"Wir sind ein Vertrauensnetzwerk für Business Angels"

Die Austrian Angel Investors Association feiert ihr zehnjähriges Bestehen. Selma Prodanovic, Co-Founderin und Vorstandsmitglied der aaia und Vize-Präsidentin des European Business Angel Network, und Niki Futter, Präsident der aaia und Business Angel, im LEADERSNET Interview. 

Von einer Handvoll Unterstützer:innen ist die aaia in den vergangenen zehn Jahren auf 250 Mitglieder und zu einem wichtigen Eckpfeiler des österreichischen Startup-Ökosystems herangewachsen. Trotz der Erfolge ruht sich der Verein nicht auf seinen Lorbeeren aus, sondern startet voller neuer Ideen und Lösungsansätze für bessere Rahmenbedingungen für innovative Jungunternehmen in das nächste Jahrzehnt. 

Die aaia steht der Politik als Experte zur Seite und bietet zukunftsweisende Lösungen an. Vor allem bestehe Handlungsbedarf, das Gründen von Startups zu erleichtern und den heimischen Kapitalmarkt in frühen Phasen zu stärken, so der Vorstand. LEADERSNET hat Selma Prodanovic, Co-Founderin und Vorstandsmitglied der aaia und Vize-Präsidentin des European Business Angel Network, und Niki Futter, Präsident der aaia und Business Angel, zum Interview gebeten.

LEADERSNET: Was ist unter der Austrian Angel Investors Association eigentlich zu verstehen?

Prodanovic und Futter: Die aaia ist das führende Netzwerk für Angel Investor:innen in Österreich, welches die wichtigsten Player des Ökosystems vereint. Wir vernetzen unsere mittlerweile 250 Mitglieder untereinander und mit Startups, arbeiten aktiv an politischen Rahmenbedingungen und sind ein wichtiger Eckpfeiler in der heimischen Startup Szene sowie gefragter Ansprechpartner für Politik, Medien & Co. Darüber hinaus ist die aaia ein bedeutendes Mitglied des European Business Angel Network (EBAN) und hat sich zum Ziel gesetzt, grenzüberschreitende Startup-Ökosysteme und Investments zu ermöglichen.

LEADERSNET: Welche Aufgaben hat die Organisation?

Prodanovic und Futter: Die aaia ist ein Vertrauensnetzwerk für Business Angels in Österreich, das seinen Mitgliedern ermöglicht, sich zu vernetzen, auszutauschen, voneinander zu lernen und gemeinsam zu investieren. Durch unser breites Angebot an Aus- und Weiterbildungsformaten wie Webinaren und den Investors Academies, vermitteln wir angehenden und aktiven Angel Investor:innen investment-relevantes Know-How. Zusätzlich arbeiten wir aktiv an der Verbesserung der Rahmenbedingungen des Startup Ökosystems.

LEADERSNET: Wie kann die Zielsetzung der Austrian Angel Investors Association definiert werden?

Prodanovic und Futter: Wir gestalten die Zukunft, in dem wir die österreichische Angel Investor:innen Szene aktiv vorantreiben und Anreize für Investor:innen schaffen, in Innovator:innen zu investieren.

LEADERSNET:  Wie fühlt sich das zehnjährige Bestehen der Organisation für Sie persönlich an?

Prodanovic und Futter: Wir sind sehr stolz darauf, was wir in den letzten zehn Jahren erreicht haben und wohin sich die Organisation entwickelt hat. Bevor wir gestartet sind, war das Ökosystem noch ganz am Anfang, wir haben die Startup und Early-Stage Investing Szene in Österreich maßgeblich mitgestaltet. Durch unser starkes Wachstum und Engagement konnten wir uns als eines der führenden Angel-Netzwerke in Europa etablieren.

LEADERSNET: Welche Rolle nimmt die aaia bei der Vernetzung zwischen den österreichischen Start-ups mit den privaten Investor:innen ein?

Prodanovic und Futter: Die aaia fungiert als Ansprechpartner für Investor:innen und Startups und schafft Möglichkeiten zur gezielten Vernetzung, die die Finanzierung und das Wachstum junger Unternehmen ermöglicht. Die Mitglieder der aaia investieren aktiv und gemeinsam in Startups (Co-Investments) und unterstützen diese durch Know-how, Kontakte und finanzielles Kapital.

LEADERSNET:  Wie und in welchen Bereichen möchte die aaia Österreich als Wirtschaftsstandort stärken?

