Für Musikliebhaber:innen und Freund:innen großer Bühnen hält das kommende Jahr einiges Programm bereit, denn in 175 Tagen (Stand: 18. November 2025) startet das erste Semifinale des Eurovision Song Contest 2026, der Wien im kommenden Jahr in einen Treffpunkt für internationale Musiker:innen verwandeln wird (LEADERSNET berichtete hier und hier). Für all jene, die bereits auf sogenannten heißen Kohlen sitzen und den Mai nicht erwarten können, präsentierte der ORF erst kürzlich im Zuge einer Pressekonferenz weitere Updates zum Megaevent. Stattgefunden hat diese in der Wiener Stadthalle.
Wertschöpfung in Millionenhöhe
"Die 70. Auflage des Eurovision Song Contest ist etwas ganz Besonderes. Wir arbeiten auf Hochtouren daran, ganz Europa zu begeistern, einzigartige Shows und ein Fest für alle zu bieten. Wir setzen auf das Miteinander und wollen besondere gemeinsame Momente schaffen", so Roland Weißmann, Generaldirektor des ORF, über die kommende Veranstaltung, die laut dem ECO Austria – Institut für Wirtschaftsforschung eine Wertschöpfung von 52 Millionen Euro verspricht. Insgesamt soll der Musikwettbewerb bis zu 88.000 zusätzliche Besucher:innen in die Bundeshauptstadt locken – darunter Tagestourist:innen, aber auch jene mit mehrtägigem Aufenthalt sowie Journalist:innen und Crewmitglieder. In Summe könnte somit jeder Euro, der aus öffentlicher Hand für den Eurovision Song Contest 2026 investiert wird, eine gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung von 1,70 Euro ermöglichen. Darüber hinaus wird auch mit einer Zunahme von Wiens Werbewert gerechnet. Laut der Wirtschaftskammer lieg dieser im dreistelligen Millionenbereich (LEADERSNET berichtete).
Über die Postcards 2026
Die sogenannten Postcards haben beim Eurovision Song Contest bereits lange Tradition. Ursprünglich wurden sie als Pausenfüller zwischen den Musik-Acts eingebaut. Heute sind sie weit mehr als das und präsentieren sich als künstlerische Elemente der Shows, die das Gastgeberland sowie die Interpret:innen in den Fokus rücken. Für das kommende Event wurde Gebhardt Productions mit der Umsetzung beauftragt. Ihr Konzept kombiniert reale Außenaufnahmen an österreichischen Schauplätzen mit Studioaufnahmen der Künstler:innen, die anschließend in mehreren Ebenen übereinandergelegt werden. Auf diese Weise sollen spezielle Erlebniswelten entstehen – vom Sessellift, der über verschneite Bergkämme zieht, über eine Künstlerin in Mikrogröße, die durch Wälder und Wiesen wandert und dabei überdimensionale Pflanzen bestaunt, bis zu Protagonist:innen, die über Skylines laufen. Darüber hinaus wird zu jedem Postcard-Film eine reale Ansichtskarte gedruckt, die für das Publikum erhältlich ist. Obendrein gibt es auch einen historischen Österreich-Bezug, denn die erste Postkarte wurde 1868 vom Kärntner Emanuel Herrmann erfunden.
"In unseren Postcards zeigen wir Österreich von seinen schönsten und spannendsten Seiten – und zwar in moderner Bildsprache und mit einem Konzept, das abwechslungsreiche Möglichkeiten bietet, die Künstler:innen einzubinden. Als besonderes Detail können unsere 'Postcards' dann auch als reale Postkarten in alle Welt verschickt werden", so Stefanie Groiss-Horowitz, Programmdirektorin des ORF. Die Dreharbeiten für die Postcards haben bereits im Oktober begonnen, um so bestmöglich alle Jahreszeiten abbilden zu können. Die Aufnahmen der Interpret:innen werden später im Studio gedreht.
