"Ich bin enttäuscht von den Reaktionen auf den Papamonat"

Nur drei von 58 börsennotierten Unternehmen in Österreich haben eine weibliche Vorstandsvorsitzende. LEADERSNET traf eine von ihnen zum Interview: Herta Stockbauer von der BKS Bank.

Frauen sehen sich trotz unermüdlicher Bemühungen, Gleichberechtigung und Chancengleichen der Geschlechter zu erreichen, nach wie vor mit gewissen alltäglichen Hürden konfrontiert, die es ihnen in vielen Fällen bislang nicht ermöglichte, den heiklen Balanceakt zwischen Familie und Karriere zu meistern. Und auch ohne Kinder und zusätztliche häusliche Verpflichtungen liegen am Weg zur beruflichen Spitze oft mehr Steine im weiblichen Weg, als auf der männlichen Parallelspur. Ein zu geringer Anteil von Frauen schafft es bis in den Chefsessel – das soll nicht mehr lange so sein.

Eine Frau, die es geschafft hat,im Vorstand eines börsennotierten österreichischen Unternehmens Fuß zu fassen, ist Herta Stockbauer. Als Vorstandsvorsitzende der Bank für Kärnten und die Steiermark (BKS) ist sie eine von nur drei Frauen die diese Position in 58 solcher Unternehmen bekleiden. LEADERSNET traf sie zum Gespräch über Leadership, Unternehmensziele in Sachen Gleichberechtigung, die "Dreifachbelastung" vieler Frauen und den Papamonat.

LEADERSNET: Frau Stockbauer, wie stehen Sie als eine der leider in Österreich immer noch viel zu seltenen weiblichen Führungskräften zu der so ungleichen Geschlechterverteilung in heimischen Chefetagen?

Stockbauer: Die Quote für Aufsichtsräte hat sich gut bewährt. Mehr Chancengleichheit brächte eine zwischen Frau und Mann besser aufgeteilte Kinderbetreuung, die für niemanden von Nachteil wäre. Umso enttäuschender finde ich die Reaktionen auf den zuletzt diskutierten Rechtsanspruch auf den Papamonat.

LEADERSNET: Inwiefern denken Sie, dass sich die neue gesetzliche Quote gut bewährt hat?  

Stockbauer: Österreich zählt innerhalb der EU leider nach wie vor zu den Nachzüglern bei der Anzahl von Frauen in Führungspositionen. Das erst unlängst veröffentlichte Mixed-Leadership-Barometer von EY zeigt, dass in nur 12 Prozent der an der Wiener Börse notierenden Unternehmen eine Frau im Vorstand ist. Nur drei von 58 untersuchten Unternehmen haben eine weibliche Vorstandsvorsitzende, ich bin eine von Ihnen. Da sieht das Bild bei Bild bei den Aufsichtsräten schon rosiger aus, hier verfügen mittlerweile 74 Prozent über weibliche Mitglieder. Unternehmen sind durch die Quote für Aufsichtsräte nun gezwungen, Diversitätskonzepte zu erstellen und Aufsichtsräte entsprechend zu besetzen. Die Suche nach passenden Mitgliedern wird damit automatisch breiter, und gut qualifizierte Frauen geraten besser ins Blickfeld.

LEADERSNET: Inwieweit erfüllt die BKS Bank diesen Anspruch, wie steht es um den Frauenanteil in ihrem Unternehmen?

Stockbauer: Die BKS Bank erfüllt die 30-Prozent- Quote schon seit vielen Jahren. Am Ende des vergangenen Jahres lag der Frauenanteil in unserem Aufsichtsrat bei 35,7 Prozent. Aber dabei wollen wir es nicht belassen, wir wollen in Zukunft noch mehr hochqualifizierte Frauen in unserer Führungsriege sehen.

LEADERSNET: Wie haben Sie Ihre Ziele denn gesteckt? Ist das ihr persönlicher Wunsch oder hat die BKS Bank sich hier kollektiv Pläne formuliert?

