Raiffeisenverband Salzburg-Neujahrsempfang
RVS sieht dringenden Handlungsbedarf bei Steuern und Bürokratie

| Redaktion 
| 11.01.2026

Beim Neujahrsempfang forderten Generaldirektor Heinz Konrad und der Ökonom Franz Schellhorn tiefgreifende Reformen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit.

Zum 28. Mal lud der Raiffeisenverband Salzburg Anfang Jänner zum traditionellen Neujahrsempfang in die Salzburger Felsenreitschule. Rund 1.300 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Kultur und Sport folgten der Einladung. Gesprächspartner von RVS-Generaldirektor Heinz Konrad war in diesem Jahr der Ökonom Franz Schellhorn, Direktor des Thinktanks Agenda Austria. Musikalisch begleitet wurde der Abend von mehreren jungen Ensembles und Solist:innen aus Salzburg.

Forderung nach Entlastungen für Betriebe

Heinz Konrad nutzte die Veranstaltung für einen Rückblick auf das Geschäftsjahr 2025 sowie für eine Einordnung der aktuellen wirtschaftlichen Lage. Angesichts der Herausforderungen für Unternehmen brauche es nun klare politische Entscheidungen. Um die Wettbewerbsfähigkeit nicht zu gefährden, seien Reformen und ein deutlicher Abbau bürokratischer Belastungen dringend erforderlich.

Raiffeisen Salzburg stehe in engem Austausch mit der regionalen Wirtschaft, betonte Konrad. Dabei zeige sich immer wieder, dass Betriebe eine spürbare Entlastung benötigen, um Wachstum zu ermöglichen und den Lebensstandard langfristig abzusichern. "Raiffeisen Salzburg hat das Ohr ganz nahe bei der Wirtschaft. Und da hören wir eine Botschaft immer und immer wieder: Unsere Betriebe brauchen eine spürbare Entlastung, um die Wettbewerbsfähigkeit halten zu können, um nachhaltig ein Wirtschaftswachstum zu schaffen und damit den Lebensstandard für die Menschen in unserem Land abzusichern", sagte der RVS-Generaldirektor.

Das Jahr 2026 müsse aus seiner Sicht jenes Jahr sein, in dem wirksame Reformen umgesetzt werden. Halbherzige Maßnahmen würden nicht mehr ausreichen. Es dürfe nicht weiter darauf gewartet werden, dass sich die wirtschaftliche Situation von selbst verbessere.

Kritik an Steuer- und Schuldenpolitik

Auch Franz Schellhorn sprach sich für einen Kurswechsel aus. Er unterstützte den Reformappell an die Politik und erklärte, höhere Staatsausgaben, neue Schulden und zusätzliche Steuern seien keine nachhaltige Antwort auf die aktuellen Probleme. Die Staatsquote müsse vielmehr schrittweise sinken, um finanzielle Spielräume zu schaffen, Investitionen zu fördern und den Mittelstand zu stärken. Schellhorn argumentierte, dass nur durch eine Begrenzung der Ausgaben der Zinsendienst langfristig beherrschbar bleibe und gleichzeitig Entlastungen für die Bevölkerung möglich würden. Ziel müsse es sein, Österreich wieder auf einen stabilen Wachstumspfad zu führen.

Internationale Vorbilder für Reformen

Agenda Austria präsentierte im Rahmen des Abends mehrere Reformansätze. Genannt wurden u.a. eine Budgetsanierung nach Schweizer Vorbild, sozialpolitische Anpassungen nach dänischem Modell sowie ein umfassender Bürokratieabbau, orientiert an internationalen Beispielen. Diese Konzepte sollten zeigen, dass strukturelle Reformen möglich seien, ohne soziale Sicherheit grundsätzlich infrage zu stellen.

Arbeit und Leistung wieder attraktiver machen

RVS-Generaldirektor Konrad verwies darauf, dass sich die heimische Wirtschaft trotz des Endes der Rezession nur langsam erhole. Österreich liege beim Wachstum weiterhin im hinteren Feld Europas, was mit einem schleichenden Wohlstandsverlust einhergehe. Gleichzeitig seien Inflation, hohe Lohnabschlüsse, Energiekosten und Bürokratie zusätzliche Belastungsfaktoren. Das bestehende Lohnsteuersystem wirke aus seiner Sicht leistungsfeindlich. Arbeit müsse sich wieder lohnen, weshalb insbesondere der Mittelstand entlastet werden müsse. Konrad erklärte, ein erheblicher Teil der Teilzeitarbeit sei steuerlich motiviert. Diese Entwicklung gelte es zu korrigieren, auch im Hinblick auf die langfristige Altersvorsorge.

Salzburg wirtschaftlich stark positioniert

Trotz der Herausforderungen sieht Konrad Salzburg insgesamt gut aufgestellt. Das Bundesland verfüge über das höchste BIP pro Kopf in Österreich, eine unterdurchschnittliche Arbeitslosenquote und zähle zu den leistungsfähigsten Regionen Europas. Raiffeisen Salzburg trage mit einem Marktanteil von rund 50 Prozent in den Kerngeschäftsfeldern Einlagen und Kredite wesentlich zur Stabilität bei.

Die genossenschaftliche Struktur mit regionaler Entscheidungsautonomie sei dabei ein zentraler Faktor. Raiffeisen Salzburg betreue rund 370.000 Kund:innen und sei mit 132 Bankstellen flächendeckend präsent, auch in strukturschwächeren Regionen.

Solides Geschäftsjahr und Auszeichnungen

Das abgelaufene Geschäftsjahr 2025 sei für den Raiffeisenverband Salzburg erfolgreich verlaufen. Ein Einmaleffekt aus einem Beteiligungsunternehmen werde zu einem Rekordergebnis führen, detaillierte Zahlen sollen nach der Generalversammlung veröffentlicht werden. Zudem wurde das Private Banking von Raiffeisen Salzburg vom Elite Report und dem Handelsblatt als bester Vermögensverwalter Österreichs ausgezeichnet (LEADERSNET berichtete).

www.raiffeisen.at/rvs

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