Der Großteil der Führungskräfte traut sich einen beidhändigen Führungsstil zu, lautet es im aktuellen Hernstein Management Report, für den 1.548 Führungskräfte sowie Unternehmerinnen und Unternehmer, davon 632 in Österreich und 916 in Deutschland online befragt wurden.
Jede fünfte Führungskraft (19 %) hat demnach durch die Covid-19-Krise ihren Führungsstil verändert hat. In der IT- und Telekom-Branche war es mit 24 % besonders signifikant. Der Trend geht klar in Richtung Agilität, die auf die Selbstorganisation der Mitarbeitenden vertraut. 49 % dieser Führungskräfte lebten diesen ihrer Aussage nach bereits vor der Krise, danach waren es mit 52 % knapp mehr. In den nächsten drei Jahren dürfte sich dieser Trend weiter verstärken: 65 % der Führungskräfte meinen, dass dann ein agiler Führungsstil in ihren Unternehmen gefragt sein wird. Demgegenüber stehen Vertriebs-Verantwortliche, die einen leichten Rückgang von 60 % auf 58 % erwarten. Dabei werden im Hinblick auf das Erreichen der Unternehmensziele die Vorteile eines hierarchischen Stils durchaus geschätzt: 65 % sind der Meinung, dass das Ziel Wirtschaftlichkeit eher damit erreicht wird. Ein Weg, um die unterschiedlichen Stile zu kombinieren, könnte Ambidextrie sein – ein beidhändiger Führungsstil, der sich durch den Wechsel zwischen einem hierarchischen und agilen Stil auszeichnet. Dieser wird von 69 % befürwortet und 64 % sehen ihn in der Praxis als umsetzbar an.
"Mit einem beidhändigen Führungsstil lassen sich unterschiedliche strategische Schwerpunkte vereinen. Als Führungskraft gilt es einerseits zwischen der Optimierung von Stabilität sowie Effizienz und andererseits der Flexibilität sowie dem Entdecken von Neuem die Balance zu finden. Dies stellt hohe Ansprüche an die fachliche und persönlichkeitsbezogene Qualifikation von Führungskräften und Mitarbeitenden", kommentiert Michaela Kreitmayer, Leiterin Hernstein Institut für Management und Leadership. Ergänzend fügt sie hinzu: "Die sinnstiftende Verwirklichung von Ambidextrie ist vor allem eine Frage der Routine. Ein Fünftel der Führungskräfte hält Beidhändigkeit dann für lebbar, wenn entsprechende Erfahrung gegeben ist. Denn diese sorgt für Entscheidungssicherheit, die bei einem derartig flexiblen Konzept besonders wichtig ist."
Oberes Managament sticht hervor
19 % der Führungskräfte haben ihren Führungsstil aufgrund von Covid-19 in Richtung mehr Agilität geändert. Allein der häufig sehr kurzfristig umzusetzende, großflächige Einsatz von Homeoffice hat hohe Anforderungen an die Unternehmensführung gestellt. Dabei fällt auf, dass mehr Führungskräfte unter 40 Jahren ihren Stil geändert haben als ihre älteren Kolleginnen und Kollegen, wobei das in Deutschland noch ausgeprägter ist als in Österreich (Deutsche Führungskräfte unter 40 Jahre: 24 %; ab 40 Jahren:
15 %).
Unter den Führungsebenen sticht das obere Management hervor, dessen Vertreterinnen und Vertreter zu 29 % ihren Stil geändert haben. Im unteren Management waren es mit 18 % deutlich weniger. Nach Branchen ist es der IT- und Telekom-Sektor, der die stärksten Anpassungen zeigt: 24 % veränderten ihr Führungsverhalten, gefolgt vom Handel mit 22 %.
Wie geht es weiter?
In drei Jahren sehen 65 % der Führungskräfte einen agilen Stil in ihrem Unternehmen als tonangebend an. Dies entspricht einer Steigerung von 5 % gegenüber heute. Bemerkenswert ist, dass sich der Anteil jener Führungskräfte, die eine uneinge¬schränkte Verwirklichung des agilen Ansatzes kommen sehen, von derzeit 6 auf 13 % mehr als verdoppelt.
Das stärkere Vertrauen von Frauen in Agilität bleibt bestehen. Während 67 % der weiblichen Führungs-kräfte meinen, dass in den kommenden drei Jahren ein agiler Führungsstil gefragt sein wird, sind es unter ihren männlichen Kollegen 58 %. Nach Aufgabenbereichen zeigt sich eine interessante Differenzierung: Führungskräfte mit kaufmännisch-administrativer Verantwortung sehen zu 68 % einen Bedeutungszuwachs von Agilität (heute: 61 %). Hingegen erwarten Vertriebs-Verantwortliche in drei Jahren sogar einen leichten Rückgang, von heute 60 % auf 58 %. (red)
www.hernstein.at/hmr