Mediale Berichterstattung über Gewalt an Frauen: So denken Journalist:innen darüber

Die Berichterstattung über Gewalt und Mord an Frauen nimmt zu. Über die dabei nötige Sensibilität und den Umfang sind sich männliche und weibliche Redakteur:innen jedoch nicht einig.

17 Femizide – von einem Mord kann man erst nach der Verurteilung des Täters sprechen – gab es dieses Jahr bereits in Österreich. Folglich vergeht kaum ein Tag ohne dramatische Schlagzeilen über Täter, Opfer und Hintergründe. Die Wiener PR-Agentur Ecker & Partner (E&P) hat daher im Rahmen ihrer Kampagne #männerzeigthaltung die österreichische Bevölkerung sowie österreichische Journalist:innen zum Thema "Gewalt an Frauen" befragt.

In beiden Gruppen geben rund 70 Prozent an, dass Gewaltverbrechen an Frauen in den letzten zwei Jahren zugenommen haben. Ähnliche Ergebnisse gibt es bei der Frage nach der Häufigkeit der Berichterstattung: 70 Prozent der befragten Medienvertreter:innen und 60 Prozent der Bevölkerung sind überzeugt, dass diese in den letzten zwei Jahren gestiegen ist. Übereinstimmung existiert auch darüber, dass zu wenig über psychische Gewalt an Frauen (Journalist:innen 76 Prozent; Bevölkerung 54 Prozent), sexualisierte Gewalt an Frauen ohne Todesfolge (Journalist:innen 63 Prozent; Bevölkerung 52 Prozent) sowie körperliche Gewalt an Frauen ohne Todesfolge (Journalist:innen 59 Prozent; Bevölkerung 50 Prozent) berichtet wird.

Journalistinnen fordern mehr Sensibilität

Bei der Frage nach mehr Sensibilität für das Thema "Gewalt an Frauen" zeigt sich eine deutliche Geschlechterdiskrepanz zwischen befragten Journalistinnen und Journalisten. Während 88 Prozent der Journalistinnen der Meinung sind, dass die Tat oft verharmlosend dargestellt wird, denken das nur 59 Prozent der männlichen Kollegen. Knapp ein Drittel, nämlich 30 Prozent der Redakteure finden, dass die Häufigkeit derartiger Gewalttaten überproportional dargestellt wird – diese Ansicht teilen nur vier Prozent der Redakteurinnen.

© E&P
© E&P

Das Gros der befragten Medienvertreter:innen gibt jedenfalls an, in Berichten zu Gewaltverbrechen mittlerweile auf Anlaufstellen für Betroffene hinzuweisen (78 Prozent). Auch die interne Auseinandersetzung mit dem Thema nimmt in letzter Zeit in den Redaktionen zu, so 69 Prozent der Befragten. Redaktionelle Richtlinien, wie über Gewalttaten berichtet werden sollte, oder Weiterbildungen zum Thema "Gewalt an Frauen" sind jedoch Mangelware: Knapp 70 Prozent sagen, dass Sensibilisierungsmaßnahmen oder Weiterbildungen weder angeboten werden noch geplant sind.

Noch immer ein Tabuthema

Gewalt an Frauen ist im Familien- und Bekanntenkreis bei mehr als 20 Prozent der österreichischen Bevölkerung noch immer ein Tabuthema. Und das, obwohl knapp 38 Prozent der Österreicherinnen angeben, bereits selbst mindestens einmal von einem Mann belästigt worden zu sein sowie knapp 28 Prozent der Frauen und 25 Prozent der Männer mindestens eine Frau persönlich kennen, die von einem Mann belästigt wurde.

Der Gender-Gap bei Gewaltverbrechen und Diskriminierung in Österreich wird bei der Frage deutlich, ob man selbst schon einmal von einem Mann belästigt, diskriminiert oder gar Opfer eines Gewaltverbrechens geworden ist: Nur 28 Prozent der Frauen, aber 46 Prozent der Männer beantworten diese mit einem klaren "Nein".

© Ecker & Partner/Kurt Kainrath
Axel Zuschmann © Ecker & Partner/Kurt Kainrath

Axel Zuschmann, geschäftsführender Gesellschafter von Ecker & Partner: "Mit unserer Aktion #männerzeigthaltung und auch dieser Umfrage möchten wir die systematische Gewalt an Frauen in Österreich sichtbar machen. Wir wollen Männer motivieren, dagegen aufzutreten und zu handeln – in allen Lebensbereichen, sei es im privaten oder beruflichen Umfeld. Gewalt gegen Frauen ist vor allem männlich und daher braucht es auch Männer, die dieses Problem bekämpfen."

Täterprofil und Opferschutz

Mehr als 40 Prozent der Bevölkerung finden es sehr wichtig oder eher wichtig über Täter und Motiv informiert zu werden, 35 Prozent zumindest fallweise. Bei den Journalist:innen sieht es ähnlich aus, vor allem jene, die länger als 20 Jahre Berufserfahrung haben, finden Informationen über den Täter in der Berichterstattung relevant (47 Prozent vs. 24 Prozent bei weniger als 20 Jahren Berufserfahrung).

Opferschutz ist beiden befragten Gruppen wichtig: 60 Prozent geben an, dass Angaben zum Opfer eher nicht oder auf gar keinen Fall veröffentlicht werden sollten, 24 Prozent wollen Informationen nur in ausgewählten Fällen in der Berichterstattung nutzen. (as)

www.eup.at

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Über die Umfrage

Im Mai und Juni hat Ecker & Partner über Marketagent rund 500 Österreicher:innen sowie knapp 120 österreichische Journalist:innen befragt.

www.marketagent.com

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