Hinschauen, aufstehen, aussprechen!

| Redaktion 
| 04.07.2023

Gastkommentar von Hans Harrer, Vorstandsvorsitzender Senat der Wirtschaft.

"Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen. Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter. Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal." Dieser Spruch aus dem Talmud wabert schon seit vielen Jahren durch das Internet, allerorten wird mehr "Zivilcourage" gefordert. In der Realität aber haben viele Menschen das Gefühl, verlassen zu werden, Verbrechen geschehen am hellichten Tag oder Senior:innen werden tot und allein in ihrer Wohnung nach Monaten aufgefunden.

Das Problem ist: Vom wohlfeilen Wort "Mut" zur Tat ist es ein großer Schritt. Er beginnt damit, einen Lümmel in der Tram darauf hinzuweisen, die Füße von der Sitzfläche zu nehmen. Er beginnt damit, seinem Chef zu sagen: "Diese Methode ist erfolgreicher.", aber auch von einem Chef zu seinem:r Mitarbeiter:in zu sagen: "Sie haben recht, ich habe mich geirrt."

Ich bewundere die engagierten Frauen und Männer in unserem Senat der Wirtschaft, die täglich etwas "unternehmen", etwas wagen und an ihre Eigenverantwortung glauben. Bewundernswert finde ich z.B. auch solche, die einmal im Jahr die Rollen tauschen und als Geschäftsführer plötzlich in der Logistik Pakete schleppen oder in der Buchhaltung Zahlenkolonnen kontrollieren müssen.

Kürzlich sah ich eine Karikatur des großen, deutschamerikanischen Karikaturisten Thomas Nast:


Karikatur © Thomas Nast

Mut zur Eigenverantwortung, Mut zum Widerspruch. Fremde Perspektiven einnehmen, Mut zum Anderssein, Konzepte neu zu denken – das ist es, was wir brauchen. Schluss mit dem Duckmäusertum und den Opportunisten! Den Anfang müssen wir bei uns selbst machen: Denn Wirtschaft, das sind wir alle!

www.senat.at


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