe liegen laut dem Unternehmen in Nachfragerückgängen in der Automobilzulieferindustrie, Materialengpässen und gescheiterten Restrukturierungen. Von der Insolvenz sind auch über 660 Gläubiger:innen betroffen.

Ende letzter Woche haben die Wollsdorf Leder Schmidt & Co. GmbH (WLS) sowie die Wollsdorf International GmbH Anträge auf Eröffnung von Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beim Landesgericht für Zivilrechtssachen Graz eingebracht. Die Unternehmen meldeten zuvor Zahlungsunfähigkeit und insolvenzrechtliche Überschuldung, nachdem außergerichtliche Sanierungsbemühungen gescheitert waren. Eine zeitnahe Eröffnung der Verfahren gilt laut KSV1870 und AKV als wahrscheinlich.

Struktur und Verbindlichkeiten

Innerhalb der Wollsdorf-Unternehmensgruppe fungiert die Holdinggesellschaft Wollsdorf International als zentrale Beteiligungsgesellschaft und hält unter anderem 90 Prozent an der WLS. Die operative Lederproduktion erfolgt über Letztere, die den zentralen Standort in Wollsdorf betreibt und Leder für die Automobil-, Möbel- und Flugzeugindustrie herstellt. Autoleder generiert 81 Prozent des Umsatzes, Möbelleder rund sieben Prozent und Flugzeugleder etwa sechs Prozent.

Finanziell weist die WLS Passiva von rund 26,7 Millionen Euro aus, die Holding rund 32 Millionen Euro. Betroffen sind insgesamt 365 Mitarbeiter:innen sowie 664 Gläubiger:innen (587 bei WLS, 77 bei der Holding). Die WLS-Aktiva von rund 4,95 Millionen Euro werden im Liquidationsfall deutlich niedriger bewertet, insbesondere Beteiligungen und Produktionsanlagen. Bei der Holding werden die Aktiva mit lediglich 288.919 Euro beziffert.

Gründe

Insolvenzursachen liegen laut Wollsdorf Leder vor allem in der Automobilzulieferindustrie, von der die Gruppe stark abhängig ist. Ab September 2024 sei es zu massiven Nachfragerückgängen bei wesentlichen europäischen Herstellern gekommen. Zusätzlich hätten Lieferengpässe aufgrund der Maul- und Klauenseuche in Ungarn und der Slowakei zu steigenden Materialkosten geführt. Qualitätsprobleme bei Rohhäuten und die fehlende Einhaltung von Qualitätssicherungsstandards in Österreich machten eine gewinnbringende Produktion künftig nur noch durch eine Verlagerung nach Mexiko möglich, so das Unternehmen. Restrukturierungsvereinbarungen mit den finanzierenden Banken scheiterten, nachdem ein geforderter Eigentümerbeitrag nicht in der gewünschten Form geleistet werden konnte.

Sanierungsplan

Geplant ist eine Fortführung der Unternehmen im Rahmen eines Sanierungsplans mit einer Quote von 20 Prozent innerhalb von zwei Jahren. Laut den Anträgen sollen die Sanierungsplanquoten bei der WLS aus dem operativen Betrieb sowie aus der Verwertung nicht mehr benötigter Vermögenswerte nach Produktionsverlagerung nach Mexiko finanziert werden. Bei der Holding sollen sie aus Erträgen, der Veräußerung von Beteiligungen, IC-Forderungen sowie Beiträgen aus der Gesellschaftersphäre gedeckt werden.

Brigitte Peißl-Schickmair, Leiterin Unternehmensinsolvenz beim KSV1870 in Graz, erklärte: "Die Insolvenzverwalter werden nunmehr zu prüfen haben, ob eine Fortführung im Interesse der Gläubiger:innen liegt und der vorgelegte Sanierungsplan eingehalten werden kann."

www.ksv.at

www.akv.at

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