Der Österreicher Josef Penninger zählt weltweit zu den bekanntesten Genetikern. Als Chef des Life Science Institutes (LSI) an der University of British Columbia (USB) leitet er das größte Life Science-Institut Kanadas mit 1.000 Mitarbeitern und 90 Forschergruppen. Gemeinsam mit seinem Team verfügt er über einen Wirkstoff, der große Hoffnung in der Behandlung von COVID-19 macht.
Im Livetalk des Management Centers Innsbruck (MCI) mit Studierenden sowie Lesern der Tiroler Tageszeitung (TT) diskutierte er die aktuelle Coronakrise, wie sein Medikament helfen könnte und wie weit es bereits im Zulassungsverfahren ist. "Ich liebe Viren, sie sind meine Welt", so Penninger. Manche der Viren seien jedoch sehr gefährlich und man müsse sich vor ihnen schützen. Deshalb plädiert er auf jeden Fall dafür, sich gegen COVID-19 impfen zu lassen, sobald ein sicherer Impfstoff verfügbar sei.
Optimismus bei Medikament gegen COVID-19
Bereits im Zuge der SARS-Epidemie 2002/2003 hatte Penninger mit seinen Kollegen das Virus SARS-CoV1 erforscht, das dem neuen Virus sehr ähnlich ist und im menschlichen Körper dieselben Rezeptoren benutzt. Er entwickelte damals eine Substanz, die das Virus stoppt. Die Phase 1-Tests hat das Medikament bereits vor zehn Jahren durchlaufen.
Die Phase 2-Tests laufen gerade an, und es schaue sehr gut aus, meint der Wissenschafter: "Das von uns zum Arzneimittel weiterentwickelte Enzym ACE 2 hat zwei Rollen: Es verhindert, dass das Virus in die Zellen eindringt, und es hat eine schützende Wirkung auf das Lungengewebe, dämpft also die Infektion und schützt so die Lunge vor einem tödlichen Versagen."
Absage an Verschwörungstheorien
Verschwörungstheorien rund um COVID-19 erteilt Josef Penninger eine klare Absage. Es gäbe keinen einzigen Hinweis darauf, dass das Virus künstlich im Labor erzeugt worden wäre. Dass die COVID-19-Erkrankung jedoch ihren Ausgang in Norditalien genommen hat, hätte jedem Experten klar sein müssen. Grund dafür sei die enge Verflechtung der norditalienischen Textilindustrie mit China. "Alle wissen, dass Epidemien aus China über Norditalien nach Europa und über Toronto nach Nordamerika kommen", so Penninger.
Den raschen und massiven Lockdown, den die österreichische Regierung veranlasst hatte, befürwortet der Wissenschafter. Angesichts der vorhandenen Informationen und der fehlenden Erfahrung mit dem Virus wären dies die richtigen Maßnahmen gewesen. Den Vergleich von COVID-19 mit der Grippe findet er unpassend und unfair. Zum einen sei das COVID-19 auslösende Virus viel infektiöser als Influenzaviren, zum anderen gäbe es gegen Grippe eine wirksame Impfung, die viel zu wenig in Anspruch genommen würde.
"Das nächste Mal sind wir vorbereitet"
Weil die Forschung in Riesenschritten voranginge und die Menschen lernen würden, ihr Verhalten der Bedrohung anzupassen, macht Josef Penninger Mut: "Wenn das Virus das nächste Mal kommt, werden wir vorbereitet sein. So etwas wie in den letzten Wochen wird nicht wieder geschehen." (red)
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