Interview mit Rita Niedermayr
"Nach den Rezessionsjahren braucht es strukturelle Änderungen, neuen Schwung und Investitionen"

Rita Niedermayr ist die Herausgeberin von CFOaktuell und die Geschäftsführerin des Controller Instituts. Im LEADERSNET-Interview spricht sie über den von ihr konzipierten Austrian CFO Day und erklärt unter anderem, warum es notwendig ist, die strategische Gestaltungsrolle von CFOs zu stärken und was wichtig ist, um die herausfordernden Zeiten zu meistern. 

LEADERSNET: Frau Niedermayr, Sie haben den Austrian CFO Day konzipiert. Welcher Impuls stand am Anfang – und hat sich dieser Ansatz am Veranstaltungstag bestätigt?

Rita Niedermayr: Der CFO Day ist die logische Fortsetzung meiner Arbeit an der Schnittstelle von Praxis, Thought Leadership und Community. Aus dem kontinuierlichen Dialog mit CFOs ist eine engagierte Community entstanden, die wir am 23. September 2025 im Apothekertrakt Schönbrunn bewusst zusammengeführt haben – um Perspektiven zu schärfen, Lösungen zu teilen und Wirkung zu entfalten. Genau das ist eingetreten.

LEADERSNET: Was konnten die Teilnehmer:innen vor Ort erleben?

Niedermayr: Eine kuratierte Agenda mit Tiefgang: eine kontextsetzende Keynote zur wirtschaftlichen Zukunft Europas, einen Executive Talk mit Top-Entscheider:innen sowie vertiefende Foren zu Transformation, M&A, Dekarbonisierung, KI, Finanzierung und Nachhaltigkeit – jeweils mit klaren Praxisimpulsen und unmittelbarem Umsetzungsbezug. Ergänzend gab es KI-Labs sowie viel Raum für Vernetzung.

LEADERSNET: Wie groß war das Echo?

Niedermayr: Wir hatten deutlich über 200 Teilnehmer:innen – diese Größenordnung hat sich bestätigt und zeigt, wie relevant die Themen für die CFO-Agenda sind.

LEADERSNET: Sie haben dazu eingeladen, die strategische Gestaltungsrolle von CFOs zu stärken. Warum war das heuer besonders wichtig – und wie wurde das auf der Bühne sichtbar?

Niedermayr: Nach den Rezessionsjahren braucht es strukturelle Änderungen, neuen Schwung und Investitionen in Innovation und Produktivität. Holger Bonin betonte: Institutionen und Rahmenbedingungen nachschärfen (Binnenmarkt, F&I-Programme, Dekarbonisierung mit Wettbewerbsfähigkeit denken), Industriepolitik fokussieren (GVC-Einbindung, strategische Autonomie, Cyber-Resilienz) und Governance-Defizite adressieren. Für Österreich heißt das: Ausgabendisziplin, Reformen und mehr Wettbewerb.

CFO-Hebel in Kürze: Kapital gezielt in Produktivitätstreiber lenken (Automatisierung, Daten & KI, Energieeffizienz, F&E); Standort-, Lieferketten- und Finanzierungsentscheidungen robust in Szenarien steuern; Governance und Controlling schärfen: klare Ziele, messbare Ergebnisse, konsequente Umsetzung.

LEADERSNET: Welcher Programmpunkt lag Ihnen besonders am Herzen – und wie ist er angekommen?

Niedermayr: Neben der Keynote von Holger Bonin (IHS) war es der von mir moderierte Executive Talk mit Stefan Dörfler (Erste Group), Christian Knill (Knill Energy), Patricia Neumann (Siemens) und Holger Bonin. Die Diskussion, wie Unternehmen heute die Weichen für Wettbewerbsstärke und Wachstum stellen, war sehr pointiert – das Feedback war entsprechend positiv.

LEADERSNET: Was braucht es aus Ihrer Sicht, um die herausfordernden Zeiten zu meistern – und welches Stimmungsbild nahmen Sie mit?

Niedermayr: Einen Doppelansatz: Resilienz durch robuste Finanzierung, stringente Priorisierung und effiziente Steuerung. Gleichzeitig Aufbruch durch gezielte Investitionen in Technologie, Talente und KI sowie eine Dekarbonisierung, die als Business Case verstanden wird. Ich blicke zuversichtlich nach vorn, wenn wir konsequent priorisieren und Umsetzungskraft mobilisieren – die Beiträge am CFO Day haben genau darauf gezielt.

LEADERSNET: In drei Wörtern – wie war der CFO Day 2025?

Niedermayr: Relevanz. Dialog. Umsetzung.

LEADERSNET: Ihre persönlichen Take-aways?

Niedermayr:  

  1. Flood the zone with rationality. Fundierte Antworten bereitstellen.
  2. Es ist nicht mehr "fünf vor zwölf". Realitäten klar adressieren.
  3. Tun, tun, tun. Nicht abwarten, sondern gestalten – Momentum schaffen.
  4. Fair – aber entschlossen – agieren. Europas Stärken koordinieren, nutzen, durchsetzen.
  5. Fix the basics. Governance, Daten, Prozesse als Grundlage für Technologie.
  6. Produktiver werden. Zielgerichtet in Automatisierung, Digitalisierung und AI investieren.
  7. In Optionen denken. Strategische Vorschau, Szenarien – Chancenfenster schnell nutzen.

LEADERSNET: Vielen Dank!

www.controller-institut.at

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