Corona beschert Österreich den stärksten TV-Tag seit 1991

Dentsu Austria hat die TV-, App- und Onlinenutzung während der "Coronakrise" untersucht.

Das Wort "Corona", das bis vor Jahresbeginn noch ganz andere Bedeutungen hatte, wie etwa in der Gastronomie eine "mexikanische Biermarke", in der Antike "Ehren- oder Siegeskranz", oder auch in der Planetologie "ovale Oberflächenstrukturen auf Planeten", vermittelt nun ein ganz neues Gefühl.

Berichte über den Ausbruch des Coronavirus und dessen Auswirkungen auf unser gesamtes Leben sind zurzeit bei nahezu allen Medien die Nummer Eins des Tagesgeschehens. Dentsu Austria hat deshalb eine Studie erstellt, in der die Auswirkungen auf die TV-, App- und Onlinenutzung in Woche 1 der Ausgangsbeschränkung untersucht wurde.

Stärkster TV-Tag Österreichs seit 1991

Vor allem TV zählt in unserer heutigen "Fake News Zeit" zu einer wichtigen Säule vertrauensvoller Informationsbeschaffung, daher werden vorrangig Nachrichten auf allen Sendern aufmerksam verfolgt. So steigt die TV Nutzungszeit in Minuten innerhalb der Zielgruppe der 12- bis 49-Jährigen von 125 Minuten in der Kalenderwoche (KW) 12
2019 auf 181 Minuten in der KW 12 2020.

Der 15. März 2020 wird wohl in die Geschichte des öffentlich-rechtlichen Fernsehens eingehen. An diesem Abend lief um 19.30 Uhr die "Zeit im Bild" auf allen vier ORF-Sendern, dieser Durchschalter verhalf der ZiB zu einem Marktanteil von 66,8 Prozent und unglaublichen rund 2,8 Millionen Zuschauern und Zuschauerinnen innerhalb der Zielgruppe Erwachsene 12+ vor den Fernsehern. Dies ist die höchste gemessene Zuschauerzahl seitdem es den Teletest gibt. Doch auch bei den Privaten informiert man sich über das Tagesgeschehen. Das gesamte Fernsehen verzeichnet an diesem Sonntag eine Nutzungszeit von knapp über fünf Stunden innerhalb der Zielgruppe Erwachsene 12+.

Auch Entertainment ist wichtig

Die Privat TV Sender können mit ihren Unterhaltunsgsshows reüssieren. So belegt "The Masked Singer Austria" mit rund 263.000 Zusehern und Zuseherinnen (6,4 Prozent Durchschnittsreichweite/DRW) in der Zielgruppe der 12- bis 49-Jährigen in der Top 5 Hitliste der Privaten Platz eins.

Den zweiten Platz in diesem Ranking sichert sich ein altbekanntes Format, nämlich "Germany's Next Topmodel" mit rund 206.000 Sehern (DRW 5,8 Prozent). "Ablenkung ist also ein nicht zu unterschätzendes Bedürfnis, denn gerade während dieser herausfordernden Zeit sehnen sich die Zuschauer und Zuschauerinnen nach Abwechslung in den eigenen vier Wänden", ist man bei Dentsu Austria überzeugt.

Corona dominiert Google Trends

Auch die Online Welt wird dominiert von Themen rund um das Coronavirus. Der Begriff "Corona" erreichte am 15. März seinen bisherigen Höhepunkt, flacht aber seitdem etwas ab. Aktuell stehen Themen, die unseren Alltag durch das Coronvirus beeinflussen, stärker im Vordergrund – allen voran Grundbedürfnisse, wie die Lebensmittelversorgung.

Die Google Suchanfragen zeigen, dass das Interesse an "Lebensmittel" ab 11. März stark zunimmt, sich aber nach dem 15. März, nach Bekanntgabe der Regierung, dass die Lebensmittelversorgung sichergestellt ist, wieder etwas entspannte. Die Ausgangsbeschränkung bewirkt zudem, dass eine hohe Nachfrage an Online Shops von Lebensmittelketten sowie an Onlineshops generell besteht.

App-Nutzung spiegelt Lebenssituation wider

Im Berufsleben gilt es trotz der Krise das Business durch Home Office aufrecht zu erhalten. Das unterstreichen die App-Download Zahlen der letzten Woche. Plattformen wie Microsoft Teams, Skype und cloudbasierte Lösungen, die im Home Office unterstützen sollen, nehmen zu. War Microsoft Teams am 8. März noch auf Platz 479 der österreichischen App-Download Charts (iOs), belegte die App innerhalb von zwei Tagen Platz 1 und blieb bis 17. März auch an der Spitze der Download Charts.

Neben arbeitsrelevanten Apps und Lern-Apps, treten seit letzter Woche zunehmend Plattformen in den Vordergrund, die helfen, sich virtuell zu vernetzen und die unterhalten. Die App "Houseparty" ist seit Mitte letzter Woche im Trend und verzeichnet einen starken Zuwachs an Downloads, auch "TikTok", das bereits vor der Krise viele User in Österreich verzeichnet, gewinnt wieder an Bedeutung. Für Eltern ist besonders die Unterhaltung ihrer Kinder, aber auch die Vermittlung von Lernstoff ein großes Thema. Seit Beschluss, dass die Schulen geschlossen bleiben, finden viele Eltern Unterstützung in geeigneten Apps, wie zum Beispiel bei "Anton-Schule-Lernen". Die App ist seit 16. März in den beiden Kategorien "Kinder" und "Lernen" die Nummer 1.

Vertrauensvolle Websites als Informationsquelle

In Krisenzeiten ist das Risiko der Fake-News-Verbreitung aufgrund der direkten Betroffenheit jedes Einzelnen um 35 Prozent höher. Die Österreicherinnen und Österreicher versuchen dem entgegenzusetzen und vertrauen als Informationsquelle vor allem auf den öffentlich rechtlichen Rundfunk und auf die Online Seiten der Behörden.

So weißt sozialministerium.at Ende letzter Woche eine um 62 Prozent höhere Sichtbarkeit in den Suchergebnissen auf als noch Ende Februar und orf.at verzeichnete in den letzten beiden Wochen sein höchstes Suchvolumen seit mehr als einem Jahr.

Nicht nur der genutzte Content ändert sich in Krisenzeiten, sondern auch die Dauer der Mediennutzung. Daten aus anderen Ländern, wo die Krise bereits früher ausgebrochen ist, allen voran China und Südkorea, zeigen, dass durch Ausgangsbeschränkung und Selbstisolation die Nutzung des Smartphones um bis zu 30 Prozent ansteigt. In Österreich zeigte eine erste Umfrage, dass zum Beispiel YouTube seit Beginn der Corona Krise von 31 Prozent der Befragten häufiger genutzt wird als vor der Krise. (as)

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