Stockbauer: Natürlich gibt es in der BKS Bank auch für den Anteil an Frauen in Führungspositionen Ziele. Für den Vorstand ist dieses mit einem Frauenanteil von 33 Prozent definiert, für alle anderen Führungspositionen streben wir einen Anteil von 35 Prozent  bis zum Jahr 2022 an. Und wir sind auf einem guten Weg. 2012 lag der Anteil von Frauen in Führungspositionen noch bei 25,8 Prozent, am Jahresende 2018 bereits bei 32,4 Prozent.

LEADERSNET: Wie wollen Sie diese Ziele erreichen?

Stockbauer: Um hier weitere Fortschritte zu machen, setzt die BKS Bank zahlreiche Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Karriere und Familie. Ein wichtiger Baustein hierfür ist das Programm "Frauen. Perspektiven. Zukunft.", das am Internationalen Frauentag wieder 13 Teilnehmerinnen abschließen werden. Von den bisherigen 44 Absolventinnen haben 10 eine Führungsaufgabe und weitere 10 ein neues Aufgabengebiet übernommen.

LEADERSNET: Was denken Sie, welche Maßnahmen wären notwendig, um österreichweit mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen?

Stockbauer: Wir brauchen neue Konzepte. Es gibt hier schon gute Ansätze, beispielsweise wurde in den vergangenen Jahren viel in die Kinderbetreuung investiert. Österreich bietet heute viele Betreuungseinrichtungen mit sehr hohem Standard. Dazu zählt auch die unsere bankeigene Kindertagesstätte „Kinki“, die Eltern schon seit 1998 Eltern die Rückkehr aus der Karenz erleichtern soll. Das ist ein Anfang, doch nun wünsche ich mir, dass noch innovativere Konzepte mit völlig neuen Ideen folgen. Viele Frauen haben eine Dreifachbelastung: Familie, Beruf und Haushalt. Warum kann man nicht Möglichkeiten finden, sie beim Haushalt zu entlasten?

LEADERSNET: Diese Dreifachbelastung ist ja ein altes Thema, für das bis heute keine zufriedenstellende Lösung gefunden wurde. Haushalt und Kinder werden  immer noch mehrheitlich als Frauenthema angesehen. Wie denken Sie könnte man diese überholte Rollenverteilung nachhaltig aufbrechen?

Stockbauer: In Österreich herrscht leider noch die Meinung vor, dass nur Mütter eine Bezugsperson für Kinder sein können, dabei spielen Väter eine genauso wichtige Rolle. Eine Erhöhung der Chancengleichheit von Frauen gegenüber Männern bringt hier zweifelsohne eine gleichmäßige Aufteilung der Kinderbetreuung. Eurostat berichtet beispielsweise, dass sich in Österreich 90 Prozent der Frauen im Alter von 25 bis 49 Jahren täglich um ihre Kinder kümmern, während dies bei Männern bislang nur  67 Prozent tun. Damit belegt Österreich den 16. Platz von 28 Ländern. Das ist inakzeptabel, der Papamonat ist hier ein Schritt in die absolut richtige Richtung.

LEADERSNET: Der Vorschlag, einen Rechtsanspruch auf die Familienzeit einzuführen, wurde allerdings mit zwiegespaltenen Reaktionen aufgenommen. Wie sieht das bei der BKS Bank aus?

Stockbauer: Von den negativen Reaktionen bin ich sehr enttäuscht. Ich freue mich über jeden Vater, der den Papamonat, die Familienzeit oder die Elternkarenz nutzt. Denn dadurch werden nicht nur Frauen unterstützt, sondern auch die Beziehung zwischen Papa und Kind wird vertieft. Ich verstehe, dass längere Abwesenheiten für kleine Betriebe nicht einfach sind, aber auch dafür sind Lösungen möglich. Letztes Jahr nahmen in der BKS Bank sieben von 13 anspruchsberechtigten Vätern entweder die Elternkarenz oder den Papamonat in Anspruch.

www.bks.at

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