Stellen-Annonce: „Nach Möglichkeit nicht jüdisch"

Widersprüche setzen französische Grafik-Firma NSL Studio unter Druck. 

Das in Paris beheimatete Grafik-Design-Unternehmen NSL Studio hat mit seiner aktuellsten Stellenanzeige für Wirbel und Empörung im World Wide Web gesorgt. In der nur weniger als eine Stunde online stehenden Annonce suchte der Betrieb nach einem neuen Mitarbeiter, der neben dynamischen Eigenschaften wie Stressresistenz und Selbstorganisation auch "möglichst nicht jüdisch" sein sollte.

"Anzeige wurde gehackt"

Nachdem sich die Beschwerden zur veröffentlichten Annonce gehäuft hatten, entschied sich NSL Studio diese wieder offline zu nehmen. Die Begründung des Managements klingt wenig einsichtig. "Wir sind ein Studio, das während der Arbeit nicht auf die Uhr schaut und von Zeit zu Zeit Stress hat. Aus diesem Grund wollten wir jemanden, der keine kulturellen oder religiösen Bedenken hat", lässt sich NSL Studio in einem Bericht der Webseite Les Inrocks zitieren.

Obwohl der Wortlaut der Anzeige, so heißt es in dem Bericht weiter, von der Belegschaft diskutiert wurde und es auch einen Einspruch gab, befand man die Annonce für "alles andere als diskriminierend". Wenig später setzte NSL Studio jedoch einen Tweet ab, wonach Hacker den Wortlaut gezielt manipuliert hätten. "Wir hätten sonst niemals eine solch diskriminierende Anzeige veröffentlicht. Unsere Anzeige wurde gehackt", versucht NSL Studio zu beschwichtigen.

Suche nach Verantwortlichen

Den Verweis von NSL Studio auf einen möglichen zielgerichteten Hack der Stellenanzeige lässt der Dienstleister Graphic-jobs.com indes nicht auf sich sitzen. Das Unternehmen verweist auf seine hohen Sicherheitsstandards und betont: "Die Möglichkeit eines Hackings ist undenkbar." Das Wirrwarr bei NSL Studio geht weiter. Laut Art Director Raphaël Routier wurde die Anzeige auf zwei weiteren Portalen ohne den "Juden-Zusatz" veröffentlicht. Auch wenn Routier klarstellt, eine Untersuchung bei NSL Studio eingeleitet zu haben und bei Bedarf gegen Verantwortliche vorgehen wird, bleibt ein fader Beigeschmack. So hat SOS Racism bekannt gegeben, dass deren Anwälte bereits eine formale Beschwerde bei den Behörden hinterlegt haben. Nach dem Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo hatten viele französische Juden erwogen, das Land verlassen zu wollen.(pte/jw)

www.nslstudio.com

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