"Wir sind der One-Stop-Shop für wirtschaftsnahe Forschung und Entwicklung in Österreich"

FFG-Geschäftsführerin Henrietta Egerth im Interview über den Stellenwert der Forschungsförderung in Österreich, welchen Beitrag die Forschungsförderungsgesellschaft dabei hat, wer eigentlich gefördert wird und wann rot-weiß-rote Innovationen besonders gut gedeihen. 

LEADERSNET: Jeder hat zumindest schon einmal von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) gehört. Was macht diese eigentlich?

Egerth: Die FFG ist der One-Stop-Shop für wirtschaftsnahe Forschung und Entwicklung in Österreich. Unser Ziel ist die Stärkung des heimischen Forschungs- und Innovationsstandorts und die nachhaltige Absicherung von Arbeitsplätzen und Wohlstand. Als Teil des österreichischen Innovationssystems unterstützen wir die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft und der Wissenschaft national und international.

LEADERSNET: Wer steckt dahinter?

Egerth: Der Eigentümer ist die Republik Österreich, vertreten durch das Klimaschutzministerium und das Wirtschaftsministerium. Die FFG wickelt aber auch für das Landwirtschaftsministerium die Breitbandmittel ab und für das Wissenschaftsministerium die Beteiligung am EU-Forschungsprogramm Horizon Europe. Darüber hinaus betreut die FFG Förderprogramme einzelner Bundesländer und des Klima- und Energiefonds.

LEADERSNET: Wieviele Projekte werden durchschnittlich pro Jahr gefördert?

Egerth: Pro Jahr erhalten rund 4000 Projekte eine Förderung durch die FFG.

LEADERSNET: Kann man sagen, dass Corona zu einem Motivationsschub bei Innovationen geführt hat?

Egerth: Corona hat sicher viele neue Innovationen angestoßen. Bei der FFG bemerken wir steigende Antragszahlen – plus 40 Prozent im Pandemiejahr 2020, was nicht verwundert, denn Forschung, Technologie und Innovation sind die besten Instrumente im Kampf gegen die aktuelle Gesundheits- und Wirtschaftskrise. Das Förderportfolio der FFG kann hier entscheidend für die Entwicklung innovativer Produkte, Dienstleistungen und zukünftiger Geschäftsmodelle von Unternehmen sein. Mit diesen Innovationsoffensiven zur Stärkung von so wichtigen Zukunftsthemen, wie Digitalisierung, Klima- und Energietechnologien und Life Sciences können wir die Krisenresilienz Österreichs weiter stärken.

LEADERSNET: Wo liegen aktuell die Finanzierungsschwerpunkte?

Egerth: Die besondere Stärke der FFG liegt im breiten und themenoffenen Förderangebot und unterstützt Unternehmen genau dort, wo sie es brauchen. Themen wie Klimawandel, Mobilitäts- und Energiewende stehen ganz vorne. Gefolgt von Digitalisierung, und letztendlich Innovation allgemein. D.h. Start-ups, Infrastrukturprojekte - immer mit dem Ziel einer raschen Umsetzung am Markt.

LEADERSNET: Wie kommen Start-ups und Unternehmen zu einer Förderung? Können Sie das Procedere kurz skizzieren?

Egerth: Förderungen werden im Rahmen von Ausschreibungen, so genannten Calls vergeben. Dafür hat die FFG einen standardisierten Einreichprozess über eine online-Schnittstelle eingerichtet: den sogenannten „eCall". Einzelne Förderungen sind speziell für Start-ups oder KMU entworfen. Für kleinere Einstiegsförderungen gibt es zum Teil vereinfachte Anträge. Das ist z.B. beim Innovationsscheck der Fall.

LEADERSNET: Welche Bedeutung kommt der Forschungsförderung in Österreich eigentlich zu? Wo liegen wir im internationalen Vergleich?

Egerth: Österreich verfügt über eine überaus leistungsfähige Forschungscommunity und ist ein attraktiver Innovationsstandort in Europa, das zeigt sich auch in der steigenden Anzahl forschender Unternehmen und Hochschulen. Forschung, Entwicklung und Innovation sind ganz klar die zentralen Triebkräfte für die wirtschaftliche, technische und gesellschaftliche Entwicklung. Ein Euro an öffentlichen Mehrausgaben für die Forschung, Entwicklung und Innovation führt zu einem langfristigen BIP-Zuwachs von 6 Euro. Forschende Unternehmen wachsen schneller, erzielen höhere Exportquoten und schaffen mehr Arbeitsplätze als andere Unternehmen. Österreich liegt bei den Forschungsausgaben im EU-Spitzenfeld und hat sich als Forschungs- und Innovationsstandort international einen guten Ruf erarbeitet.

LEADERSNET: Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, dass rot-weiß-rote Innovationen gut gedeihen können?

Egerth: Es braucht – wie bisher  –  ein stabiles und förderndes Umfeld, eine gute Zusammenarbeit zwischen Forschung und Wirtschaft und dazu eine gute internationale Vernetzung. (jw)

www.ffg.at

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