Prodanovic und Futter:
 Wie die kürzlich von der aaia und Partnern in Auftrag gegebene Studie zeigt, spielen Startups eine besonders wichtige Rolle für die Entwicklung einer Volkswirtschaft. Gerade innovative Jungunternehmen sind mit ihrem Wachstumspotenzial für die Innovationskraft einer Volkswirtschaft von enormer Bedeutung. Durch das Ermöglichen von Investments in Startups, sowie die aktive politische Arbeit, um die Rahmenbedingungen für Startups und Investor:innen in Österreich zu verbessern, trägt die aaia maßgeblich zur Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Österreich bei.

LEADERSNET: Wie hat sich die Situation der Start-ups in den letzten Jahren verändert?

Prodanovic und Futter: Investments in Startups sind in den letzten Jahren attraktiver geworden und es gibt viel mehr Interesse von Privatpersonen, Business Angels zu werden – nicht zuletzt durch die jüngsten österreichischen Unicorns. Das hat bewirkt, dass die Gründer:innen nun die Treiber:innen sind und selektiver Vorgehen können – auch die Geldgeberseite muss sich einem Pitch stellen. Wir hoffen aber, dass es in Zukunft noch leichter für Startups wird, Finanzierungen von heimischen Business Angels zu finden und zu bekommen.

LEADERSNET: Mit welchen Herausforderungen war die Organisation in den letzten Jahren konfrontiert?

Prodanovic und Futter: Eine große Herausforderung war mit Sicherheit die Covid-19 Pandemie, da ein wichtiger Teil unserer Arbeit das Bereitstellen eines aktiven Netzwerkes für unsere Mitglieder ist, die sich vor allem bei physischen Events connecten, Co-Investor:innen finden und Investmentmöglichkeiten besprechen. Durch vergleichbare Online-Formate konnten wir unseren Mitgliedern jedoch auch in dieser Zeit viele Möglichkeiten zum Austausch bieten.
Auch die politische Situation in Österreich ist immer wieder eine Herausforderung, da sich mit jedem Regierungs- oder Amtswechsel unsere Ansprechpartner:innen verändern und wieder neue Gespräche bezüglich der Verbesserung der Rahmenbedingungen des Ökosystems gestartet werden müssen. Wir sind jedoch auch in der Politik sehr gut vernetzt, weswegen wir aktiv weiter an unserer Agenda arbeiten können.

LEADERSNET: Wie haben sich die Covid-19-Pandemie und der jetzige Krieg zwischen Russland und der Ukraine konkret auf die Arbeit des Vereins ausgewirkt?

Prodanovic und Futter: Wie bereits erwähnt, war die Covid-19 Pandemie eine Herausforderung in Bezug auf das Angebot, das wir unseren Mitgliedern ermöglichen können. Da die Pandemie vielerorts Einbußen gefordert hat, haben wir Initiativen wie den Covid-19 Hilfsfond unterstützt, um Startups über die Krise zu helfen. Für manche Investor:innen und Startups, vor allem in Bereichen wie zB EduTech war die Pandemie jedoch auch eine große Chance.

Der russische Krieg gegen die Ukraine ist eine unermessliche Tragödie. Als starkes Netzwerk hat die aaia Gründer:innen und Investor:innen aus der Ukraine unterstützt und Helfenden und Hilfesuchenden eine Ansprechstelle zur Verfügung gestellt.

LEADERSNET: Welche Auswirkungen könnte das Geschehen für die Zukunft ihrer Branche haben?

Prodanovic und Futter: Dieser Krieg erfordert neue innovative Zugänge und Lösungen auf nationaler, aber auch globaler Ebene. Business Angels investieren in genau diese Lösungen. Unsere Aufgabe dabei ist es, unsere Mitglieder in ihrer Arbeit und bei ihren Investments zu unterstützen, uns an ihre Bedürfnisse anzupassen bzw. die Vorreiterrolle zu übernehmen.

LEADERSNET:  Was erhoffen Sie sich für die weitere Zukunft der aaia?

Prodanovic und Futter:
 Wir wollen auch in Zukunft der wichtigste Treffpunkt für die aktivsten Business Angels sein. Wir wachsen und entwickeln uns ständig weiter, um uns noch stärker als Interessensvertretung für die Schaffung notwendiger politischer Rahmenbedingungen für Investor:innen und Startups einzusetzen, aber auch um Innovation "made in Austria" mit Smart Money zu ermöglichen. Außerdem erweitern wir kontinuierlich unser Ausbildungs-Angebot für neue sowie Lead Investor:innen. Diesen Herbst startet unsere Spezial-Edition der Investors Academy | Female Edition, um mehr Frauen den Einstieg zum Angel Investing zu erleichtern. Und natürlich wollen wir weiterhin gemeinsam mit unseren Mitgliedern die Zukunft gestalten. (jw)

www.aaia.at

Eindrücke von der 10-Jahres-Feier finden Sie in unserer Galerie.

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