Digitale Angriffe sind längst kein Randphänomen mehr, sondern haben sich zu einer zentralen Bedrohung für die globale Wirtschaft entwickelt: Wie das aktuelle Allianz Risk Barometer 2026, für das heuer über 3.300 Risikomanagement-Expert:innen befragt wurden, festhält, stehen Cybervorfälle bereits zum fünften Mal in Folge an der Spitze der größten Unternehmensrisiken weltweit – und erreichen mit 42 Prozent der weltweiten Antworten einen neuen Höchstwert. Über alle Regionen hinweg, von Europa über Amerika bis nach Asien-Pazifik sowie Afrika und den Nahen Osten, überflügelt das Thema Cybersecurity sämtliche anderen Risikofaktoren deutlich. Die Entwicklung spiegelt nicht nur die wachsende Abhängigkeit von digitalen Technologien wider, sondern auch eine Bedrohungslage, die sich durch geopolitische Spannungen, neue regulatorische Anforderungen und immer professioneller agierende Angreifer weiter zuspitzt – mit besonders gravierenden Folgen für kleine und mittlere Unternehmen, denen oft die nötigen Ressourcen zur wirksamen Absicherung fehlen.
"Die Investitionen großer Unternehmen in Cybersicherheit und Resilienz haben sich ausgezahlt und sorgen dafür, dass sie Angriffe frühzeitig erkennen und darauf reagieren können. Allerdings entwickeln sich Cyberrisiken ständig weiter. Unternehmen sind zunehmend auf Drittanbieter für kritische Daten und Dienste angewiesen, während KI die Bedrohungen verstärkt, die Angriffsfläche vergrößert und bestehende Schwachstellen noch verschärft", erklärt Michael Bruch, Global Head of Risk Consulting Advisory Services bei Allianz Commercial.
Risikobewusstsein hinsichtlich KI steigt rasant
Vor diesem Hintergrund wenig verwunderlich, ist Künstliche Intelligenz (KI) 2026 in die Spitzengruppe der globalen Unternehmensrisiken aufgerückt und belegt mit 32 Prozent erstmals Platz zwei im Ranking – nach Rang zehn im Vorjahr der größte Sprung in der diesjährigen Erhebung. Über alle Weltregionen hinweg spielt KI eine zentrale Rolle: In Amerika, im asiatisch-pazifischen Raum sowie in Afrika und dem Nahen Osten rangiert sie jeweils auf Platz zwei, in Europa auf Platz drei. Gleichzeitig zählt sie für große, mittlere wie auch kleine Unternehmen inzwischen zu den Top-3-Risiken. Mit der zunehmenden Integration von KI in zentrale Geschäftsprozesse erwarten die Befragten vor allem eine Zunahme haftungsrelevanter Fragestellungen, wobei insbesondere die rasche Verbreitung und praktische Nutzung generativer KI-Systeme das Bewusstsein für die damit verbundenen Risiken deutlich geschärft hat.
"Unternehmen sehen KI zunehmend nicht nur als eine leistungsstarke strategische Chance, sondern auch als eine komplexe Quelle für operative, rechtliche und Reputationsrisiken. In vielen Fällen schreitet die Einführung schneller voran, als Governance, Regulierung und Unternehmenskultur mithalten können", sagt Ludovic Subran, Chefökonom der Allianz. "2026 werden immer mehr Unternehmen versuchen, den Einsatz von KI auszuweiten. Sie werden sich vermehrt mit Problemen hinsichtlich der Systemzuverlässigkeit, Datenqualität, Integrationshürden und dem Mangel an qualifizierten Fachkräften konfrontiert sehen. Gleichzeitig entstehen neue Haftungsrisiken im Zusammenhang mit automatisierten Entscheidungsprozessen, voreingenommenen oder diskriminierenden Modellen, dem Missbrauch geistigen Eigentums und der Ungewissheit darüber, wer haftet, wenn durch KI generierte Ergebnisse Schaden verursachen."
