"Die Situation am Arbeitsmarkt setzt dem Wirtschaftswachstum Grenzen"

Österreichs mittelständischen Unternehmen fehlt es an Fachkräften, was zu Umsatzeinbußen führt.

Gut ausgebildete Fachkräfte – das ist es, woran es vor allem im heimischen Mittelstand bedrohlich mangelt. Die Schwierigkeiten bei der Suche nach geeigneten Mitarbeitern sind aktuell bei Weitem die größte Hürde und das gefährlichste Risiko, mit dem sich österreichische Unternehmen konfrontiert sehen – und die Lage spitzt sich zu.

Fast jedes dritte mittelständische Unternehmen in Österreich will in den nächsten sechs Monaten zusätzliche Stellen schaffen, doch der Anteil der Betriebe, die laut eigener Aussage Probleme bei der Rekrutierung von Fachkräften haben, liegt bei  gesamt 83 Prozent. So die Ergebnisse der Studie "Fachkräftemangel im österreichischen Mittelstand" der Prüfungs- und Beratungsorganisation Ernst & Young (EY), für die österreichweit 900 mittelständische Unternehmen mit 30 bis 2.000 Mitarbeitern befragt wurden.

Wachstums- und Umsatzbremse Fachkräftemangel

"Die Wirtschaft boomt weiterhin, die Zeichen für 2019 stehen auf Wachstum – allerdings setzt die Situation auf dem Arbeitsmarkt dem Wachstum Grenzen. Regional herrscht in Österreich teilweise Vollbeschäftigung, gut ausgebildete Fachkräfte können sich ihren Arbeitgeber längst aussuchen. Gerade kleinere Unternehmen können dadurch Stellen oft nur mühsam oder gar nicht besetzen",  so Erich Lehner, Managing Partner Markets bei EY Österreich.

Der leergefegte Arbeitsmarkt kostet Unternehmen insgesamt viel Geld. Vier von zehn Unternehmen (40 Prozent) aus dem Mittelstand beklagen Umsatzeinbußen aufgrund des Fachkräftemangels. Fünf Prozent verlieren durch den Fachkräftemangel gar mehr als fünf Prozent ihres Jahresumsatzes. Besonders gravierend sind die Folgen des Fachkräftemangels in der Immobilienbranche und im Bereich Transport und Verkehr.

Jeder fünfte Betrieb beschäftigt Flüchtlinge 

Bereits 19 Prozent der mittelständischen Unternehmen in Österreich beschäftigen asylberechtigte Flüchtlinge, weitere 42 Prozent würden Flüchtlinge beschäftigen. Als größte Hürden für die Einstellung von Flüchtlingen sehen die Unternehmen mangelnde Deutschkenntnisse (80 Prozent), die unklare Rechtslage während laufender Asylverfahren (54 Prozent), mangelnde Qualifikationen (49 Prozent) und fehlende Planungssicherheit (47 Prozent).

Probleme in allen Bundesländern 

Probleme bei der Fachkräftesuche ziehen sich durch Unternehmen in ganz Österreich, doch es zeigt sich ein regionales Gefälle: der Westen und Süden Österreichs kämpft mit den größten Problemen. Am kritischsten ist der Fachkräftemangel momentan bei Unternehmen in Vorarlberg, Oberösterreich und in der Steiermark. Zahlreiche Firmen müssen deswegen Stellen unbesetzt lassen, besonders im Produktionsbereich. Am stärksten betroffen vom Fachkräftemangel sind die Immobilienbranche (93 Prozent) sowie in Industrieunternehmen (90 Prozent). Parallel führt dies bereits bei 57 Prozent der Immobilienunternehmen und 48 Prozent der Tourismusunternehmen zu Umsatzeinbußen.

Mittelstand befürwortet Gesetz zur Arbeitszeitflexibilisierung

Die Hälfte Österreichs mittelständischer Unternehmen sieht die neue Gesetzgebung zur Arbeitszeitflexibilisierung positiv (24 Prozent uneingeschränkt, 26 Prozent eher positiv) – nur zehn Prozent sehen sie kritisch. Besonders positiv bewertet wird sie in der Immobilien- (29 Prozent) und Dienstleistungsbranche (28 Prozent). Bei Unternehmen mit Umsätzen über 100 Millionen Euro sehen sogar 36 Prozent die Flexibilisierung ausgesprochen positiv. "Die Auswirkungen in den Betrieben überschaubar: Drei Viertel der Betriebe werden keine Änderungen durchführen. 16 Prozent planen die Arbeitszeiten bei Spitzen auszuweiten, zehn Prozent eine generelle Flexibilisierung der Arbeit", so Lehner abschließend.

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