Fotos PK Vienna Green Economy Report
Kreislaufwirtschaft bringt Wien 3,6 Milliarden Euro an Wertschöpfung

| Tobias Seifried 
| 11.11.2025

Der neue Vienna Green Economy Report zeigt, welche Chancen im Bereich der Nachhaltigkeit stecken. Projekte in Bau, Energie und Mobilität könnten nicht nur viel Geld bringen, sondern auch über 300.000 Tonnen CO₂ einsparen.

Bürgermeister Michael Ludwig und Wirtschaftskammer-Wien-Präsident Walter Ruck haben am Dienstag im Rathaus die vierte Ausgabe des Vienna Green Economy Reports präsentiert. Die Publikation soll verdeutlichen, welchen volkswirtschaftlichen Beitrag Wiener Unternehmen mit Infrastruktur- und Technologieprojekten leisten und welche Treibhausgasreduktionen möglich sind. Schwerpunkt in diesem Jahr ist die Kreislaufwirtschaft – für Wien eine zentrale Zukunftschance.

"Der Vienna Green Economy Report zeigt eindrucksvoll, welches Zukunftspotenzial in der Kreislaufwirtschaft steckt. Wien geht hier mit gutem Beispiel voran: Wir sammeln Abfälle getrennt, bereiten sie hochwertig auf und gewinnen daraus wiederverwertbare Rohstoffe", sagte Ludwig. Mit der Formel Reduce – Reuse – Recycle setze die Stadt auf Vermeidung, Wiederverwendung und Recycling.

Auch Ruck betonte die wirtschaftliche Bedeutung. Laut ihm biete die Kreislaufwirtschaft großes Potenzial – besonders im Bausektor, wo der größte Anteil des Abfalls anfalle. "Reduktion der Abfälle und eine längere Nutzung der Primärrohstoffe sind entscheidend. Allein im Bausektor ist eine CO₂-Einsparung von 288.000 Tonnen möglich." Insgesamt könne Wien laut dem WKW-Präsidenten eine Wertschöpfungssteigerung von 3,5 Milliarden Euro erzielen.

Unternehmen an Board

Dem Report zufolge engagieren sich auch zahlreiche Wiener Betriebe in der Kreislaufwirtschaft – etwa refurbed. Das 2017 gegründete Unternehmen zählt zu den am schnellsten wachsenden Online-Marktplätzen für professionell erneuerte Elektronikprodukte. "Wir leben in einem Zeitalter, in dem es unrealistisch ist zu glauben, dass Menschen ohne Smartphones, Laptops oder Espressomaschinen leben möchten", sagte Katrin Müller, Leiterin Nachhaltigkeit bei refurbed. Ziel sei es, nachhaltigen Konsum massentauglich zu machen, indem preiswerte und umweltfreundlichere Alternativen angeboten werden.

Auch das Wiener Unternehmen MATR setzt auf zirkuläre Modelle und entwickelt Matratzen für die Hotellerie aus recyceltem Material. Verena Judmayer, Co-Gründerin und Co-CEO, erklärte, MATR zeige, dass Kreislaufwirtschaft ein funktionierendes Geschäftsmodell sei. Um diese Modelle zu skalieren, brauche es aber faire Wettbewerbsbedingungen und öffentliche Beschaffung, die Kreislauffähigkeit berücksichtige.

In Wien sind rund 3.400 Unternehmen in der Kreislaufwirtschaft tätig. Sie beschäftigen 34.000 Mitarbeiter:innen und erwirtschaften jährlich 13,5 Milliarden Euro.

327.000 Tonnen eingespartes CO₂

Neben der Kreislaufwirtschaft analysiert der Report Projekte in den Sektoren Immobilien, Energie und Mobilität. Der Ausbau von Photovoltaik-Anlagen bringt Wien demnach jährlich 37 Millionen Euro Wertschöpfung bei CO₂-Einsparungen von rund 28.000 Tonnen. Elektrofahrzeuge wirken sich mit 39 Millionen Euro und mehr als 10.000 Tonnen CO₂ aus. Die Fernkälte-Anlage der Wien Energie am MedUni-Campus Mariannengasse erzielt dem Report zufolge einen Nutzen von vier Millionen Euro und spart 1.000 Tonnen CO₂. Insgesamt ergeben sich Wertschöpfungseffekte von 3,6 Milliarden Euro und CO₂-Einsparungen von 327.000 Tonnen.

LEADERSNET war bei der Präsentation. Fotos sehen Sie in unserer Galerie.

www.wko.at

www.wien.gv.at

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