Betriebsunterbrechungen mit geopolitischen Risiken verknüpft
Darüber hinaus zählen Betriebsunterbrechungen (BU) erstmals nicht mehr zu den beiden größten Unternehmensrisiken, sondern rutschen 2026 auf Platz drei ab. An Relevanz verlieren sie jedoch nicht, da sie häufig als Folge anderer Top-Risiken auftreten. Geopolitische Spannungen, protektionistische Handelspolitik und ausgeweitete Handelsbeschränkungen setzen globale Lieferketten zunehmend unter Druck – zumal nur ein sehr kleiner Teil der Unternehmen diese als wirklich resilient einschätzt. Entsprechend gewinnen Strategien wie Friendshoring und Regionalisierung an Bedeutung, auch wenn 29 Prozent der Befragten BU weiterhin als größte Gefahr einstufen.
Verschiebungen zeigen sich übrigens auch bei anderen Risiken: Naturkatastrophen fallen unter anderem aufgrund einer ruhigeren Hurricane-Saison 2025 auf Platz fünf zurück. Gleichzeitig klettern politische Risiken und Gewalt von Rang neun auf Platz sieben und erreichen damit ihre bislang höchste Platzierung. Gesetzes- und Regulierungsänderungen, einschließlich Zöllen, bleiben weltweit auf Platz vier, werden jedoch von mehr Befragten als Risiko wahrgenommen. Mehr als die Hälfte hält eine durch geopolitische Konflikte ausgelöste Lähmung globaler Lieferketten für das wahrscheinlichste Black-Swan-Szenario der kommenden fünf Jahre.
Österreich sieht KI als größte Bedrohung
Ein ähnliches Bild zeigt sich auch auf nationaler Ebene, wobei sich die Risikowahrnehmung in Österreich in einzelnen Punkten noch deutlich zuspitzt. Erstmals nennen die österreichischen Studienteilnehmer:innen Künstliche Intelligenz mit 44 Prozent als größtes Risiko für heimische Unternehmen, noch vor Cyberangriffen, die mit 32 Prozent auf Platz zwei folgen. Rang drei wird gleich von mehreren Faktoren geteilt: Betriebsunterbrechungen, Änderungen in Gesetzgebung und Regulierung sowie der Klimawandel werden jeweils von 26 Prozent als zentrale Bedrohungen genannt. Deutlich an Bedeutung verloren haben hingegen Naturkatastrophen, die nach Platz zwei im Vorjahr auf Rang sieben zurückfallen und mit einem Minus von 22 Prozentpunkten den stärksten Rückgang im aktuellen Österreich-Ranking verzeichnen.
"Das Jahrhunderthochwasser 2024 prägte ganz klar das letztjährige Risk Barometer für Österreich. Da die Lage 2025 etwas gemäßigter war, rückt auch die Gefahr durch Naturkatastrophen wieder in den Hintergrund. Stattdessen wird Künstliche Intelligenz von österreichischen Unternehmen als zunehmendes Risiko empfunden – von Datenabfluss und Manipulation bis zu Haftungs- und Reputationsschäden birgt der Einsatz von KI viele Fallstricke. Wer sich schützen will, braucht klare Governance, sichere Daten- und Zugriffsmodelle sowie laufende Risiko-Checks", sagt Daniel Matić, CEO der Allianz in Österreich, und ergänzt: "Auch wenn Naturkatastrophen im aktuellen Risk Barometer nicht ganz oben auf der Risiko-Liste der Österreicher:innen standen, sollten wir uns nicht in falscher Sicherheit wiegen. Diese Risiken sind allgegenwärtig und sollten nicht unterschätzt werden, denn die nächste Naturkatastrophe kommt bestimmt."
Mehr Informationen zur Studie finden Sie in unserer Infobox.
www.allianz.at
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