ORF setzt auf Verstärkung
Im Zuge der Pressekonferenz wurde zudem kommuniziert, dass der ORF 800 Volunteers sucht, die Teil des Events werden möchten. "Volunteers glänzen mit Begeisterung und sind jedes Jahr ein unverzichtbares Aushängeschild des größten TV-Musikwettbewerbs der Welt. Der Eurovision Song Contest bietet die einzigartige Chance, Teil einer internationalen Familie zu werden, Gleichgesinnte aus aller Welt zu treffen und gemeinsam bei etwas Großem dabei zu sein", meint Michael Krön, Executive Producer des Eurovision Song Contest. Das Anmeldeverfahren startet am 1. Dezember 2025. Die ausgewählten Freiwilligen werden dann von 27. April bis 17. Mai 2026 im Pressezentrum, an Infodesks, in der Wiener Stadthalle, am Rathausplatz oder am Flughafen dabei sein.
Zudem wurde bekannt, dass es bereits 1.600 Bewerber:innen aus der ganzen Welt für die Stand-ins gibt. Gemeint sind damit professionelle Performer:innen, die stellvertretend für Künstler:innen oder Moderator:innen eingesetzt werden, um Abläufe zu testen, Positionen und Showelemente zu prüfen und zu verbessern. Aus dem breiten Pool werden schließlich 680 professionelle Tänzer:innen und 120 professionelle Sänger:innen zu den Auditions eingeladen, von denen schlussendlich 30 Künstler:innen ausgewählt werden, die als Stand-in-Performer:innen beim Musikwettbewerb dabei sein werden.
Mehrstufiges Ticketing, Inklusion und eine zweifache Umwelt-Zertifizierung
Um den Ticketablauf fair und sicher zu garantieren, kommt ein mehrstufiges Ticketsystem zum Einsatz, mit einer Regierungs-, Freischaltungs- und Ticketverkaufsphase. Genauere Informationen sollen am 24. November 2025 auf den Websites und Social-Media-Accounts der EBU und des ORF folgen. Zusätzlich strebt der Öffentlich-Rechtliche eine doppelte Umwelt-Zertifizierung an – "Green Event" und "Green Producing in Film und Fernsehen". Der Fokus liege auf Energie, Mobilität, Abfall und nachhaltiger Beschaffung.
Um auch in puncto Inklusion ein starkes Zeichen zu setzen, werden alle Songs mit Musikgebärden produziert. Außerdem sollen die Shows mit Untertiteln versehen und eine Audiodeskription genutzt werden. Obendrein werden die TV-Momente in die Österreichische Gebärdensprache übersetzt. Und auf die Barrierefreiheit soll mittels eines umfassenden Serviceangebots an den Event-Locations geachtet werden.
Der Vorentscheid "Vienna Calling"
Erstmals seit 2016 wird es einen nationalen Vorentscheid geben, bei dem das TV-Publikum mitentscheiden kann, wer für Österreich ins Rennen gehen wird. Am 20. Februar 2026 präsentieren etwa Alice Tumler und Cesár Samson um 20:15 Uhr live in ORF 1 und auf ORF On "Vienna Calling – Wer singt für Österreich?". Im Zuge des Formats entscheiden eine Jury und das Publikum, wer das Land beim Song Contest repräsentieren darf. Bisher habe es bereits mehr als 500 Bewerbungen aus allen Bundesländern gegeben – darunter die Genres Schlager, Pop, Operngesang oder auch Rock und Country. Das ORF-Redaktionsteam sucht nun gemeinsam mit den Scouts beim internen Live-Casting jene zwölf Acts, die beim nationalen Vorentscheid dabei sind.
Weitere Details
Wie es mit Israels Teilnahme beim kommenden Eurovision Song Contest aussieht, soll bei der Generalversammlung der EBU am 4. und 5. Dezember 2025 geklärt werden. Weißmann, der zu Beginn des Monats den israelischen Präsidenten Jizchak Herzog und Vertreter des örtlichen Senders Kan getroffen hatte, betonte allerdings erneut, dass die Teilnahme Israels in Wien erfolgen solle.
LEADERSNET begleitete die Pressekonferenz und hat für Sie Eindrücke in der Galerie zusammengestellt.
www.wien.info
www.eurovision.tv
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